Band 
I.
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Die unsichtbare Loge.

den erst nachher, wie mehre von einander ab-gerissen — so behielt er den Koch und vozierte denAlumnus, der bisher so gescheit gewesen, daß erverliebt geblieben.

Ich steuere mich ganz auf die rühmlichen Zeug-nisse, die ich in Handen habe und die Wuz vvmSuperintendenten auswirkte, weil sein Examen viel-leicht eines der rigorosesten und glücklichsten war,wovon ich in neueren Zeiten noch gehöret. Mußtenicht Wuz das griechische Vaterunser verbeten,indeß das Examinazivn-Koilegium seine sammtnenHosen mit einer Glasbürste auskämmte; — undhernach das lateinische 8x»,N»Iurn Ltlmnnsii!'Konnte der Examinandus nicht die Bücher derBibel richtig und Mann für Mann vorzählen,ohne über die gemalten Blume» und Tassen aufdem Kaffeebrete seines frühstückenden Examinatorszu stolpern? Mußt' er nicht einen Betteljungcn,der blos auf einen Pfennig aufsah, herum kate-chesteren, obgleich der Junge gar nicht, wie seinUnter-Examinator, bestand, sondern wie einwahres Stückchen Vieh's Mußt' er nicht seineFingerspitzen in fünf Töpfe warmes Wasser tunkenund den Topf aussuchen, dessen Wasser warm undkalt genug für den Kopf eines Täuflings war?Und mußt' er nicht zuletzt 2 Gulden und 3ü Kreu-zer erlegen?

Am i3ren Mai ging er als Alumnus aus demAlumneum heraus und als öffentlicher Lehrer insein Haus hinein, und aus der zersprengtenschwarzen Alumnus-Puppe brach ein bunterSchmetterling von Kantor ins Freie hinaus.

Am yten Julius stand er vor dem Auenthaler-Allar und wurde kopuliert mit der Justel.

Aber der elvsäische Zwischenraum zwischen demi2ten Mai und dem yten Julius! — Für keinenSterblichen fällt ein solckes goldnes Alter vonacht Wochen wieder vom Himmel, blos für dasMeisterlein funkelte der ganze niekergethauoteHimmel auf gesti rnten Auen der Erde. — Duwiegtest im Bether Dich und sahest durch die durch-sichtige Erde Dich rund mit Himmel und Sonneumzogen und hattest keine Schwere mehr; aberuns Alumnen der Natur fallen nie acht solche Wo-chen zu, nicht eine, kaum Ei» ganzer Tag, wo derHimmel über und in uns sein reines Blau mitnichts bemalt, als mit Abend- und Morgenroth— wo wir über das Leben wegfliegen und allesuns hebt wie ein freudiger Traum — wo der un-bändige stürzende Strom der Dingo uns nicht aufseinen Katarakten und Strudeln zerstößet undschüttelt und rädert, sondern auf blinkenden Wel-len uns wiegt und unter hineingebognen Blumenvvrüberträgt — Ein Tag, zu dem wir den Brudervergeblich unter den verlebten suchen und von demwir ani Ende jedes andern klagen, seit ihm warkeiner wieder so.

Es, wird uns allen sanft thu», wenn ich dieseacht Wonne-Wochen oder zwei Wonne-Monateweitläufig beschreibe. Sie bestanden aus lauterähnlichen Tagen. Keine einzige Wolke zog hinterden Häusern herauf. Die ganze Nacht stand dierückende Abendröthe unten am Himmel, an wel-chem die untergehende Sonne allemal wie eineRose glühend abgeblühet hatte. Um 1 Uhr schlu-gen schon die Lerchen, und die Natur spielte und

phantasierte die ganze Nacht auf der Nachtigallen-Harmonika. In seine Träume tönten die äußernMelodieen hinein, und in ihnen flog er über Blü-ten-Bäume, denen die wahren von seinem offnenFenster ihren Blumen-Athem liehen. Der ta-gende Traum rückte ihn sanft, wie die lispelndeMutter das Kind, aus dem Schlaf ins Erwachenüber, und er trat mit trinkender Brust in denLärm der Natur hinaus, wo die Sonne die Erdevon neuem erschuf und wo beide sich zu einembrausenden Wollust-Weltmeer in 'einander er-gossen. Aus dieser Morgen-Flut des Ledens undFreuens kehrte er in sei» schwarzes Stübchen zu-rück und suchte die Kräfte in kleinern Freudenwieder. Er war da über Alles froh, über jedesbeschienene und »»beschienene Fenster, über dieausgefegte Stube, über das Frühstück, das mitseinen Ämt-Revenüen bestritten wurde, über 7 Uhr,weil er nicht in die Sekunda mußte, über seineMutter, die alle Morgen froh war, daß er Schul-meister geworden, und sie nicht aus dem vertrau-ten Hause fort gemußt.

Unter dem Kaffee schnitt er sich, außer denSemmeln, die Federn zur Messiade, die er damals,die drei letzten Gesänge ausgenommen, gar auS-sang. Seine größte Sorgfalt verwandte er darauf,daß er die epischen Federn falsch schnitt, entwederwie Pfähle oder ohne Spalt oder mit einem zweitenExtraspalt, der hinaus niesele; denn da alles in He-xametern und zwar in solchen, die nicht zu verstehenwaren, versasset sei» sollte: so mußte der Dichter, daerS Lurch keine Bemühung zur geringsten Unver-ständlichkeit bringen konnte — er fastete allemal denAugenblick jede Zeile und jeden Fuß und i>e» —aus Noth zum Einfall greifen, daß er die Hexa-meter ganz unleserlich schrieb, was auch gutwar. Durch diese poetische Freiheit bog er demVerstehen ungezwungen vor.

Um eilf tlhr deckte er für seine Vogel, und dannfür sich und seine Mutter, den Tisch mit vierSchubladen, in welchem mehr war als auf ihm.Er schnitt Las Brod, und seiner Mutter die weißeRinde vor, ob er gleich die schwarze nicht gern aß.O meine Freunde , warum kann man denn imIiütel 6s »nviöi'6 und auf dem Römer nicht sovergnügt speisen, als am Wuzischen Ladentisch? —Sogleich nach dem Essen machte er nicht Hexame-ter, sondern Kochlöffel, und meine Schwester hatselber ein Dutzend von ihm. Während seineMut-ter das wusch, was er schnitzte, ließen beide ihreSeelen nicht ohne Kost ; sie erzählte ihm die Per-sonalien von sich und seinem Vater vor, von derenKenntniß ihn seine akademische Laufbahn zu ent-fernt gehalten — und er schlug den Operazionplanund Bauriß seiner künftigen Haushaltung beschei-den vor ihr auf, weil er sich an dem Gedanken,ein Hansvater zu sein, gar nicht satt käuen konnte.»Ich richte mir — sagt' er — mein Haushaltenganz vernünftig ein — ich stell' mir ein Saug-schweinchen ein auf die heiligen Feiertage, es fal-len so viel Kartoffeln- und Rüben-Schalen ab, daßmans mit fett macht, man weiß kaum wie — undauf den Winter muß mir der Schwiegervater einFüderchen Büschel (Reishvlz) einfahren, unddie Stubenthür muß total gefüttert und gepolstertwerden — den», Mutter! unsereins hat seine