Die unsichtbare Loge.
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angefallen von oben und unten, an einen Pol durchden heißen Fuß - Svccus, am andern durch den CiS -Knauf oder die gefrorne Marterer - Krone —hingeht wo sie herkam und mich der Erde schenkt,deren einer Pol gleichfalls nuten Sommer hat,
wenn der andre oben Winter. Der Leser
werfe aber einmal von guten Büchern ein philan-thopinisches Auge auf uns, deren Verfasser: wirVerfasser strengen uns an und verfertigen Fibeln,Mordpredigten, periodische Blätter oder Reini-gungen, Ausschnitte und andern aufklärenden Hen-ker ; aber unsern Madensack zerzausen und schabenwir fa darüber entsetzlich ab — und doch meintskein Teufel ehrlich mit uns. So steh' ich und dieganze schreibende Innung aufrecht da und verschie-ßen gern lange Stralen über die ganze Halbkugel(denn mehr ist auf einmal von Welt - und andernKugeln nicht zu beleuchten und dem ganzen Ame-rika fehlen unsre Kiele), indeß wir doch den er-sten Christen gleichen, die das Licht, womit sie,in Pech und Leinwand eingeklemmt, als lebendigePechfackeln über Neros Gärten schienen und zu-gleich mit ihrem Fett' und Leben von sich ga-ben. . ..
"Und hisr^— sagen Romanen-Manufakturisten— erfolgte ein Auftritt, den der Leser sich denken,ich aber nicht beschreiben kann." Das kömmt mirviel zu dumm vor. Ich kann es auch nicht beschreiben,beschreib' es aber doch. Haben denn solche Autoren sowenig Recbtschaffenheit, daß sie bei einer Szene, nachder die Leser schon im voraus geblättert haben, z. B.bei einem Todesfall, auf den alle, Eltern und Kinderlauern wie auf einen Lehnfall oder Hängtag, vomSessel aufspringen und sagen: das macht selber?Es ist so als wenn die Schikanederische Truppevor den verzerrendsten Auftritten des Lears andie Theater - Küste ginge und das Publikum er-suchte, es möchte sich Lears Gesicht nur denken,sie ihres Orts konnte es unmöglich nachmachen. —Wahrhaftig was der Leser denken kann, das kannja der Autor — beim vollen Puls aller seinerKräfte — sich noch leichter denken und es mithinschildern; auch wird des Lesers Phantasie, inderen Speichen einmal die vorhergehenden Auf-tritte eingegriffen und die sie in Bewegung gesetzt,leicht in die stärkste durch jede Beschreibung desletzten Auftritts hineinzureißen sein — außerdurch die jämmerliche nicht, daß er nicht zu be-schreiben sei.
Von mir hingegen sei man versichert, ich machemich an alles. Ich redete es daher schon auf derOstermeffe mit meinem Verleger ab, er sollte sichum einige Pfund Gedankenstriche, um ein PfundFrage- und Ausrufungszeichen mehr umthun,damit die heftigsten Szenen zu setzen wären, weilich dabei um meinen apvplsktischen Kopf mich soviel wie nicbts bekümmern würde.
Vier und dreißigster oder I. Advent»Sektor.
Vttomar — Kirche — Grgcl.
Am andern Morgen war ein Lärm im Schlosseüber eine Sache, bieder Doktor Fenk um eineWoche später Lurch einen Brief von — Ottomarerfuhr.
— Nie hab' ich einen Sektor oder Sonntag sotraurig angefangen als heute; wein vergehenderKörper und der folgende Brief an Fenk hängenwie ein Hutflor an mir. Ich wollt', ich verständeden Brief nicht — ach es wäre dann eine unver-geßliche Novemberstunde nie in mein Leben getre-ten, die, nachdem so viele andre Stunden bei mirvorübergegangen, bei mir stehen bleibt und michimmerfort ansieht. — Dunkle Stunde! du streckestdeinen Schatten über ganze Jahre aus, du stellestdich so vor mich, daß ich den phosphoreszierendenNimbus der Erde hinter dir nicht flimmern undrauchen sehen kann; die achtzig menschlichen Jahresehen in deinem Schatten wie der Ruck des Se-kundenweisers aus — ach nimm mir nicht so viel!.. . Ottomar hatte dieselbe Stunde nach seinemBegräbniß und beschreibt sie dem Doktor so:
"Ich bin seitdem lebendig begraben worden.Ich habe mit dem Tode geredet und er hat michversichert, eS gebe weiter nichts als ihn. — Alsich aus meinem Sarg heraus war, so hat er dieganze Erde dafür hineingelegt und mein BischenFreude oben darauf. ... Ach guter Fenk! wiebin ich verändert! Komm nur bald zurück! Seit-dem stehen vor mir alle Stunden wie leere Gräberhin, die mich oder meine Freunde auffangen! Ichhab' es wohl gehört, wer meine Hand noch ein-mal am Sarge gedrückt... . komm recht bald,Theurer!
Weißt Du nicht mehr, wie ich mich von jehervor dem lebendigen Begräbniß gefürchtet? Mit-ten im Einschlafen fuhr ich oft auf, weil mir ein-fiel, ich könnte ohnmächig und so beerdigt werdenund meine aufwollenden Arme triebe dann derSargdeckel nieder. Auf Reisen drohte ich überall,wo ich kränklich wurde, ich wollte ihnen, wenn siemich innerhalb acht Tagen beisetzten, als Gespensterscheinen und auslasten. Diese Furcht war meinGlück: sonst hätte mich mein Sarg getödtet.
Vor Wochen kam meine alte Krankheit wiederzu mir, das hitzige Fieber. Ich eilte mit ihr nachmeinem Ruhestatt und mein erstes Wort zumeinem Hausverwalter — da ich Dich nicht ha-ben konnte — war, mich sogleich als ich ohneLeben wäre, zu beerdigen, weil die Gewölbluftleichter erweckt, aber nichts zuzusperren, wederSarg noch Erbgruft — die einsame Kirche amPark steht ohnehin offen. Auch sagt' ich ihm,meinen Spitzhund, der nicht von mir bleibt, über-all mitzulassen. Noch in der Nacht nahm daSFieber zu; aber beim Blutlassen bricht meine Zu-rückerinnerung ab. Ich weiß blos noch, daß ichdas Blut mit einigem Schauder um meinen Arm