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Die unsichtbare Loge.
den Schuß der Halme maßen und ihn über dasWasser herüber als ihren neuen wohiverordnetenKantor grüßten — daß die Kinder auf Blät-tern schalmeiten und in Batzen-Flöten stießenund daß alle Büsche und Blumen - und Blüten-kelche vollstimmig besetzte Orchester waren, aus de-nen allen etwas Heraussang oder summsete oderschnurrte — und daß alles zuletzt so feierlich wurde,als hätte die Erde selber einen Sonntag, indemdie Hohen und Wälder um diesen Zauberkreisrauchten und indem die Sonne gen Mitternachtdurch einen illuminierten Triumphbogen hinunterund der Mond gen Mittag durch einen blaffenTriumphbogen heraufzog. O Du Vater desLichts! mit wie viel Farben und Stralen undLeuchtkugeln fassest Du Deine bleiche Erde ein! —Die Sonne kroch jetzt ein zu einem einzigen ro-then Strale. der mit dem Wiederscheine derAbendrökhe auf dem Gesichte der Braut zusammenkam; und diese, nur mit stummen Gefühlen be-kannt. sagte zu Wuz. daß sie in ihrer Kindheitsich oft gesehnet hätte, auf den rothen Bergen derAbendröthe zu stehen und von ihnen mit derSonne in die schönen rothgemalten Länder hinun-ter zu steigen, die hinter der Abendröthe lägen.Unter dem Gebetläuten seiner Mutter legt' erseinen Hut auf die Knie und sah, ohne die Händezu falten, an die rothe Stelle am Himmel, wo dieSonne zuletzt gestanden, und hinab in den ziehen-den Strom, der tiefe Schatten trug; und es warihm, als läutete die Abendglocke die Welt undnoch einmal seinen Vater zur Ruhe— zum ersien-und letztenmale in seinem Leben stieg sein Herzüber die irdische Szene hinaus — und es rief,schien ihm, etwas aus den Abendtönen herunter,er werde jetzo vor Vergnügen sterben.... Heftigund verzückt umschlang er seine Braut und sagte:-avie lieb hab'ich Dich, wie ewig lieb!» VomFlusse klang es herab wie Flötengetön und Men-schengesang und zog näher; außer sich drückt' ersich an sie an und wollte vereinigt vergehen undglaubte, die Himmeltöns hauchten ihre beidenSeelen aus der Erbe weg und dufteten sie wieThaufunken auf den Auen EdenS nieder. Essaug:
O wie schön ist Gottes Erde
Und werth darauf vergnügt zu sein!
Drum will ich, bis ich Asche werde.
Mich dieser schönen Erde freun.
Es war aus der Stadt eine Gondel mit einigenFlöten und singenden Jünglingen. Er und Ju-stine wanderten am Ufer mit der ziehenden Gon-del und hielten ihre Hände gefaßt und Justinesuchte leise nachzusingen; mehre Himmel gingenneben ihnen. Als die Gondel um eine Erdzungevoll Bäume herumschiffte: hielt Justine ihn sanftan, damit sie nicht nachkämen, und da das Fahr-zeug darhinter verschwunden war, fiel sie ihm mitdem ersten erröthenden Kusse um den Hals. .. .O unvergeßlicher erster Junius! — schreibt er. —Sie begleiteten und > belauschten von weitem dieschiffenden Töne; und Träume spielten um beide,bis sie sagte: es ist spät und die Abendröthe hatsich schon weit herumgezogen und es ist alles imDorfe still. Sie gingen nach Hause; er öffnete
die Fenster seiner mondhellen Stube und schlich miteinem leisen Gutenacht bei seiner Mutter vorüberdie schon schlief.
Jeden Morgen schien ihn der Gedanke wie Ta-geslicht an, Laß er dem Hochzeittage, dem 6tenJunius, sich um eine Nacht Näher geschlafen;und am Tage lief die Freude mit ihm herum, daßer durch die paradisischen Tage, die sich zwischenihn und sein Hochzeitbett gestellet, noch nichtdurchwäre. So hielt er, wie der metaphysischeEsel, den Kopf zwischen beiden Heubündeln, zwi-schen der Gegenwart und Zukunft; aber er war keinEsel oder Scholastiker, sondern grasete und rupftean beiden Bündeln auf einmal. . . . Wahrhaftigdie Menschen sollten niemals Esel sein, weder in-differentistische, noch hölzerne, noch bileamischc,und ich habe meine Gründe dazu. ... Ich brechehier ab, weil ich noch überlegen will, ob ich sei-nen Hochzeittag abzeichne oder nicht. Musivstiftehab' ich übrigens dazu ganze Bündel. —
Aber wahrhaftig ich bin weder seinem Ehren-tage beigewohnet, noch einem eignen; ich will ihnalso bestens beschreiben und mir — ich hätte sonstgar nichts — eine Lustpartie zusammen ma-chen.
Ich weiß überhaupt keinen schicklichern Ortoder Bogen, als diesen dazu, daß die Leser beden-ken, was ich ausstehe: die magischen Schweizerge-genden, in denen ich mich lagere — die Apollosund Venuvgestalten, denen sich mein Auge ansaugt— das erhabene Vaterland, für das ich das Lebenhingebe, das es vorher geadelt hat — das Braut-bett, in das ich einsteige, alles das ist von frem-den oder eignen Fingern blos — gemalt mitDinte oder Druckerschwärze; und wenn nur Du,Du Himmlische, der ich treu bleibe, die mir treubleibt, mit der ich in arkadischen Julius-Nächtenspazieren gehe, mit der ich vor der untergehendenSonne und vor dem aufsteigenden Monde steheund um deren willen ich alle Deine Schwesternliebe, wenn nur Du — wärest; aber Du bist einAltarblatt und ich finde Dich nicht.
Dem Nil, dem Herkules und andern Götternbrachte man zwar auch wie mir, nur »achbossierteMädchen dar; aber vorher bekamen sie dochreelle.
Wir müssen schon am Sonnabend ins Schul-und Hochzeithaus gucken, um die Prämissen die-ses RüsttagS zum Hochzeittag ein wenig vorherwegzubaben: am Sonntag haben wir keine Zeitdazu; so ging auch die Schöpfung der Welt (nachden ältern Theologen) darum in sechs Tagwerkenund nicht in einer Minute vor, damit die Engeldas Naturbuch, wenn es allmälich aufgeblättertwürde, leichter zu übersehen hätten. Am Sonn-abend rennt der Bräutigam auffallend in zweievi'pvl'ibu» i>üs aus und ein, im Pfarr- und imSchulhaus, um vier Sessel aus jenem indieses zu schaffen. Er borgte diese Gestelle demSenior ab, um den Kommodator selbst darauf zuweisen, als seinen Fürstbischof, und die Senivrinals Frau Pathin der Braut, und den Subpräfek-tus aus dem Alumneum, und die Braut selbst.Ich weiß so gut als andre, in wie weit diesermiethende Luxus des Bräutigams nicht in Schutzzu nehmen ist; allerdings papillotierten die gigan-