Band 
I.
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Die unsichtbare Loge.

über die gelehrte Welt als ick; denn wie kannsie Rouffeau's Bekenntnisse gesehen und gelesenhaben, die Wuz schrieb und die Dato noch unterseinen Papiere» liegen? In diesen spricht aberI. I. Rousseau oder Wuz (das ist einerlei) sovon sich, allein mit andern Einkleid - Worten:»Er würde wahrhaftig nicht so dumm sein, daß erFedern nähme und die besten Werke machte, wenner nichts brauchte als blos den Beutel aufzubin-den und sie zu erhandeln. Allein er habe nichtsdarin als zwei schwarze Hemdknöpfe und einenkvthigen Kreuzer. Woll' er mithin etwas Ge-scheites lesen, z. B. aus der praktischen Arznei-kunde und aus der Kranken-Universalhistorie: somuss er sich an seinen triefenden Fensterstock setzenund den Bettel ersinnen. An wen woll' er sichwenden, um den Hintergrund des Freimaurer-Geheimnisses auszuhorchen, an welches DionysiusOhr, mein' er, als an seine zwei eignen? Aufdiese an seinen eignen Kopf angeöhrten hör' ersehr, und indem er die Freimaurer-NeLen, die erschreibe, genau Lurchless und zu verstehen trachte:so merk' er zuletzt allerhand Wunderdinge undkomme weit und rieche im Ganzen genommenLunten. Da er von Chemie und Alchemie so vielwisse, wie Adam nach dem Fall, als er Alles ver-gessen hatte: so sei ihm ein rechter Gefallengeschehen, daß er sich den ruvaulus klrrwnls gx.schmiedet, diesen silbernen Ring um den Blei-Saturn, diesen Gyges-Ring, der so vielerlei un-sichtbar mache, Gehirne und Metalle; denn ausdiesem Buche durft' er, sollt' ers nur einmalordentlich begreifen, frappant wissen, wo Bar-thel Most hole." — Jetzt wollen wir wieder inseine Kindheit zurück.

Im zehnten Jahre verpuppte er sich in einenMulattensarbigen Alumnus und obern Quintanerder Stadt Scheerau. Sein Eraminator mußmein Zeuge sein, daß es keine weiße Schminkeist, die ich meinem Helden anstreiche, wenn ichszu berichten wage, daß er nur noch ein Blattbis zur vierten Deklinazivn zurück zu legen hatteund daß er die ganze Geschlecht- Ausnahme tkv-eauckex püle.vg-.io vor der Quinta wie einWecker abrollte — blos die Regel wußt' er nicht.Unter allen Nischen des Alumneums war nur eineso gescheuert und geordnet, gleich der Pruukkücheeiner Nürnbergerin: das war seine; denn zu-friedne Menschen sind die ordentlichsten. Erkaufte sich aus seinem Beutel für 2 Kr. Nagelund beschlug seine Zelle damit, um für alle Effek-ten besondere Nagel zu haben — er schlichtete seineSchreibbücher so lange, bis ihre Rücken so blei-recht aufeinander lagen wie eine preußische,Fronte,und er ging beim Mondschein aus dem Bette undvisierte so lange um seine Schuhe herum, bis sieparallel neben einander standen. — War allesmetrisch; so rieb er die Hände, riß die Achielnüber die Ohren hinauf, sprang empor, schütteltesich fast den Kopf herab und lachte ungemein.

Ehe ich von ihm weiter beweise, daß er imAlumneum glücklich war: will ich beweisen, daßdergleichen kein Spaß war, sondern eine herkuli-sche Arbeit. Hundert ägyptische Plagen hält manfür keine, blos weil sie uns nur in der Jugend heim-suchen, wo moralische Wunden und komplizierte

Frakturen so hurtig zuheilen wie physische — grü-nendes Holz bricht nicht so leicht wie dürres ent-zwei. Alle Einrichtungen legen es dar, daß einAlumneum seiner ältesten Bestimmung nach einprotestantisches Knaben-Kloster sein soll;aber dabei sollte man es lassen, man sollte einsolches Präservazion-Zuchthaus in kein Lustschloß,ein solches Misanthropin in kein Philanthropinverwandeln wollen. Müssen nicht die glücklichenJnhaftaten einer solchen Fürstenschule die dreiKlostergelübde ablegen? Erstlich das des Ge-horsams, da der Schülsr-Guardian und No-vizenmeister seinen schwarzen Novizen das Sporn-rad der häufigsten, widrigste» Befehle und Er-tödtungen in die Seite sticht. Zweitens das derArmuth, da sie nicht Kruditäten und übrigeBrocken, sondern Hunger von einem Tage zumandern aufheben und übertragen; und Karminativermöchte ganze Jnvalidenhäuser mit dem Su-pernumerar - Magensaft der Konviktorien undAlumneen auszuheilen. Das Gelübde derKeuschheit thut sich nachher von selbst, sobaldein Mensch den ganzen Tag zu laufen und zufasten hat und keine andern Bewegungen entbehrt,als die peristaltischen. Zu wichtigen Aemternmuß der Staatbürger erst gehänselt werden.Verdient denn aber blos der katholische Novizezum Mönch geprügelt, oder ein elender Laden-junge in Bremen zum Kaufmanndieuer geräuchert,oder ein sittenloser Südamerikaner zum Kazi-ken durch beides und durch mehre in meinen Exzerp-ten stehende Qualen appretiert und sublimiert zuwerden? Ist ein lutherischer Pfarrer nicht eben sowichtig und sind seiner künftigen Bestimmung nichtebensogut solche übende Martern nöthig? ZumGlück hat er sie; vielleicht mauerte die Vor-welt die Schulpforten, deren Konklavistcn ins-gesammt wahre Knechte der Knechte find, blosseinetwegen auf: denn andern Fakultäten ist mitdieser Kreuzigung und Radbrechung des Fleischesund Geistes zu wenig gedient. — Daher ist auchdas so oft getadelte Chor-, Gassen- und Leichen-singen der Alumnen ein recht gutes Mittel, pro-testantische Klosterleute aus ihnen zu ziehen —und selbst ihr schwarzer Ueberzug und die kanoni-sche Mohren-Enveloppe des Mantels ist etwasähnliches von der Mönchkutte. Daher schießen inLeipzig um die Thomasschüler, da doch einmal dieGeistlichen die Perücken-Wammen anhängen müs-sen, wenigstens die Herzblätter eines aufkapsen-den Perückchens herum, das wie ein Pultdachoder wie halbe Flügeldecken sich auf dem Kopseumsieht. In den alten Klöstern war die Gelehr-samkeit Strafe; nur schuldige mußten da latei-nische Psalmen auswendig lernen oder Autoresabschreiben; — in guten armen Schulen wird die-ses Strafen nicht vernachlässigt, und sparsamerUnterricht wird da stets als ein unschädliches Mit-tel angeordnet, den armen Schüler damit zu züch-tigen und zu mortifizieren....

Blos dem Schulmeisterlein hatte diese Kreuz-schule wenig an; den ganzen Tag freuete er sichauf oder über etwas. "Vor dem Aufstehen, sagt'er, freu' ich mich auf das Frühstück, den ganzenVormittag aufs Mittagessen, zur Vesperzeit aufsVesp rbrod, und Abends aufs Nachtbrod— und

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