Band 
I.
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Die unsich

— Ach! hältst Du es aus — wenn ich Die allessage? Die Streifer Kolli und Rotstich finden umMaussenbach die Bundgenossen des ertappten Diebs-- dringen in den Wald — gehen einer Höhle zuals wüßten sie, daß sie zu etwas führe — findeneine unterirdische Menschenwelt. — O! daß geradeDu zu Deinem Unglück da getroffen werden muß-test, Du Unschuldiger und Unglücklicher! nun schlägtDein sanftes Herz auch an der Kerkerwand! —soll ich Dir Deinen Freund Gustav nennen? —

— Eile, eile, damit es sich anders wende!

Sieh! nicht blos auf Deine, auch auf meine

Brust hat dieser Tag sich heftig geworfen. HältstDu es aus, wenn ich noch mehr sage? — daß es

nur ein Zufall ist, daß Ottomar noch lebt.-

Ich brachte ihm die Nachricht unseres Unglücks.Mit einem schrecklichen Sträuben seiner Natur,in der jede Fiber, mit einem andern Schauerkämpfte, hört' er mir zu, und fragte mich, ob kei-ner mit sechs Fingern gefangen genommen wor-den. "Ich habe in jener Waldhöhle (sagt'er)einen schweren Eid gethan, unsere unterirdischeVerbindung niemand zu offenbaren, ausgenommeneine Stunde vor meinem Tode. Fenk, ich willDir setze die ganze Verbindung offenbaren." —Mein Sträuben und Flehen half nichts: er offen-barte mir alles. "Gustav muß gerechtfertiget wer-den," sagt' er. — Aber diese Geschichte ist nirgendsicher, kaum im getreuesten Busen, geschweige aufdiesem Papier. Ottomar wurde von seiner soge-nannten Vernicht-Minute angefallen. Ich ließseine Hand nicht aus meiner, damit er über seineStunde hinauslsbte und seinen Eid bräche. — Esgibt nichts höheres als einen Menschen, der das Le-ben verachtet; und in dieser Hoheit stand meinFreund vor mir, der in seiner Höhle mehr ge-wagt und besser gelebt hatte, als alle Scheerauer

— Ich sah es ihm an, daß er sterben wollte. Eswar Nacht. Wir waren in der Stube, wo diewächsernen Mumien mit schwarzen Sträußern ste-hen, die den Menschen erinnern, wie wenig erwar, wie wenig er ist. "Beuge, sagt' er (renn ichkettete mich an ihn), Deinen Kopf weg, daß ichin den Sirius sehe — daß ich in den unendlichenHimmel hinaussehe und einen Trost habe — daßich mich hinwegsetze über eine Erde mehr oder we-niger. — O mache mir. Freund, das Sterbennicht so sauer — und zürne und traure nicht. — Oschau, wie der ganze Himmel von einer Unendlich-keit zur andern schimmert und lebt und nichts dro-ben todt ist; — die Menschen aller dieser Wachs-Leichname wohnen darin in jenem Blau — O IhrAbgeschiekuen, heute zieh' ich auch zu Euch, inwelche Sonne auch mein menschlicher Lichtfunkespringen möge, wenn der Körper von ihm nieder-schmilzt; ich find' Euch wieder.-—

Das Ausschläger« jeder Viertelstunde hatte bis-her mein Herz durchstochen; aber die letzte Vier-telstunde tönte mich wie eine Leichenglocke an; ichbewachte ängstlich seine Hände und Schritte; erfiel um mich: "Nein! nein! sagt'ich, hier istkein Abschied — ich hasse Dich bis ins Grab hin-ein, wenn Du etwas im Sinne hast — umarmemich nickt." — Er hatt' es schon gethan; sein gan-zes Wesen war ein schlagendes Herz; er wollte inder Empfindung der Freundschaft vergehen; er!

tbare Loge.

preßte seine Brust an meine, und seine Seele anmeine: - ich umarme Dich (sagt' er) auf der Erde— in welche Welt auch der Tob mich werfe; ichvergesse Deiner nicht; ich werde dort nach derErde sehen und meine Arme ausbreiten nach demirdischen Freunde, und nichts soll meine Arme fül-len als die getreue, die belastete Brust derer, diemit mir hier gelitten, die mit mir hier die Erdegetragen haben. . .. Sieh! Du weinst und wolltestmich doch nicht umarmen! v Geliebter! — an Dirfühl' ich die Eitelkeit der Erde nicht — — Duwirst ja auch sterben! . . . Großes Wesen überder Erde."... — Hier riß er sich von mir undstürzte auf seine Knie und betete. --Zerstör' michnicht, bestraf' mich nicht! — ich gehe weg vondieser Erde; Du weißt, wo der Mensch ankommt;Du weißt, was das Erdenleben und das Erden-thun ist. — Aber, o Gott, der Mensch hat einzweites Herz, eine zweite Seele, seinen Freund!Gib mir den Freund wieder mit meinem Leben —wenn einmal alle Menschenherzen stocken und allesMenschenblut in Gräbern verfault: v gütiges, lie-bendes Wesen! hauch' dann über die Menschenund zeige der Ewigkeit ihre Liebe!-- Ein Auf-sprung — ein Flug an mich — eine umarmendeZerdrückung — ein Schlag an die Wand — einSchuß aus ihr. —

Er lebt aber noch

Fenk.

Leben des verqnüfttsn SchulmeisterlelnMaria Wuz in Anenthal.

Eine Ärt 2dM.

Wie war Dein Leben und Sterben so sanft undmeerstille, Du vergnügtes Schulmeisterlein Wuz!Der stillr laue Himmel eines Nachsommers gingnicht mit Gewölk, sondern mit Duft um DeinLeben herum: Deine Epochen waren dieSchwankungen und Dein Sterben war das Umle-gen einer Lilie, deren Blätter auf stehende Blu-men flattern — und schon außer dem Grabeschliefest Du sanft!

Jetzt aber, meine Freunde, müssen vor allenDingen die Stühle um den Ofen. der Schenktischmit dem Trinkwasser an unsre Knie gerückt unddie Vorhänge zugezogen und die Schlafmützenaufgesetzt werden, und an die "rund monüs überder Gaffe drüben und aus kaiaig-iroxal mußkeiner von uns denken, blos weil ich die ruhigeGeschichte des vergnügten Schulmeisterleiu erzähle— und Du, mein lieber Christian, der Du eineeinathmende Brust für die einzigen feuerbeständi-gen Freuden des Lebens, für die häuslichen hast,setze Dich auf den Arm des Großvaterstuhls, ausdem ich heraus erzähle, und lehne Dich zuweilenein wenig an mich! Du machst mich gar nichtirre.