Hesperus.
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„ichs nicht schon wäre; daher schaden Schmeichler„wenig. — Ich finde die beste Welt blos im Mi-krokosmus ansässtg, und mein Arkadien langt„nicht über die vier Gehirnkammern hinaus; die„Gegenwart ist für nichts als den Magen des„Menschen gemacht; die Vergangenheit be-seht aus der Geschichte, die wieder eine zusam-mengeschobene von Ermordeten bewohnte Gegen-wart, und blos ein Deklinatorium unsrer„ewigen wagrechten Abweichungen vom kalten„Pole der Wahrheit, und ein Inkli » atori u m„unsrer senkrechten von der Sonne der Tu-gend ist — Es bleibt also dem Menschen, der in„sich glücklicher, als außer sich seyn will, nichts„übrig, als die Zukunft oder Phantasie, d. h.„der Roman. Da nun eine Lebensbeschreibung„von geschickten Händen leicht zu einem Roman zu„veredeln ist, wie wir an Voltaires Karl und„Peter und an den Selbstbiographieen sehen: so„übernehm' ich das biographische Werk, unter„der Bedingung, daß darin die Wahrheit nur„meine Gesellschaftdame, aber nicht meine Führe-„rin sei."
„In Besuchzimmern macht man sich durch all-gemeine Satiren verhaßt, weil sie jeder auf sich„ziehen kann; persönliche rechnet man zu den„Pflichten der Medisance, und verzeiht sie, weil„man hofft, der Satiriker falle mehr die Person„als das Laster an. In Büchern aber ist es gerade„umgekehrt, und es ist mir, falls einige oder meh-rere Spitzbuben in unsrer Biographie, wie ich„hoffe, Rollen haben, das Inkognito derselben„ganz lieb. Ein Satiriker ist hierin nicht so un-glücklich wie ein Arzt. Ein lebhafter medizi-„nischer Schriftsteller kann wenige Krankheiten„beschreiben, die nicht ein lebhafter Leser zu haben„meine; dem Hypochondrien impfet er durch„seine historischen Pazienten ihre Wehen so gut„ein, als wenn er ihn ins Bette zu ihnen legte;„und ich bin fest versichert, daß wenige Leute von„Stande lebhafte Schilderungen der Lustseuche„lesen können, ohne sich einzubilden, sie hätten„sie, so schwach sind ihre Nerven und so stark ihre„Phantasieen. Hingegen ein Satiriker kann sich«Hoffnung machen, daß selten ein Leser seine Ge-mälde moralischer Krankheiten, seine anatomi-,„schen Tafeln von geistigen Mißgeburten auf sich„anwenden werde; er kann froh und frei Despo-tismus, Schwäche, Stolz und Narrheit ohne diegeringste Sorge malen, daß einer dergleichen zu„haben sich einbilde; ja ich kann das ganze Publi-kum oder alle Deutsche einer ästhetischen Schlaf-sucht, einer politischen Abspannung, eines kame-„ralistischen Phlegma gegen alles, was nicht in„den Magen oder Beutel geht, beschuldigen; aber„ick traue jedem, der mich liefet, zu, daß er wenig-stens sich nicht darunter rechne, und wenn dieser„Brief gedruckt würde, wollt' ich mich auf eines„jeden inneres Zeugniß berufen. — Der einzige„Spieler, dessen wahren Namen ich in diesem hi-„storischen Schauspiel haben muß, zumal da er nur„den Einbläser macht, ist der — Hund."
Jean Paul.
Ich habe noch keine Antwort, und auch nochkein zweites Kapitel : jetzo kommt es ganz aufden Spitzhund an, ob der der gelehrten Welt
die Fortsetzung dieser Historie schenken will odernicht.
— Isis aber möglich, daß ein biographischerBerghauptmann blos einer verdammten Rattewegen, die noch dazu in keinem Journal arbeitet,sondern in meinem Hause, eben v'om Publikumweglaufen und alle Zimmer durchdonnern muß,um das Aas in Angst zu jagen? ....
. .. Spitzius Hofmann heißet der Hund;der war die Ratte und kratzte an der Thüre mitdem zweiten Kapitel im Kürbis Ein ganzes vol-les Proviantschiff, das die gelehrte Welt ausna-schen darf, hab' ich vom Halse Hofmanns abgeho-ben: und es thun sich für den Leser, der dasGescheute so gern liefet wie das Dumme, heute
— denn nunmehr ists gewiß, daß ich festschreibe,
— freudige Aussichten auf, die ich aus einemgewissen Gefühle der Bescheidenheit nicht ab-zeichne. . . Der Leser sitzt jetzt in seinem Kana-pee, die schönsten Lese-Hören tanzen um ihn undverstecken ihm seine Repetieruhr — die Grazienhalten ihm mein Buch und reichen ihm die Heft-lein — die Musen wenden ihm die Blätter umoder lesen gar alles vor — er lässet sich von nichtsstören, sondern der Schweizer oder die Kindermüssen sagen, Papa ist aus — da das Leben aneinem Fuß einen Kothurn und am andern einenSokkuS trägt, so ists ihm lieb, daß eine Lebensbe-schreibung auch in einem Athem lacht und weint
— und da die Schönschreiben immer mit demMoralischen ihrer Lichriften, das nützt, etwasUnmoralisches, das vergiftet, aber reizt, zu ver-binden wissen, gleich den Apothekern, die zugleichArzneien und Aquavit verzapfen, so vergibter mir gern für das Unmoralische, das vorsticht,das Religiöse, das ich etwa habe, und umgekehrt
— und da diese Biographie in Musik gesetzt wird,weil Ramler sie vorher in Hexameter setzt (wel-ches sie auch mehr bedarf, als der harmonischeGesner), so kann er, wenn er sie gelesen hat,aufstehen und sie auch spielen oder singen....Auch ich bin fast eben so glücklich, als läs' ich dasWerk — der indische Ozean schlägt die Pfauenrä-der seiner beleuchteten Wellenkreise vor meinerInsel — mit allein steh' ich auf dem besten Fuße,mit dem Leser, mit dem Rezensenten und mit demHund — alles ist schon zu den Hundpo st tagenda, ein Dintenrezept von einem Alchemiker, derGänsehirt mit Spulen war schon gestern da, derBuchbinder mit bunten Schreibbüchern erst heute
— die Natur knospet, mein Leib blüht,mein Geist trägt — und so häng' ich überden Loh- und Treibkasten (d. h. über dieInsel) meine Blüten, durchschieße den Kastenmit meinen Wurzelfasern, kann es (ich Hamadry-ade) aus meinem Laubwerk heraus nicht wahr-nehmen, wie viel Moos die Jahre in meineRinde, wie viel Holzkäfer die Zukunft in dasMark meines Herzens, und wie viel Baumheberder Tod unter meine Wurzel setzen wird, nehmealles nicht wahr, sondern schwinge froh — du gü-tiges Schicksal! — die Zweige in dem Winde,lege die Blätter saugend an die mit Licht undThau gefüllte Natur, und errege, vom allgemei-nen Lebensodem durchblättert, so viel artikuliertesGeräusch als nöthig ist, daß irgend ein trübes