Band 
I.
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Die unsichtbare Loge.

der wird mild sein und von seinem eignen Herzenlernen, die Schwächen eines fremden tragen; dergebrechliche Mensch wird es fühlen und vergeben,daß jeder Las Nest, worin er sitzt und quiektund welches das einzigeist, worüber er mit Schna-bel und H. hinaussticht, für den Fokus des Uni-versums hält, für eine Frontloge und Rotunda,die sämmtlichen Nester aber auf den andernBäumen für die Wirthschaftsgebäude eines Fokal-nesteS:.... O Ihr guten Menschen! warumist es möglich, daß wir uns unter einander auchnur eine halbe Stunde kränken? — Ach, in die-ser gefährlichen Dezember-Nacht dieses Lebens,mitten in diesem Chaos unbekannter Wesenwelche die Höhe oder Tiefe von unS entfernt,in dieser verhülleten Welt, in diesen bebendenAbenden, die sich um unser zerstäubendes Erdchenlegen, wie ist es da möglich, daß der verlasseneMensch nicht die einzige warme Brust umschlinge,in der ein Herz liegt wie seines und zu der ersagen kann: "Mein Bruder, Du bist wie ich undleidest wie ich und wir können unS lieben." —Unbegreiflicher Mensch! Dn sammelst lieberDvlcheauf und treibest sie, mitten in deiner Mitternacht,in die ähnliche Brust, womit der gute HimmelDeine wärmen und beschirmen wollte!... Ach,ich schaue über die beschatteten Blumeugründe hinund sage mir, daß hier sechstausend Jahre mitihren schönen hohen Mensche» vorübergezogensind, die keiner von uns an seinen Busen brückenkonnte — daß noch viele Jahrtausende über dieStätte gehen und darüber himmlische, vielleichtbetrübte Menschen führen werden, die uns niebegegnen, sondern höchstens unsern Urne», und diewir so gern lieben würden — und daß blos einPaar arme Jahrzehende uns einige fliehende Ge-stalten vorführen, die ihr Auge auf uns wendenund in denen das verschwisierte Herz für uns ist,nach dem wir uns sehnen. — Umfasset diese eilendeGestalten; aber blos aus Euren Thränen werdet

Ihr wissen, daß Ihr seid geliebt worden.

— Uns eben dieses, daß die Hand eines Men-schen über so wenige Jahre hinausreicht und daßsie so wenige gute Hände fassen kann, das mußihn entschuldigen, wenn er ein Buch macht: seineStimme reicht weiter als seine Hand, sein engerKreis der Liebe zerfließet in weitere Zirkel, undwenn er selber nicht mehr ist, so wehen seinenachtönenden Gedanken in den« papiernen Laubenoch fort und spielen wie andre zerstiebendeTräume, durch ihr Geflüster und ihren Schattenvon manchem fernen Herzen eine schwere Stundehinweg. — Dieses ist auch mein Wunsch, abernicht meine Hoffnung. Wenn es aber eine schöneweiche Seele gibt, die so voll ihres Innern, ihrerErinnerung und ihrer Phantasiern ist. Laß sie so-gar bei meinen schwachen überschwillt — wenn siesich und ein volles Auge, das sie nicht bezwingenkann, mit dieser Geschichte verbirgt, weil sie darinihre eigne, ihre verschwundnen Freunde, ihrevorübergezognen Tage uns ihre versiegten Thränenwiederfindet: o dann, geliebte Seele, hab' ich anDich darin gedacht, ob ich Dich gleich nicht kannteund ich bin Dein Freund, wiewohl nicht DeinBekannter gewesen. Noch bessere Menschen wer-den Dir beides sein, wenn Du den Schlimmern

verbirgst, was Du jenen zeigst, wenn das Gött-liche in Dir, gleich Gott, in einer höhen Unsicht-barkeit bleibet, und wenn Du sogar Deine Thrä-ne» verschleierst — weil harte Hände sich aus-strecken, die gern sie mit dem Auge zerdrücken, wieman nach dem Regen alle grünen Spitzen des eng-lischen Gartens uiederschleist, damit sie nicht wei-ter keimen.. ..

— Der helle Stern oder Thautropfe in derAehre der Jungfrau fällt jetzt unter den Horizont.

— Ich stehe noch hier auf meiner blumigen Erdeund denke: noch trägst Du auf Deinen Blumen,alte gute Erde, Deine Menschenkinder an dieSonne, wie die Müller den Säugling aus Licht

— noch bist Du ganz von Deinen Kindern um-

schlungen, behängen, bedeckt, und indeß Geflügelauf Deinen Schultern flattert, Thiermassen umDeine Füße schreileu, geflügelte Gvldpunkte umDeine Locken schweben, führest Du das aufgerich-tete hohe Menschengeschlecht an Deiner Handdurch den Himmel, zeigest uns allen Deine Mor-genröthen, Deine Blumen und das ganze lichter-volle Haus des unendlichen Vaters und erzählstDeinen Kindern von ihm, die ihn noch nicht ge-sellen haben.-Aber, gute Mutter Erde, es

wird ein Jahrtausend aufgehen, wo alle DeineKinder Dir werden gestorben sein, wo der feurigeSonn. n - Strudel Dich in zu nahe verzehrendeKreise an sich wird gewirbelt haben: dann wirstDu verwaiset, mit Stummen im Schoos, mitLodesasche bestreuet, öde und stumm um DeineSonne ziehen, es wird das Morgenroth kommen,es wird der Abendstern schimmern, aber die Men-schen alle werden tief schlafen auf Deinen vierWelt - Armen und nichts mehr sehen. ... Alleworden es? — Ach, dann lege eine höhere trö-stende Hand unserem Mitbruder, der zuletztentschläft, den letzten Schleier ohne Zögern überdas einsame 'Auge. ...

.... Das Abendrvth schimmert schon in Nor-den — auch in meiner Seele ist die Sonne hin-unter und am Rande zucket rothes Licht uns meinIch wird finster — die Welt vor mir liegt ineinem festen Schlafe und hört und redet nicht —es setzet sich in mir zusammen eine bleiche Weltaus Todtengebeinsn — die alten Stunden stäu-ben sich ab — es brauset, wie wenn an den Grän-zen der Erde eine Vernichtung anfinge und ichherüberhörte das Zerbrechen einer Sonne — derStrom stockt und alles ist stille — ein schwarzerRegenbogen krümmt sich aus Gewittern zusam-men über diese hülfloss Erde.

-Siehe! es tritt eine Gestalt unter den

schwarzen Bogen, es schreitet über die Junius-Blumen »»gehört ein unermeßliches Ekelet undgeht zu meinem Berge heran — es verschlingtSonnen, erquetscht Erden, tritt einen Mond ausund ragt hoch hinein in das Nichts — das hoheweiße Gebein durchschneidet die Nacht, hält zweiMenschen an den Händen, blickt mich an undsagt: »Ich bin der Tod —ich habe an jeder Hand»einen Freund von Dir, aber sie sind unkennt-lich.»

Mein Mund lag auf die Erde gestürzt, meinHerz schwamm in. Gifte des Todes — aber ichhörte noch sterbend ihn re?--;