Band 
I.
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Die unsichtbare Loge.

tischen Miethstühls (Menschen und Sessel schrum-pfen jetzt ein) ihre falschen Rindhaar-Touren anLchne und Sitz, mit blauem Tuche, Milchstraßenvon gelben Nageln sprangen auf gelben Schnürenals Blitze herum, und es bleibt gewiß, daß man soweich auf den Rändern dieser Stühle aufsaß,als trüge ma» einen Doppelsteiß — wie gesagt,diese» Steiß-Luxus des Gläubigers und Schuld-ners hab' ich niemals zum Muster angepriesen;aber auf der andern Seite muß doch jeder, derin den "Schulz von Paris-- hineingesehen,bekennen, daß die Verschwendung im palsis-k!oz ->l und an allen Höfen offenbar größer ist. Wiewerd' ich vollends solche Methodisten von derstrengen Observanz auf die Seite des Großvater-oder Svrgesiuhls Wuzens bringen, der mit vierhölzernen Löweutatzen die Erde ergreift, welchemit vier Querhölzern — den Sitz-Konsolenmunterer Finken und Gimpel — gespvnselt sind,und dessen Haar-Chignon sich mit einer geblümtenledernen Schwarte mehr als zu prächtig besohlet,und welcher zwei hölzerne behaarte Arme, die dasAlter wie menschliche, dürrer gemacht, nach ei-nem Jnsaß ausstreckt?... Dieses Fragzeichenkann manchen, weil er den langen Perioden ver-gessen, frappieren.

Das zinnene Tafel-Service, das der Bräuti-gam noch von seinem Fürstbischof holte, kann dasPublikum beim Aukzionproklamator, wenn es an-ders versteigert wird, besser kennen lernen, alsbei mir: so viel wissen die Hochzeitgäste, die 8a-laclibro, die 8auciür-v, die Assiette zu Käse unddie Senfdose war ein Einziger Teller, der abervor jeder Rolle einmal abgescheuert wurde.

Ein ganzer Nil und Alpheus schoß über jedesStubenbret, wovon gute Gartenerde wegzuspülenwar, an jede Vettpfvste und an den Fenstersiockhinan und ließ den gewöhnlichen Bodensatz derFlut zurück — S a n d. Die Gesetze des Romanswürden verlangen, daß das Schulmeisierlein sichanzöge und sich auf eine Wiese unter ein wogen-des Zudeck von Gras und Blumen streckte und dadurch einen Traum der Liebe nach dem andernhindurch sank' und bräche — allein er rupfle Hüh-ner und Enten ab, spaltete Kaffee- und Bratcuhvlzund die Braten selbst, kredenzte am Sonnabendden Sonntag und dekretierte und vollzog in derblauen Schürze seiner Schwiegermutter fünfzigKüchenverordnungen und sprang, den Kopf mitPapilloten gehörnt und das Haar wie einen Eich-hörnchenschwanz empor gebunden, hinten undvornen und überall herum: --denn ich mache nichtalle Sonntage Hochzeit,-- sagt' er.

Nichts ist widriger als hundert Vorläufer undVorreiter zu einer winzigen Lust zu sehen und zuhören; nichts ist aber süßer, als selber mit vor-zureiten und vorzulaufen; die Geschäftigkeit, diewir nicht blos sehen, sondern theilen, machtnachher das Vergnügen zu einer von uns selbstgesäeten, besprengten und ausgezognen Frucht;und obendrein befällt uns das Herzgespann desPassenS nicht.

Aber, lieber Himmel, ich brauchte einen gan-zen Sonnabend, um diesen nur zu rapportieren:denn ich that nur einen vorbeifliegenden Blick indie Wuzisahe Küche — was da zappelt! was da

raucht! — Warum ist sich Mord und Hochzeit sonahe, wie die zwei Gebote, die davon reden?Warum ist nicht blos eine fürstliche Vermählungoft für Menschen, warum ist auch eine bürger-liche für Geflügel eine Parisische Bluthvch-zeit?

Niemand brachte aber im Hochzeithaus diesezwei Freudentage mißvergnügter und fataler zuals zwei Stechfinken und drei Gimpel: diese in-haftierte der reinliche und vogelfreundliche Bräu-tigam sämmtlich — vermittelst eines Treibjagensmit Schürzen und geworfenen Nachtmützen —und nächtigte sie, aus ihrem Tanz-Saale in einPaar Draht-Kärthausen zu fahren und an derWand in Mansarden springend herabzuhän-gen.

Wuz berichtet sowohl in seiner --Wuzischen Ur-geschichte,-- als in seinem --Lesebuch für Kindermittlern Alters,-- daß Abends um sieben Uhr, dader Schneider dem Hymen neue Hosen und Eiltetund Rock anprobierte, schon alles blank und me-trisch und neugeboren war, ihn selber ausgenom-men. Eine unbeschreibliche Ruhe sitzt auf jedemStuhl und Tisch eines neugestellten brillantiertenZimmers! In einem chaotischen denkt man, manmüsse noch diesen Morgen ausziehen aus dem auf-gekündigten Logement.

Ueber seine Nacht (so wie über die folgende) flie-gen ich und die Sonne hinüber und wir begegnenihm, wenn er am Sonntage, gervthet, und elek-trisiert vom Gedanken des heutigen Himmels, dieTreppe herab läuft in die anlachende Hochzeitstubehinein, die wir alle gestern mit so vieler Müheund Dinte ausgeschmückt haben, vermittelstSchönheitwasser — mociaUolr <!« Venus undSchminklappei, (Waschlappen)—Puderkasten (Topfmit Sand) und anderen, Toiletten-Schiff undGeschirr. Er war in der Nacht siebenmal aufge-wacht, um sich siebenmal auf Leu Tag zu freuen,und zwei Stunden früher aufgestanden, um beideMinute für Minute aufzuessen. Es ist mir alsging' ich mit dem Schulmeister zur Thür hinein,vor dem die Minuten des Tages hinstehn wieHonigzellen — er schöpfet eine um die andere ausund jede Minute trägt einen weiten, Honig-kelch. Für eine Pension auf Lebenlang ist den-noch der Kantor nicht vermögend, sich auf derganzen Erde ein Haus zu denken, in dem jetzonicht Sonntag, Sonnenschein und Freude wäre;nein! — Das zweite, was er unten nach derThüre aufthat, war ein Oberfenster, um einenauf- und niederwallenden Schmetterling — einenschwimmende» Silberflitter, eine Blumen-Folieund Amors Ebenbild — aus Hymens Stubefortzulassen. Dann fütterte er seine Vogel-Ka-pelle in den Bauern zum Voraus auf den lärmen-den Tag, und siedelte auf der väterlichen Geigedie Schleifer zum Fenster hinaus, an denen er sichaus der Fastnacht an die Hochzeit herangetanzt.Es schlägt erst fünf Uhr, mein Trauter, wir ha-ben uns nicht zu übereilen! Wir wollen die zweiEllen lange Halsbinde (die Du Dir ebenfalls, wiefrüher die Braut, autanzest, indem die Mutterdas andre Ende hält) und das Zopfband glatt um-haben , noch zwei völlige Stunden vor dem Läu-ten. Gern gab' ich den Großvaterstuhl und den