Die unsichtbare Loge
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tritt. Ich sollte wie ein mährischer Bruder einPaar tausend Schwestern haben, so lieb' ich sieüberhaupt alle. Wahrlich manchmal will ich mitden stößigen Satyr-Bvckfüßen gegen das guteweibliche Geschlecht ausschlagen und lass es blei-ben, weil ich neben mir die kleinen Kirchenschuhemeiner Philippine sehe und mir die schmalenweiblichen Füße hinein denke, welche in so man-ches Dornengcniste und manche Gewitterregenlache,die beide leicht durch die dünnen weiblichen Fuß-tapeten dringen, treten müssen. Die leerenKleider eines Menschen, zumal der Kinder, flößenmir Wohlwollen und Trauern ein, weil sie an dieLeiden erinnern, die das arme Einschiebsel darinschon muß ausgestanden haben: und ich hätte micheinmal in Karlsbad leicht mit einer Böhmin aus-gesöhnet, wenn sie mich ihre Hauskleidung, ohnedaß sie darin war, hätte beschauen lassen.
Diese Punkte stellen verrollte Zeitpunkte vor.Jetzt sind die Blinden heil, die Lahmen gehen, dieTauben hören — wach ist nämlich alles; untermeinen Füßen zerhämmert der Schulmeister schonden Sonntagzucker; meine Schwester hat michschon viermal ausgelacht; der Senior Sezmannhat schon aus seinem Fenster meinem Hausherrndie nöthigsten heutigen Religionedikte zugepfiffen;die Uhr ist wie Hiskias Sonnenuhr, von derWunderkraft des dekretierenden Pfeifens eineStunde zurückgegangen und ich kann eine längerschreiben; — bin aber dadurck^nit meinem Pinselaus meinem Morgen-Gemäl?e gekommen. DieSonne steht meinem Gesichte gegenüber undmacht mein biographisches Papier zu einem blan-ken Mosis-Angesicht; daher ists mein Glück, daßick ein Federmesser und Oestreich oder Böhmenoder das Jesuiter-Deutschland nehme — nämlichHomannische Karten davon — und mit dem Mes-ser diese Länder über meinem Feilster aufnagle undeinpfähle; ein solches Land hält allemal die Mor-gen s v n n e so gut ab und wirft so viel Schat -ten herüber, als hätt'ich die Tändelschürze oderdas P a l-l i u m eines Fenstervorhangs daran.
Meine Feder fährt nun im Erdschattendes Globus so fort: Wuz führt in seinem Hausenicht drei gescheite Stühle, keine Fenstervorhängeund Hautelisse - Tapeten. Indeß mein viel zuprunkendes Ameublemcnt in Scheerau steht: letz'ich mich hier an dem jämmerlichsten und sage, einFürst weiset kaum in einer Kunst - Einsiedelei einelenderes vor. Sogar den Kalender schreibenwir uns, ich und mein Hausherr, eigenhändig,wie Mitglieder der Berliner Akademie — abermit Kreide und an die Stubenthüre; jede Wochegeben wir ein Heft oder eine Woche von unseremAlmanach und wischen die Vergangenheit aus.Auf dem vierschrötigen Ofen können drei Paaretanzen, die er wie die jetzigen Tragödien trotzder unförmlichen Zurüstung und Breite schlechterwärmen würde. Es muß beiläufig noch zuHand - und Taschenöfen kommen, wenn man ein-mal aus den Bergwerken statt der Metalle dasHolz,.womit man sie jetzt ausfüttert, wird holenmüssen.
Ein Schöps wird entsetzlich geprügelt, nämlichsein todter Schenkel — die zinnernen Pathenteller
der zwei Wuzischen Kinder werden abgestäubt —— mein Silber-Besteck wird abgebvrgt — dasFeuer knackt — die Wuzin rennt — ihre Kinderund Böget schreien. — — Alle diese Zurüstun-gen zu einem viel zu großen Diner, das heuteunten gegeben wird, hör' ich in mein Studier-zimmer herauf. Vielleicht sind solche Zurüstun-gen dem Range der beiden Gäste, die das Trak-tsment annehmen sollen, angemessener als demStande der beiden Schulleute, die es geben.Gegenwärtigem Geschichtschreiber und seinerSchwester dürfen sie nämlich ein Essen geben, undselber mit am Tische sitzen. Der Schulmeisterhatte viel von seiiiem ausgeräumten Ameuble-ment eine Woche lang in meine Stube einxfar-ren dürfen, weil die seinige endlich, nach lan-gem Bittschreiben — denn das Konsistorium siehtReparaturen an der sichtbaren wie an der unsicht-baren Kirche nicht gern— reformiert, d. h. repa-riert, nämlich geweißet wurde. — Daher invitierteer mich (aus Hvston) zum Dinieren, und ich nahm(ebenfalls aus Hofton) die Karte an.
Ich werde den Sektor erst Abends ausschreiben,theils um mir nicht die Eßlust wegzudenken, theilsum mir draußen noch einige zu erhinken, wo ichnoch dazu ein Paar Emmerlinge und die Kirch-leute singen hören kann. Ueberhaupt ist derNachsommer, der heute mit seinem schönsten him-melblauen Kleide und der Orden-Sonne darauf,auf den Feldern draußen steht, ein stiller Char-freitag der Natur; und wenn wir Menschenhöfliche Leute wären: so gingen wir da öfter inSFreie und begleiteten den verreisenden Sommerböflich bis an die Thüre. Ich seh' es voraus, ichwürde mich heute an der milden Sonne, die einsanft um uns schleichender Mond geworden ist,und die im Nachsommer den weiblichen Artikelverdient, nicht satt sehen können, wenn ich nichtmein Auge nach Scheeraus Berge richten müßte,wo meine Guten wohnen und von wannen heutemein Doktor mich besuchen wird.-
Unter die Erde ist nun der Tag und seine Sonne.Komme glücklich heim, geliebter Freund! Auf denSilber- Grund, den der Mond auf DeinemWeg anlegt, male Deine Seele das Verlorne Edender Jugend, und der schwarze Schatten, den Duund Dein scheues Roß auf den Strahlenbodenwerfen, müsse euch nachschwimmen, aber nichtvoraus! —
Warum sind die meisten Einwohner diesesBuchs gerade Fenks Freunde? — Aus zwei rechtvernünftigen Gründen. Erstlich verquickt sichdas humoristische Quecksilber, das aus ihm nebender Wärme des Herzens glänzt, mit allen Cha-rakteren am leichtesten. Zweitens ist er ein mo-ralischer Optimist. Zehn metaphysische Op-timisten würd' ich für einen moralischen auszahlen,der nicht ein Kraut wie die Raupe, sondern einenganze» Blumenflor von Freuden wie der Menschzu genießen weiß — der nicht fünf Sinns, son-dern tausend hat für alles, für Weiber und Hel-den, für Wissenschaften und Lustpartieen, fürTrauer- und Lustspiele, für Natur und für Hofe.
-Es gibt eine gewisse höhere Toleranz, die
nicht die Frucht des westphälischen Friedens, nochdes Vergleichs von ä.'tüS, sondern die eines Lurch