Die unsichtbare Loge
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nicht das einzige, nicht das schmerzhafteste ist, wasMenschen scheidet? — Eh' er uns aus einandernimmt, so drängt sich noch manche kältere Hand
herein und spaltet Seele von Seele-dann
fließet ja auch das Auge, und das Herz fällt kla-gend zu, eben so gut als hätte der Tod zertrennt,wie in der völligen Sonuenfinsterniß sogut wie in der längern Nacht der Thau sinkt,die Nachtigall klagt, die Blume zuquillt!
—Alles Gute, alles Schöne, alles was denMenschen beglückt und erhebt, sei mit meinemFreunde; und alle meine Wünsche vereinigt meinstilles Gebet."
Ich thue sie alle mit, nicht blos für Gustav,sondern für.jeden Guten, den ich kenne und fürdie andern auch.
Ob es gleich schon eilf Uhr Nachts ist: so mußich dem Leser doch etwas Melanchvlisch-SchöneSmelden, das eben vorüberzog. Ein singendesWesen schwebte durch unser Thal, aber vonBlättern und Dämmerung verdeckt, weil derMond noch nicht auf war. Es sang schöner alsich noch hörte:
-Niemand, nirgends, nie.
— — Die Thräne, die fällt.
-Der Engel, der leuchtet.
-Es schweigt.
-Es leibet.
-Es hofft.
-Ich und Du!
Offenbar fehlt jeder Zeile die Hälfte, und je-der Antwort die Frage. Es fiel mir schon eini-gemale ein, daß der Genius, der unsern Freundunter der Erde erzog, ihm beim Abschiede Fragenund Dissonanzen dagelassen, deren Antworten undAuflösungen er mitgenommen; ich denk', ich hab' eSdem Leser auch gesagt. Ich wollte, Gustav wäre da.Aber ich habe nicht den Muth, mir die Freudeauszudenken, daß auch der Genius sich in unsreFreuden - Guirlande zu Lilienbad eindränge! —Ich höre noch immer die gezognen Flötentöne ausdiesen! unbekannten Busen hinter den Blütenklagen; aber sie machen mich traurig. Hier lie-gen die ewigschlafenden Blumen, die ich heuteauf dem Steige unserer letzten Nacht zusammen-trug, neben aufgefalteten wachenden, die ich erstausriß — sie machen mich auch traurig.— Esgibt für mich und meine Leser nichts nöthigeresals jetzt einen Freuden-Sektor anzuheben, damitwir unser altes Leben fortsetzen . ..
O Lilienbad! du bist nur einmal in der Welt;und wenn du noch einmal vorhanden bist, so hei-ßest du V — zka.
Letzter-Sektor.
k't-tl-ssk-I'l'-t-tk-i'
Wir unglücklichen Brunnengäste! Es ist vor-bei mit den Freuden in Lilienbad. — Die obigeUeberschrist konnte noch mein Bruder machen,eh' er nach Mauffenbach forteilte! Denn Gu-stav liegt da im Gefälsg n iß. Es ist alles un-begreiflich. Meine Freundin Beata unterliegtden Nachrichten, die wir haben und die im folgen-den Briefe von Herrn Doktor Fenk an meinenBruder heute ankamen. Es ist schmerzhaft füreine Schwester, daß sie allzeit blos in Trauerfällendie Feder für den Bruder nehmen muß. Wahr-scheinlich wird die folgende Hiobpost dieses ganzeBuch so wie unsere bisherigen schönen Tage be-schließen.
- Ich will Dich, mein theuerer Freund, nichtwie ein Weib schonen, sondern Dir auf einmalden ganzen außerordentlichen Schlag erzählen,der unsere glücklichen Stunden getroffen hat undam meisten die unserer beiden Freunde.
Drei Tage nach unserer schönen Nacht — er-innerst Du Dich noch an eine gewisse Bemer-kung von Ottvmar über die Gefährlichkeit derEntzückungen? — will der Professor Hoppedizelseinen unbesonnenen Spaß ausführen, im Maus-senbachschen Schlosse einzubrechen. Der pfiffigeJäger Rvbisch war gerade nicht zu Hause, sondernmit Deinem Vorführer, dem Regierungrath Kvlb,auf einer Streiferei nach Diebgesindel, bei der sieaus Lust mitzogen. Bemerke, eine Menge Um-stände und Personen verknüpfen sich hier, dieschwerlich der Zufall zusammen geleitet hat.
Der Professor kommt mit sechs Kameradenund hat eine Leiter mit, um sie an dem seit Jah-ren zerbrochnen Fenster, das nach Auenthal hin-übersieht, anzulegen. Aber als er unter das Fen-ster tritt, sieht schon eine daran. Er nimmtsfür den besten Zufall und sie steigen sämmtlichbeinahe hinter einander, hinauf. Oben langt eineHand eine silberne Degenkuppel heraus und willsie geben — der Professor ergreift beide undspringt über das Fenster hinein. Darin war,was er schien, ein Dieb, welcher Handlanger aufder Leiter erwartete. Der diebische Realist fälltden Nominalisten mit wüthender Verzweiflung an
— die Gallerte auf der Leiter stürzet gar nachund vermehrt das fechtende Gewimmel. DieStöße auf dem Fußboden lärmen den horchendenRöper weniger aus seinem Schlafe als Bette auf
— er sein ganzes HauS, und dieses seinen Gericht-diener — es kurz zu sagen: in wenigen Minu-ten hatt' er mit der Wuth, womit der Geizigeseine Güter rettet und hält, die spaßhaften Diebeund den ernsthaften zu Gefangnen gemacht, derwahre Dieb mochte noch so sehr um sich schlagenund der Professor noch so sehr disputieren. Jetzositzt alles fest uns wartet auf Dich.