Band 
I.
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Die unsichtbare Loge.

Geist sich und das Gesicht zugleich travestiert: sowürde ja, sagt' er, seine schönste Kleidung kei-nem Menschen etwas nützen — ihm selber und denSchönen am wenigsten — als blos den Schnitt-händlern. Daher waren seine Montierstücke inzwei Fächer gesondert, in kostbare (damit dieLeute sähen, daß er die elenden nicht aus Ar-muth trüge) und in eben diese elenden, die ermeistens mit jenen zugleich anhatte. Stachennicht die Klappen-Segel der schönsten gesticktenWeste allemal aus einem fuchsbraunen Ueberrockheraus, der fast in seiner Haar-Mauße verschied?Hatt' er nicht unter einem Hut für 11/2 Ld'or,einen schimpflichen Zopf aufgehangen, den er fürnicht mehr erstanden als für drei hiesige Sechser?Freilich wars halb aus Erbitterung gegen diesenso geschmacklosen Krebsschwanz des Kopfes, gegendieses wie ein Tubus sich verkürzendes und ver-längerndes Nacken-Gehenk an der vierten gedan-kenvollen Gehirnkammer. Sein Schreib-Geschirrmußte schöner als sein Eß-Geschirr und sein Pa-pier feiner als seine Wäsche sein, er konnte nir-gend schlechte kleine Federn leiden als blos auf sei-nem Hute, den sein Bette —und seine denEhelosen natürliche Unordnung — so zu sagen ineinen adeligen Federhut umbefferte; indessensetzte er seinen Bettfedern in den Haaren guteSeekiele hinter den Ohren an die Seite — derPrinzipalkommiffarius hätte sie auf dem Reichs-tag mit Ehren hinter seine stecken können! —

Um aber keinen Anzug-Sonderling und Kleider-Separatisten zu machen, ließ er sich von Jahr zuJahr nach den besten Moden des Narrheit-Jour-nals abkonterfeien und schützte vor, er müsse denLeuten doch zeigen, daß er oder sein Kniestückvielleicht gleichen Schritt mit den neuesten Elegantszu halten wüßte. — Der untere Saum seinesUeberrockS war gleich dem Menschen oft aus Erdegemacht; allein er drang darauf, man sollt' esihm sagen, was es verschlüge, wenn ers leibhastig wie der Strumpfwirker triebe, dessen Hi-storie ich sogleich erzählen will, um nur nichtohne alle Moral zu schreiben. Der Mann hattenämlich das Gute und Tolle an sich, daß erdenkotkigen Anschrot, womit sich sein Ueberrock be-setzte , wenn er seine Strümpfe in die Stadt aufseinem Rücken ablieferte, niemals heraus bürsteteoder ausrieb; sondern er griff in eine breiteScheere und zwickte damit den jedesmaligenSchmutzkragen und kothigen Horizont mit Einsichtherunter — je länger es nun regnete, desto kür-zer schürzte sich sein Frack hinauf und am kürzestenTage ging der Epitvmatvr wegen des unerhörtenWetters im kürzesten Ueberrock herum, in einerniedlichen Sedez-Ausgabe der vorigen Folio-Aus-gabe. Die Moral, die ich daraus holen kann,möchte die Frage sein: sollte ein gescheiter Staat,der doch gewiß siebzigmal klüger ist, als alleStrumpfwirker zusammengenommen, die ja selbstnur Glieder Lesselb.ti sind, den eingesäumtenStrumpfwirker nicht dadurch am besten einholen,daß er auch seine schmutzigen Glieder (Diebe,Ehebrecher rc.) statt lange an ihnen zu reiben undzu säubern, mit dem Schwerte oder sonst frisch her-unter schnitte?...

Der Doktor Fsnk zerstreute durch launigen

Trost die einsamen Flüche, die sein Freund derRittmeister statt der Seufzer that. Er sagte, erhabe an Ernestinen mehr als einmal über einenbesonders guten Zug, den er gethan, kein andresErschrecken bemerkt als ein freudiges. Er wollesein Reisegeld daran setzen, daß sie, da sie ihnliebe, einen Pfiff in ihrem Kopfe grvßbrüte, derdie Treppe zum Brautbette zimmern werde — errieth ihm, sich zerstreuet und achtlos anzustellen,damit er sie nicht im Ausbrüten des Pfiffes er-tappe und wegstöre — er fragte ihn, kennst Duden kleinen Dienst der Liebe vollkommen?"

— Kein Deutscher verstand Metaphern wenigerals der Rittmeister. "Ich meine, fuhr er fort,kannst Du denn nicht der listigste Vokativus vonHaus aus sein? — Kannst Du nicht die Schach-figur, die Du ziehen willst, lange fassen, umDeine Hand lange über Deiner Schachmiliz zubehalten und die Generalissima mit der Hand irreund verliebt zu machen ? —Kannst Du nicht DeinePositionen jede Minute gegen diese Feindin wech-seln und besonders Anhöhen suchen, weil ein ste-hender Mann einer sitzenden Frau schöner vor-kommt als einer stehenden? Ich und sie solltenDich bald auf den Stuhl zurückgebogen, bald vor-wärts, bald links, bald rechts gerankt, bald imSchatten, bald ihre Hand, bald ihren Mundfilierend erblicken im Spiele. Ja Du solltest dreioder vier Bauern ins Zimmer herunter stoßen,blos um Dich zum Aufheben nachzublicken, damitetwa Dein schwellendes Gesicht auf ihr Herz Ein-drücke machte, und damit Du das Blut in Dei-nen und ihren Kopf zugleich empor triebest. Lass'deinen Zopf eine Achtel-Elle dem Hinterkopfenäher oder ferner schnüren, falls etwa dieseSchnürung und diese Elle sich bisher eurer Eheentgegengesetzet hätte." Der arme Rittmeister be-griff und that vom ganzen Dienstreglement keinIota und dem Doktor wars eben so lieb; denner redete aus Humor in nichts lieber als inden Wind. Crnestine schreibt in ihrem Briefefort:

"Morgen gehen gottlob meine Charwochen zuEnde und es ist ein Glück für den Rittmeister, deralle Tage empfindlicher wird, daß nur der Doktorda ist, der über jede gezogene Figur einen Einfallweiß. Sein Witz, sagt er, beweise, daß er selberjämmerlich spiele, weil gute Spieler über undunter ihrem Spielen niemals ein Bonmothätten.

Den 2 0 sten Iun. umdrei Uhr. HeuteAbend um zwölf Uhr werd' ich endlich vomSchach-Fußblocke loßgcschlvffen. Er will an derDefinitiv-Partie — nennt sie Fenk — den gan-zen Tag spielen; er lässet aber, weil er aus sei- !neu Tag - Kampagnen den Ablauf der nächtlichen jerräth, Nachts den Kutscher mit dem Wagen hal-ten, um sogleich wie ein Leichnam traurig abzufah-ren. Er sollte mir nur nicht zumnthen, so schlechtzu spielen wie er. Er ist aber in allem so hastigund hält vor allen Vorstellungen die Ohren zu.

Um zwölf Uhr Nachts. Ich bin außermir. Wer hätt' es von meinem Vater geglaubt?Mein Spiel konnte kaum besser stehen — es warauf meines Vaters Sekundenuhr, die neben demSchachbret lag, schon viel über halb zwölf — er

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