Band 
I.
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Die unsichtbare Loge.

er hatte nur drei Offiziere und ich noch alle meine —ohn' ein Wunderwerk war er in achtzehn Minu-ten matt — eine fliegende Nöthe spannte einmalnms andere sein ganzes Gesicht — wir wurdenzuletzt ordentlich beklemmt und selbst der Doktorsagte kein lustiges Wort mehr — blos mein wei-ßes Miezchen marschierte schnurrend auf demSpieltisch herum — kein Mensch denkt natürlicherWeise auf die Katze und er bietet mir im Spieledas erste Schach — nun möcht' er (oder war ichs,denn ich schlage zuweilen auch solche Pralltrillerauf dem Tische) mit den Fingern einen auf derBande machen — wie der Blitz fährt die Bestie,die es für eine Maus halten muß, darauf hin undschmeißet uns das ganze Spiel um und da sitzenwir! Stellen sie sich vor! Ich halb froh, daß ihmdiese Mittelsperson die Beschämung des förmli-chen Korbes abnimmt — Er mit einem Gesichtvoll Trostlosigkeit und Zorn —mein Vater mit ei-nem voll Verlegenheit und Zorn — und der Dok-tor, der in der Stube mit den zehn Fingern her-umschnalzet und schwört: »der Rittmeister hätt'es gewonnen, so gewiß wie Amen "Kein Menschwich mit seiner Fußsohle von der Stelle, der Dok-tor blieb keine Minute auf der steinigen und warfsich endlich in einem Enthusiasmus, den unsreverlegene Stille immer mehr erhob, vor einerweißen Amorbüste, vor einem Miniaturportraitmeines Vaters und vor seinem eigenen Bilde imSpiegel auf die Kniee hin und betete: --HeiligerHr. von Knör! heiliger Amor-' heiliger Fenk!bittet für den Rittmeister und schlagt die Katzetodt! Ach würdet ihr drei Bilder lebendig: sowürde Amor gewiß die Gestalt des Dr. Fenk an-nehmen und der lebendig gewordene Amor würdedie Hand des lebendig gewordenen Knör ergrei-fen und ihr die der Spielerin geben — seinegäbe ihre dann vielleicht weiter. Ihr Heiligen!bittet doch für den Rittmeister, der gewonnenhatte!-- — Das ist aber nicht wahr und zum Un-glück war nur der Termin zu einem neuen Spielezu kurz." . . -

Da nun der Iltis Doktor (ich selber erzähleals Autor wieder) aufstand und wirklich die Handvon Knör in Ernestinens ihre legte und sagte, ersei der Amor — da überhaupt durch die Versiche-rungen des Doktors und durch die Unentschieden-heit des Spiels die Ehre des empfindlichen vonMenschen und Katzen geneckten Spielers eben soviel zu verlieren hatte als die Liebe desselben—daich in einem ganzen Sektor zeige , daß Falkenberavom ältesten Adel im ganzen Lande war — undda zum Glück im Obristforstmeister die Sittenseiner rohen Erziehung (wie bei mehren Landedel-leuten) halb unter den: Firniß der Sitten seinesfeineren Umgangs verborgen lagen wie seine al-ten Möbeln unter modischen : so ging der elektri-sche Enthusiasmus des Doktors in großen Funkenin des Vaters Busen über, und Knör legte hin-gerissen die Hand Ernestinens , die zum Scheineerstaunte, in des Rittmeisters seine, ders imErnste that — und der Bräutigam drängte undwarf sich in einem Sturm von Dankbarkeit anden Hals des neugebornen Schwiegervaters, eh'er, weil seine Ehre mehr als seine Liebe trium-hiperte, etwas kälter die geschickte Hand nach

' küßte, welche ihm bisher diesen doppelten Triumphentzogen.-

Dies verdachte ihm die Inhaberin der Hand;aber ich verdenk' es wieder ihr; mit welchemGrund will sie dem Manne, der gar keine Seele,seine eigne kaum und eine weibliche nie, errieth,ansinnen, daß er seine Weisheitzähne und seinenPhilosophen-Bart soll so außerordentlich lang ge-wachsen tragen, wie der geneigte Leser beide trägt,dem es freilich nicht erst hier vorgedruckt zu wer-den braucht — er merkte alles schon vor drei gu-ten Stunden — daß hinter der Kopulierkatze et-was stak oder steckte, Ernesiine nämlich selber.

Es war so . .. Zch brauch' es aber dem Le-ser kaum zu berichten, da ers schon längst gewußt,daß Ernestine die Kitt- und Heftkatze vier Abendevorher täglich privatissime auf den Tisch stellte undsie abrichtete, auf die Finger loszufahren, wennsie trillerten — und ich freue mich, daß der Scharf-sinn des LeserS kein gewöhnlicher ist, weil er wei-ter muthmaßet: denn sie ließ also auch am letztenAbend das Kleister-Aelchen von Katze als Leimrn-the nachschleichen, versenkte es bis um 11 1/2 Uhrin ihren Schoos und hob endlich mit dem Kniediesen Katzen - teriui»r>» metlius aus dem Schovßeauf den Spieltisch, und der terminus that nachherdas Seinige. — Armer Rittmeister!

Nachdenklich ist es aber. Denn wenn aufdiese Art Weiber Anordnung für Zufall und Zu-fall für Anordnung auszumünzen wissen — wennsie schon vor den Verlöbnissen (folglich nachher nochmehr) in die erste Linie gegen die Männer wieKambyses gegen die Aegypter, * Bundeskatzenstellen, die wie Untergötter sx inuclliuu dasmännliche Spiel umwerfen und das weibliche auftstellen — wenn unter hundert Menschen nur fünfMänner sind, welchen thierische Katzen oder garmenschliche ausstehlich sind, und nur zehn Weiber,denen sie es nicht sind — ganz offenbar die bestenWeiber entsetzliche Bündel Männergarn unter denArmen halten, Hasengarne, Steckgarne, Spiegel-garne, Nacht- und Henggarne: was soll da dasEinbein** machen, das am nämlichen Tag, woes einen Roman zu schreiben anfing, zugleich ei-nen zu spielen anhob und so beide wie auf einemDoppelklavier nebeneinader zu Ende führenwollte? Am vernünftigsten, seh' ich, mach' ich,wenn meine Frau den ganzen Tag am Bären-fange sieht und Zweige darauf wirft, damit ich hin-einstvlpere, nur durchaus keinen — Bären, ob-wohl auch keinen Affen. Nein! ihr gefügigen ge-drängten Geschöpfe! ich setze mirs noch einmalvor und gelob' es einer von euch hier öffentlichim Druck. Geschah' es dennoch, daß ich die einenach den Flitterwvchen quälen wollte: so lest ich

» Kambyses eroberte Pelusium mit Sturm, weil er unterseine Soldaten heilige Thiere, Katzen u. s. w. mengte, aufwelche die ägyptische Garnison nicht zu schießen wagte undau die sie statt der Pfeile Gebete abschickte.

Das Einbcill bin ich selber. Ich habe die Vorrede, dieman wird überschlage» haben, und diese Note, die nicht zuüberschlagen ist, gemacht, damit es einmal bekannt werde,daß ich nicht mehr habe als Ei» Bein, wenn man das zukurze wcgrcchnct, und daß sie mich in meiner Gegend nichtanders nennen als das Einbein oder den einbeinigen Au-tor, da ich doch sean purst heiße. Siehe das Taufzeügnißund die Vorrede.