Hesperus,
oder
45 H u n d p o s t L a g e.
Erstes Hestlcin.
Hundposttag.
Unterschied zwischen dem 1. und U. Mai — Aatten-scistaehtstücke — Naehtstiiek — Drei Regimenterin künstigc» Hosen — Ltaarnadel — Guvertüreund geheime Instruktion dieses Luchs.
Im Hause des Hvfkaplans Eymann im Bad-dorfe St. Lüne waren zwei Parteien, die einewar den dreißigsten April froh, daß der Held die-ser Geschichte, der junge Engländer Horionden ersten Mai aus Götlinge» zurückkäme und inder Kaplanei bliebe — der andern wars nichtrecht, sie wollte haben, er sollte erst den viertenMai anlangen.
Die Partei des ersten Maies oder des Dins-tags, bestand aus dem Kaplans-Sohne Flamin,der mit dem Engländer bis ins zwölfte Jahr inLondon und bis ins achtzehnte in St. Lüne erzo-gen worden, und dessen Herz mit allen Aderzwei-gen in das brittische verwachsen, und in dessen hei-ßer Brust während der laugen Trennung durchGöttingen Ein Herz zu wenig gewesen war —Ferner aus der Hofkaxlänin, einer gebornen Eng-länderin, die in meinem Helden den Landsmannliebte, weil der magnetische Wirbel des Vaterlan-des noch an ihre Seele über Meere und Länderreichte — Endlich aus ihrer ältesten Tochter Aga-the, die den ganzen Tag alles auslachte und liebhatte, ohne zu wissen warum, und die jeden, dernicht gar zu viele Häuser weit von ihr wohnte,mit ihren Polypenarmen als Nahrung ihres Her-zens zu sich zog.
Die Sekte des vierten Maies konnte sich mit je-ner schon messen, da sie auch ein Kollegium vondrei Gliedern ausmachte. Die Anhänger warendie kochende Appel, (Apollvnia die jüngste Toch-ter) deren Küchen-Ehre und Back-Belobebrief da-bei litt, daß der Gast früher ankam als die Weiß-hefen; sie konnte sich denken, was eine Seeleempfindet, die vor einem Gaste steht, die Händevoll Spick- und Nähnadeln, neben der Platte der
Fenstervorhänge, und ohne sogar die Frisur desHutes und des Kopfes, der darunter soll, nurhalb fertig zu haben. Der zweite Anhänger die-ser Sekte, der am meisten gegen den Dinstaghätte reden sollen — ob er gleich am wenigsten re-dete, weil ers nicht konnte und erst kürzlich ge-tauft war — sollte am Freitag zum erstenmale indie Kirche getragen werden, dieser Anhänger wardas Pathchen des Gastes. Der Kaplan wußte 'zwar, daß der Mond seinen Gevatterbitter, denP. Ricciolum, bei den Erden-Gelehrten herum-schicke, und sie als Pathen seiner Flecken ins Kir-chenvuch des Himmels bringe; aber er dachte, esist besser, sich seinen Gevatter schon in einer Ent-fernung von fünfzig Meilen zu nehmen. DerAposteltag des Kirchgangs und der Festtag der An-kunft des Herrn Gevatters wären also schön ineinander gefallen; aber so führte das Wet-ter (das hübsche) den Gevatter vier Tags eherher! —
Der dritte Jünger des Freitags war imGrunde der Häresiarch dieser Partei, der Hofka-plan selber: die Kaplanei. worin Horion eineinstweiliges Hoflager haben sollte, war ganz vollRatten, ordentlich ein Tanzsaal und Waffenplatzderselben, und diesen wollte der Kaplan seinHaus vorher abjagen. Wenige Hvfkapläne, dieHektik im Leibe und Ratten im Hause hatten,machten daher so viel Gestank, als dieser inSt. Lüne gegen die Bestien. Mit wenigen Wolkendavon wären alle Hofdamen aus Europa hinauszu räuchern. Zündete der Hektiker nicht so vielvom Hufe seines Gaules an, als er davon abge-sägt hatte? — Nahm er nicht ein solches Nage-thier selber gefangen und seifte dasselbe mit Wa-gentheer und Fischthran ein, und ließ den Arre-stanten fort, damit er als Parias in den Löchernaus- und abginge, und Ratten edlerer Kastendurch sein Salböl zu entlaufen nöthigte? — Ginger nicht ins Große und nahm gar einen Bock indie Kost, von dem er nichts verlangte, als daß erstank und den geschwänzten Klausnern mißfiel? —Und waren nicht alle diese Mittel so gut wie um-sonst ?
— — Denn der Henker relegiere Jesuiten undRatten! —Indessen wird doch den Leuten hier