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Die unsichtbare Loge.
Abspannung weniger empfindet als phantasieret,wo die nächtlichen Töne und Tänze unsere innernOhren immerfort anklingen, wo die Personen,mit denen wir sie verbrachten, in einem schönenDämmerlichte, das unsre Herzen zieht, vor un-sern innern Augen schweben. In der That, manliebt nie eine Frau mehr als nach einer solchenNacht, Morgens eh' man gefrühstückt.
Ich dachte heute tausendmal an meinen Gustav,der vor Tage seine fünftägige Reise angetreten,und an meinen festen Ottvmar, der mit ihm geht.Möchtet Ihr an keine Dornen kommen als solche,die unter die Rose gesteckt sind, unter keine Wolketreten als die, die Euch den ganzen blauen Him-mel lässet und blos die Glut-Scheibe nimmt, undmöchte Euren Freuden keine fehlen als die, daßIhr sie uns noch nicht erzählen könnet!
Alles Sonnenlicht umzauberte und überwalltemir blos wie erhöhtes Mondenlicht alle Schatten-gänge von Lilienbad; die vorige Nacht schien mirin den heutigen Tag herüber zu langen, und ichkann nicht sagen, wie mir der Mond, der nochmit seinem abgewischten Schimmer, wie eineSchneeflocke tief gegen Abend herhing, so will-kommen und lieb wurde. O blasser Freund derNoth und der Nacht! ich denke schon noch anDein elysisches Schimmern, an Deine abgekühl-ten Stralen, womit Du uns an Bächen und inLaubgängen begleitest und womit Du die trau-rige Nacht in einen von weitem gesehenen Tagumkleidest! Magischer Prvspektmaler der künfti-gen Welt, für die wir brennen und weinen; wieein Gestorbener sich verschönet, so malest Du jeneauf unsre irdische, wenn sie mit allen ihrenBlumen und Menschen schläft oder schweigendDir zusieht!
Ich gäbe heute die vornehmste Visite darum,wenn ich eine bei den Glücklichen des gestrigenTages machen könnte: es ist aber nicht zu thun.Sogar Beata hat heute eine von ihrer Mutter:und mein Auge konnte noch nichts von ihr hab-haft werden als die fünf weißen Finger, womitsie einen Blumentopf an ihrem Fenster aus demSchatten eines Zweiges wegdrehete. O wennunser altes Leben und unsre Wandelgänge wiederanheben und alle- wieder beisammen lebt: wassoll da die Gelehrten-Rexublik nicht zu lesen be-kommen !
Heute reich' ich ihr nichts mehr als BeatensGeleitbrief an Gustav, weil ich ihn nur abzu-schreiben brauche. Ich schlüpfe dann wieder insFreie, beschiffs nach der Seekarte meines Kopfesden gestrigen Weg noch einmal, und indem ich dieverzettelten Blumen, die gestern unsere vollenHände fallen ließe», als Nächster auflese, find'ich die hohern auch. — Man wird einige Stel-len im folgenden Aufsätze Beaten verzeihen,wenn ich voraussage, Laß sie, vielleicht durch ihrHerz so gut wie durch ihren Vater überlistet, dernur ein äußerlicher Renegat des Katholizismuswar — von den Engeln und ihrer Anbetung mehrglaubte als Nicol ai und die Schmalkaldi-schen (Waaren-)Artikel einer Lutheranerin ver-statten können. Denn das schwache und so ofthülflvse Weib, das nicht weit über diese Erde zusteigen nnrgt, legt in der Stunde der Noth so
gern ihre Bitten und ihre Seufzer vor einerMarie, vor einer Seligen, vor einem Engel nie-der; aber der festere Mann wird nachsichtig einenWahn nicht rügen, der so trösten kann.—
Wünsche sür meinen Freund.
»Es ist kein Wahn, daß Engel um den bedroh-ten Menschen mitten in ihren Freuden wachen,wie die Mutter unter ihren Freuden und Geschäf-ten ihre Kinder hütet. O! Ihr unbekannten Un-sterblichen ! schließet Euch ein einziger Himmelein? — Dauert Euch nie der wehrlose Erdensohn?
— Solltet ihr größere Thränen abzutrocknen ha-ben als unsre? — Ach, wenn der Schöpfer seineLiebe so in Euch wie in uns gelegt hat, so sinktihr gewiß auf diese Erde und tröstet das um-stürmte Herz unter dem Monde, fliegt um die ge-drückte Seele, deckt Eure Hand auf die versie-gende Wunde und denkt an die armen Men-schen.
Und wenn hienieden ein Geist geht, der Eucheinmal gleichen wird, könnt Ihr Euren Brudervergessen? — Engel der Freude! sei mit meinemund Deinem Freunde, wen» die Sonne kommtund lass' Ihn schöne fromme Morgen angrünen !Sei mit Ihm, wenn sie höher geht und wenn Ihndie Arbeit drückt! — O nimm den entferntenSeufzer einer Freundin und kühle damit Seinen!Sei mit Ihm, wenn die Sonne weicht und richteSei» Auge auf den im weißen Trauergewandeaufsteigenden Mond und auf den weiten Himmel,worin der Mond und Du gehen! —
Engel der Thränen und der Geduld! Du, derDu öfter um den Menschen bist! Ach, vergißmein Herz und mein Auge und lass' sie bluten;
— sie thun es doch gern — aber stille, wie der Tod,daS Herz und Las Auge meines Freundes undzeig' ihnen auf der Erde nichts als den Himmeljenseit der Erde. — Ach, Engel der Thränen undder Geduld! Du kennst das Auge und das Herz,das sich für 2hn ergießet, Du wirst Seine Seelevor Sie bringen, wie man Blume» in den Som-merregen stellet! Aber thu' es nicht, wenn esIhn so traurig macht! O Engel der Geduld! ichliebe Dich, ich kenne Dich! ich averde in DeinenArmen sterben!
Engel der Freundschaft!— vielleicht bist Duder vorige Engel?.ach! . .. Dein himm-
lischer Flügel hülle Sein Herz ein und wärm'es schöner als die Menschen können — ach, Duwürdest auf einer andern Erde und ich auf dieserweinen, wenn an einem kalten Herzen Sein hei-ßes, wie am gefrierenden Eisen die warme Hand,anklebte und blutig abrisse? .... O bedeck' Ihn:aber wenn Du es nicht kannst, so sag' mir SeinenJammer nicht!
O Ihr immer Glücklichen in andern Welten!Euch stirbt nichts, Ihr verliert nichts und habtalles ! — Was Ihr liebt, drückt ihr an eine ewigeBrust, was Ihr habt, haltet Ihr in ewigen Hän-den. — Könnt Jhrs denn fühlen in Euren glän-zenden Höhen droben, in Eurem ewigen Seelen-bunde, Laß die Menschen hinieden getrennt wer-den, daß wir einander nur aus Särgen, eh' sieuntersinken, die Hände reichen, ach, daß der Tod