Band 
I.
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Die unsichtbare Loge.

nalien der Semorin vor und diese nieset und hustetdie ihrigen los, jede will ihre historische Roth-durft früher verrichten und steht ungern die andreauf dem Stuhle seßhaft — Der Senior sieht wieein Schooßjünger des Schooßjüngers Zohaunesaus, welchen die Maler mit einem Becher in derHand abmalen, und lacht lauter als er predigt —Der Präfektus schießet als lMgnnt herum und istvon niemand zu erreichen — Mein Maria plät-schert und fährt unter in allen vier Flüssen desParadieses, und des Freuden-Meers Wogen hebenund schaukeln ihn allmächtig — Blos die eineBrautführer!» (mit einer zu zarten Haut undSeele für ihren schwielenvollen Stand) hört dieFreuden-Trommel wie von einem Echo gedämpftund wie bei einer Königleichs mit Flor bezogen,und die stille Entzückung spannt in Gestalt einesSeufzers die einsame Brust. — Mein Schul-meister (er darf zweimal im Küchenstück herum-stehen) tritt mit seiner Trauunghälsts unter dieHausthür, deren ckussus cksports ein Schwalben-GlobuS ist, und schauet auf zu dem schweigendenglimmenden Himmel über ihm und denkt, jedegroße Sonne gucke herunter wie ein Auenthalerund zu seinem Fenster hinein. Schiffe fröh-

lich über Deinen verdünstenden Tropfen Zeit, Dukannst es; aber wir könnsns nicht alle: die eineBrautführer!» kannS auch nicht — Ach, wär' ichwie Du, an einem Hochzeitmorgen dem ängstlichenden Blumen abgefangnen Schmetterling begegnet,wie Du der Biene im Blütenkelch, wie Du derum 7 Uhr abgelaufnen Thurmuhr, wie Du demstummen Himmel oben und dem lauten unten : sohätt' ich ja daran denken müssen, daß nicht aufdieser stürmenden Kugel, wo die Winde sich inunsre kleinen Blumen wühlen, die Ruhestätte zusuchen sei, auf der uns ihre Düfte ruhig umfließen,oder ein Auge ohne Staub zu finden, ein Augeohne Regentropfen, die jene Stürme an unswerfen — und wäre die blitzende Göttin derFreude so nahe an meinem Busen gestanden : sohätt' ich doch auf jene Aschenhäufchen hinüber ge-sehen, zu denen sie mit ihrer Umarmung, aus derSonne gebürtig und nicht aus unsern Eiszonen,schon die armen Menschen verkalkte; — und owenn mich schon die vorige Beschreibung einesgroßen Vergnügens so traurig zurück ließ : somüßt' ich, wenn erst Du, aus »«gemessenen Höhenin die tiefe Erde hineinreichende Hand! mir eines,wie eine Blume auf einer Sonne gewachsen, her-nieder brächtest, auf Liese Vaterhand die Tropfender Freude fallen lassen und mich mit dem zuschwachen Auge von den Menschest wegwen-den. . ..

Jetzt, da ich dieses sage, ist Wuzens Hochzeitlängst vorbei, seine Justins ist alt und er selberauf dem Gottesacker; der Strom der Zeit hat ihnund alle Liese schimmernden Tage unter vier-fünf-fachen Bodensatz gedrückt und begraben; — auchan uns steigt dieser beerdigende Niederschlug im-mer höher auf; in drei Minuten erreicht er dasHerz und überschichtet mich und Euch.

In dieser Stimmung sinne mir keiner an, dievielen Freuden des Schulmeisters aus seinemFreuden-Mannale mitzutheilen, besonders seineWeihnacht-, Kirchweih- und Schulfreuden — es

> kann vielleicht noch geschehen in einem Pvsihumusvon Postskript, das ich nachliefere, aber heutenicht! Heute ists besser, wir sehen den vergnügtenWuz zum letzenmal lebendig und todt und gehendann weg.

Ich hätte überhaupt — ob ich gleich dreißigmalvor seiner Hausthür vorüber gegangen war —wenig vvm ganzen Manne gewußt, wenn nichtam zwölften Mai vorigen Jahrs die alte Justineunter ihr gestanden wäre und mich, da sie michim Gehen meine Schreibtafel vvllarbeiten sah,angeschrien hätte; ob ich nicht auch ein Bücherma-cher wäre. — »Was sonst, Liebe? — versetzt' ich

— jährlich mach' ich dergleichen und schenk' allesnachher dem Publiko.» — So möcht' ich dann,fuhr sie fort, mich auf ein Stündchen zu ihremAlten hinein bemühen, der auch ein Buchmachersei, mit dem es aber elend aussehe.

Der Schlag hatte dem Alten, vielleicht weil ereine Flechte Thalers groß am Nacken hineingehei-let, oder vor Alter, die linke Seite gelähmt. Ersaß im Bette an einer Lehne von Kopfkissen undhatte ein ganzes Waarenlager, das ich sogleichfpezifizieren werde, auf dem Deckbette vor sich.Ein Kranker thut wie ein Reisender — und wasist er anders — sogleich mit jedem bekannt; sonahe mit dem Fuße und Auge an erhabner» Wel-ten macht man in dieser räudigen keine Umständemehr. Er klagte, es hätte sich seine Alte schonseit drei Tagen nach einem Bücherschreiber um-schauen müssen, hätt' aber keinen ertappt, außereben; »er inüff' aber einen haben, der seine Bi-bliothek übernehme, ordne und inventiere, und deran seine Lebensbeschreibung, die in der ganzenBibliothek wäre, seine letzten Stunden, falls er-ste jetzt hätte, zur Kompletierung gar hinansiieße,denn seine Alte wäre keine Gelehrtin und seinenSohn hätt' er auf drei Wochen auf die Universi-tät Heidelberg gelassen.»

Seine Aussaat von Blattern und Runzeln gabseinem runden kleinen Gesichtchen äußerst fröhli-che Lichter; jede schien ein lächelnder Mund: aberes gefiel mir und meiner Semiotik nicht, daßseine Augen so blitzten, seine Augenbraunen undMund - Ecken so zuckten und seine Lippen so zit-terten.

Ich will mein Versprechen der Spezifikazionhalten: auf dem Deckbette lag eine grüntaftneKinderhaube, wovon das eine Band abgerissenwar, eine mit abgegriffnen Gvldslitterchen über-pichte Kinderpeitsche, ein Fingerring von Zinn,eine Schachtel mit Zwerg-Büchelchen in 123Format, eine Wand-Uhr, ein beschmutztesSchreibbuch und ein Finkenkloben fingerlang.Es waren die Rudera und Spätlinge seinerverspielten Kindheit. Die Knnsikammer dieserseiner griechischen Alterthümer war vonjeher unter der Treppe gewesen — denn in ei-nem Haus, das der Blumenkübel und Treibkasteneines einzigen Stammbaums ist, bleiben die Sa-chen Jahrfünfzig lang in ihrer Stelle ungerückt

— und da es von seiner Kindheit an ein Reichs-grundgesetz bei ihm war, alle seine Spielwaarenin geschichtlicher Ordnung aufzuheben, und dakein Mensch Las ganze Jahr unter die Treppeguckte als er: so konnt' er noch am Rüsttage vor