Band 
I.
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Die unsichtbare Loge.

"Ich todte Dich jetzt auch, Du hast meinen Na--men oft genannt und ich habe Dich gehört — ich-.habe schon eine Ewigkeit zerbröckelt und greife--in alle Wellen hinein und erdrücke; ich steige--aus den Sonnen in Euren dumpfen, finstern--Winkel nieder, wo der Menschen - Salpeter an-„schießet und streich' ihn ab.... Lebst Du noch,»Sterblicher?" ....

Da zerging mein verblutetes Herz in eineThräne über die Qualen des Menschen — ich rich-tete mich gebrochen auf und schauete nichtauf dieses Ekelet und auf das, was esführte — ich blickte auf zu dem Siriusnnd rief mit der letzten Angst: verhüllter Vater,lässest Du mich vernichten? Sind diese auchvernichtet? Endigt das gequälte Leben in eineZerschmetterung? Ach, konnten die Herzen, diezertrümmert werden, Dich nur so kurz lieben?

Siehe! da entfiel droben dem nachtblauen Him-mel ein Heller Tropfe, so groß wie eine Thräneund sank wachsend neben einer Welt nach derandern vorbei. — Als er groß, und mit tausendFarbenblitzen durch den schwarzen Bogen drang:so grünte und blühte dieser wie ein Regenbogen,und unter ihm waren keine Gestalten mehr —nnd als der Tropfen groß-glimmend wie eineSonne auf fünf Blumen lag: so überfloß einirrendes Feuer die grüne Fläche und erhellet« einenschwarzen Flor, der ungesehen die Erde umfassethatte. Der Flor zog sich schwellend auf zu einemunendlichen Zelte und riß von der Welt ab undfiel zu einem Leichenschleier zusammen und bliebin einem Grabe. — Da ward die Erde ein tagen-der Hinimel, aus den Sternen stäubte ein war-mer Regen von lichten Pünktchen nieder, amHorizont standen weiße Säulen aufgepflanzt

— von Westen her walteten kleine Wolken herü-ber, perlen-hell, grünlich-spielend, roth-glühend,und auf jeder Wolke schlief ein Jüngling und seinAthem-Zephyr spielte mit dem rinnenden Duftewie mit weichen Blüten und wiegte seine Wolke

— die Wogen eines lauen Abendwindes spültenan die Wolken an und führten sie. — Und alseine Welle in meinen Athem floß, so wollt' inihr meine Seele dahin gegeben in ewige Ruheauseinander rinnen — weit gegen Westen er-schütterte eine dunkle Kugel sich unter einemGewitterguß und Sturm — von Osten her warauf meinem Boden ein Zodiakallicht wie einSchatten hingeworfen. . ..

Ich wandte mich nach Osten und ein ruhig-gro-ßer, in Tugend seliger, wie ein Mond aufgehen-der Engel lächelte mich an und fragte: --kennstDu mich? — Ich bin der Engel des Friedensund der Ruhe, und in Deinem Sterben wirst Dumich wieder sehen. Ich liebe und tröste EuchMenschen und bin bei Eurem großen Kummer.

Wenn er zu groß wird, wenn Ihr Euch aufdem harten Leben wundgelegen: so nehm' ich dieSeele mit ihren Wunden an mein Herz undtrage sie aus Eurer Kugel, die dort in Westen

kämpft, und lege sie schlummernd auf die weicheWolke des Todes nieder.--

Ach! ich kenne einige schlafende Gestalten aufdiesen Wolken! . . ..

„Alle diese Wolken ziehen mit ihren Schläfernnach Morgen — und sobald der große gute Gottaufgeht in der Gestalt der Sönne: so wachen siealle auf und leben und jauchzen ewig."

O siehe! die Wolken gen Osten glühen höherund drängen sich in Ein Glutmeer zusammen —-die steigende Sonne nahet sich — alle Schlum-mernden lächeln lebendiger aus dem seligenTraum dem Wachen entgegen. —

O Ihr ewig geliebten kenntlichen Gestalten!wenn ich in Eure großen himmeltrunkuen Augenwieder werde schauen können.. . .

Ein Sonnenblitz schlug empor — Gott ruhteflammend vor der zweiten Welt — alle geschlos-sene Augen fuhren auf.-

Ach! auch meine; nur die Erdensonne ging auf

— ich klebte noch auf der streitenden Abendkugel

— die kürzeste Nacht war über meinen Schlum-mer vorübergeeilet als wäre sie die letzte des Le-bens gewesen.

Es sei! Aber heute richtet sich mein Geist aufmit seinen irdischen Kräften — ich erhebe meineAugen in die unendliche Welt über diesem Leben

— mein an ein reineres Vaterland geknüpftes

Erdenherz schlägt gegen Deinen Stcrnenhimmetempor, Unendlicher, gegen das SternenbildDeiner gränzenlosen Gestalt, und ich werde großund ewig durch Deine Stimme in meinem edel-sten Innern: Du wirst nie vergehen.-

Und so, wer mit mir sich einer Stunde erinnert,wo ihm der Engel des Friedens erschien und ihmtheuere Seelen aus der irdischen Umarmung zog;ach, wer sich einer erinnert, wo er zu viel verlor

— der bezwinge das Sehnen und sehe mit mirfest zu den Wolken auf und sage: ruhet immer-hin auf Eurem Gewölks aus, Ihr entrückten Ge-liebten! Ihr zählt die Jahrhunderte nicht, diezwischen Eurem Morgen verfließen, kein Steinliegt mehr auf Euren bedeckten Herzen als derLeichenstein und dieser drücket nicht, und EuerRuhen störet nicht einmal ein Gedanke anuns....

Tief im Menschen ruhet etwas unbezwingliches,daS der Schmerz nur betäubt, nicht besiegt.—Darum dauert er ein Leben aus, wo der beste nurLaub statt Früchte trägt, darum wacht er fast dieNächte dieser westlichen Kugel hinaus, wo geliebteMenschen über die liebende Brust in ein weitentlegenes Leben wegziehen und dem jetzigen blosdas Nachtönen der Erinnerung hinterlassen, wiedurch JSlands schwarze Nächte Schwänen alsZugvögel mit den Tönen von Violinen fliegen —

— Du aber, den die zwei schlafenden Gestaltengeliebt und in dem sie mir ihren und meinen IFreund zurück gelassen, Da mein mit ewigerHochachtung geliebter.Christian O., bleibe hienie-den bei mir!