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Die unsichtbare Loge
so hat der Alumnus Wuz sich stets auf etwas zuspitzen." Trank er tief, so sagt' er: »das hatmeinem Wuz geschmeckt-- und strich sich den Ma-gen. Niesele er, so sagte er: --helf Dir Gott,Wuz!-- Im fieberfrvsiigen Novemberwetter letztei er sich auf der Gasse mit der Vormalung deswarmen Ofens und mit der närrischen Freude,daß er eine Hand um die andre unter seinemMantel wie zu Hause stecken hatte. War derTag gar zu toll und windig — es gibt für unsWichte solche Hahtage, wo die ganze Erde ein^ Hatzhaus ist und wo die Plagen wie spaßhaftgehende Wasserkünste uns bei jedem Schritteansprühen und einfeuchten — so war das Mei-sierlein so pfiffig, daß er sich unter das Wetterhinsetzte und sich nichts darum schor; es war nichtErgebung, die das unvermeidliche Uebel auf-nimmt, nicht Abhärtung, die das ungefühlteträgt, nicht Philosophie, die das verdünnteverdauet, oder Religion, die das bel vhnte ver-windet: sondern der Gedanke aus warme BettwarS. --Abends, dacht' er, lieg' ich auf alle Fälle,sie mögen mich den ganzen Tag zwicken und hetzenwie sie wollen, unter meiner warmen Zudeck unddrücke die Nase ruhig aus Kopfkissen, acht Stun-de» lang.-- — Und kroch er endlich in der letztenStunde eines solchen Leidentages unter seinOberbett: so schüttelte er sich darin, krempte sichmit den Knien bis an den Nabel zusammen,und sagte zu sich: --Siehst Du, Wuz, es ist Lochvorbei.--
Ein anderer Paragraph aus der WuzischenKunst, stets fröhlich zu sein, war sein zweiterPfiff, stets fröhlich aufzuwachen — und um dieszu können, bedient' er sich eines dritten, und hobimmer vom Tage vorher etwas Angenehmes fürden Morgen auf, entweder gebackne Klvse odereben so viel äußerst gefährliche Blätter aus demRobinson, der ihm lieber war als Homer — oderauch junge Böget oder junge Pflanzen, an denener am Morgen nachzusehen hatte, wie Nachts Fe-dern und Blätter gewachsen.
Den dritten und vielleicht durchdachtesten Para-graphen seiner Kunst, fröhlich zu sein, arbeitete ererst aus, da er Sekundaner ward:er wurde verliebt. —
Eine solche Ausarbeitung wäre meine Sache....Aber da ich hier zum erstenmale in meinem Le-ben mich mit meiner Neißkohle an das Blumen-stück gemalter Liebe mache: so muß auf der Stelleabgebrochen werden, damit fortgerissen werdemorgen um sechs Uhr mit weniger niedergebrann-tem Feuer. —
Wenn Venedig, Rom und Wie» und die ganzeLuststädte-Bank sich zufammenthäten und mich miteinem solchen Karneval beschenken wollten, dasdem beikäme, welches mitten in der schwarzenKantors - Stube in Jodiz war, wo wir Kindervon acht Uhr bis eilf forttanzten (so lange währteunsre Faschingzcit, in der wir den Appetit zurFastnacht-Hirse vorsprangen),: so machten sichjene Residenzstädte zwar an etwas Unmöglichesund Lächerliches — aber doch an nichts so Unmög-liches, wie dies wäre, wenn sie dem AlumnusWuz den Fastnachtmorgen mit seinen Karneval-lustbarkeiten wiedergeben wollten, als er als unte-
rer Sekundaner auf Besuch, in der Tanz - undSchulstube seines Baters am Morgen gegen zehnUhr ordentlich verliebt wurde. Eine solche Fa-schinglustbarkeit — trautes Schulmeisterlein, woLenkst Du hin? — Aber er dachte an nichts hinals zu Jusiina, die ich selten oder niemals, wiedie Auenthaler, Zufiel nennen werde. Da derAlumnus unter dem Tanzen (wenige Gymna-siasten hätten mitgetanzt, aber Wuz war nie stolzund immer eitel) den Augenblick weghatte, was
— ihn nicht einmal eingerechnet — an der Jnstelwäre, daß sie ein hübsches gelenkiges Ding und schonim Briefschreiben und in der Regel Detri in Brü-chen und die Pathin der Frau Seniorin und ineinem Alter von fünfzehn Jahren und nur alseine Gast-Tänzerin mit in der Stube sei: sothat der Gast-Tänzer seines Orts was in solchenFällen zu thun ist; er wurde wie gesagt verliebt
— schon beim ersten Schleifer flogs wie Fieber-hitze an ihn — .unter dem Ordnen zum zweiten,wo er stillstehend die warme Jnlage seiner rech-ten Hand bedachte und befühlte, stiegs unverhält-nißmäßig — er tanzte sich augenscheinlich in dieLiebe und in ihre Garne hinein. — Als sie nochdazu die rothen Haubenbänder auseinanderfaltenund sie ungemein nachlässig um den nackten Halszurückflattern ließ: so vernahm er die Baßgeige nichtmehr — und als sie endlich gar mit einem rothenSchnupftuch sich Kühlung vorwedelte und es hin-ter und vor ihm fliegen ließ: so war ihm nichtmehr zu helfen, und hätten die vier großen unddie zwölf kleinen Propheten zum Fenster hinein-gepredigt. Denn einem Schnupftuch in einerweiblichen Hand erlag er stets auf der Stelleohne weitere Gegenwehr, wie der Löwe dem ge-drehten Wagenrade und der Elephant der Maus.Dorfkoketten machen sich aus dem Schnupftuch dienämliche Feldschlange und Kriegmaschine, die sichdie Stadtkvketten aus dem Fächer machen; aberdie Wellen eines Tuchs sind gefälliger, als dasknackende Truthahns - Radschlagen der buntenStreitkolbe des Fächers.
Auf alle Fälle kann unser Wuz sich damit ent-schuldigen, Laß seines Wissens die Oerter öffentli-cher Freude das Herz für alle Empfindung, dieviel Platz bedürfen, die Aufopferung für Muthund auch für Liebe weiter machen; freilich in denengen Amt- und Arbeitstuben, auf Rathhäusern,in geheimen Kabinetten liegen unsre Herzen wieauf eben so vielen Welkboden und Darrofenund runzeln ein.
Wuz trug seinen mit dem Gas der Liebe aufge-füllten und emporgetriebnen Herzballon freudig insAlumneum zurück, ohne jemand eine Silbe zu mel-den, am wenigsten der Schnupftuch - Fahnenjunkerinselber — nicht aus Scheu, sondern weil er niemehr begehrte als die Gegenwart, er war nurfroh, daß er selber verliebt war und dachte anweiter nichts. ...
Warum ließ der Himmel gerade in die Jugenddas Lustrum der Liebe fallen? Vielleicht weilman gerade da in Alumneen, Schreibstuben undandern Gifthütten keucht: da steigt die Liebe wieaufblühendes Gesträuch an den Fenstern jenerMarterkammern empor und zeigt in schwanken-den Schatten den großen Frühling von außen.