Hesperus
Menschenherz, unter der Aufmerksamkeit auf dieseBlätter, seine Stiche, sein Pocken, sein Sto-cken vergesse in kurzen sanften Träumen-
warum ist ein Mensch zuweilen so glücklich?
Darum: weil er zuweilen ein Litteratus ist.So oft das Schicksal unter seinem Schleier dasLebensströmchen eines Litteratus, Las über einigeHörsäle und Bücherbreter rinnt, aus dem großenWeltatlas in eine Spezialkarte hineinpunktiert:so kann es so denken und sagen: »wohlfeiler und»sonderbarer kann man doch kein Wesen glücklich»machen, als wenn man es zu einem litterarischen»macht: sein Freudenbecher ist eine Dintenflasche»— sein Trommetenfest und Fasching ist (wenn es»rezenfiert) die Ostermeffe — sein ganzer paphi-»scher Hain geht in ein Bücherfutteral hinein —„und in was anderm bestehen denn seine blauen„Montage als in (geschriebnen oder gelesenen)Hundposttagen?" Und so führt mich das Schicksalselber in den
2. Hundposttag.
Uorsimdslulliche Geschichte—Uilttors Lebens-Pro--rss-Ordnung.
Beim Thor des ersten Kapitels fragen die Le-ser die Einpassierenden, „wie heißen Sie? — Ih-ren Charakter? — Ihre Geschäfte?" —
Der Hund nimmt für Alle das Wort. DomH. Januar — d. h. Herrn Januar, nicht heiligenJanuar, sondern der Flachsenfingsche Fürst hießso — wurde in den jünger» Jahren die großeTour oder Reise um die schöne Welt gemacht.Er theilte überall an Fremde Geschenke aus, dieihn ein einziges ckon grniuit seiner Unterthanenkostete, und unterstützte und bedauerte viele ge-drückte Bauern in Frankreich, dse es so schlimmhakten wie seine in Flachsenfingen. Für daswehrlose weibliche Geschlecht that er, wie allereisende Fürsten, fast noch mehr: man kann vonder größer» Zahl derselben sagen, daß sie wieTilus oder wie ein östlicher Weltumsegler, zwarzuweilen einen sTag verlieren, aber selten eineNacht, ohne glücklich zu machen und folglichzu — werden. Der Regent muß überhaupt diejetzige Entvölkerung Frankreichs vorausgesehenhaben; denn er setzte sich ihr bei Zeiten entgegenund hinterließ in drei gallischen Seestädten dreiSöhne, und auf den sogenannten sieben Inselnnur Einen. Der erste hieß der Walliser, derzweite der Brasilier, der dritte der Kalabrier, derauf den sieben Inseln der Monsieur oder MoSge:wahrscheinlich sollten die Namen auf Prinzen vonWallis, von Brasilien und Asturien Hinspielen.Er ließ die Kinder blos in der Unwissenheit ihresStandes und in keiner schlimmern erziehen: mansollte sie zu künftigen Mitarbeitern seiner Regie-rung formen. Januar war zwar sinnlich und einwenig schwach, aber — außer wo er fürchtete— äußerst menschenfreundlich.
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Der Lord Horion war dem Fürsten Januarzweimal auf seiner Reise begegnet; das erstemaldurchschnitt er die fürstliche Planetenbahn alsHaarsternkomet, das zweitemal als sonnennaherSchwanzkomet. Ich will sagen: Horion sah ge-rade, als er eine Abkömmlingin aus JanuarsHause liebte, die in London wohnte, den Fürstenzum zweitenmal, und nahm ihn und den Hofstaatdesselben in seinem Hause zu London auf. Ueberdiese sehr weitläufige Verwandte des -Fürstenwerfen meine Nachrichten — aus zu großer Rück-sicht auf Staat - und Familienverhältniffe —einen »»zeitigen Schleier. Sie war bei derVermählung mit dem Lord zwei und zwanzigJahre alt, und ihr ganzes Wesen war (wenn ichden kühnen Ausdruck eines Londner LobrednerSderselben nehmen darf) nichts als ein einzigeszartes stilles blaues Auge. Das ist alles, wasman dem Publikum zuwendet. —
Der Fürst ließ sich gern vom Lord besiegen undbeherrschen, den eine sonderbare Mischung vonKälte und Genie zum uneingeschränkten Monar-chen und Commandeur der Seelen machte. DerLord hatte noch eine schöne Nichte im Hause,deren Reize in den fürstlichen Augen einen sol-chen geistigen Alten vom Berge, wie er, sowohljünger als ebener machten. —
Aber die Todtenglvcke warf ihre Mißtöne indiese Wohllaute des Lebens. Die Geliebte desLords flog aus der rauhen Erde und ließ ihr sei-nen ersten Sohn als Andenken und Herzpfand zu-rück; sie starb im 2Zsten Jahr gleichsam am Le-ben des Kindes, einige Tage nach dessen Geburt,und der zarte dünne Zweig brach unter der reifenFrucht zusammen. Lord Horion schwieg vor demGeschick. Er hatte sie fürchterlich geliebt, ohne eszu zeigen; er betrauerte sie eben so, ohne sein tie-fes schwarzes Auge zu benetzen.
Der Fürst fand an der Nichte, d. h. an einerwahren Engländerin, darum Geschmack, weil ervorher einen eben so großen an den Französinnengefunden hatte; und aus diesem Grunde hätt' erumgekehrt diese geliebt, hätt' er vorher jene ge-kannt. Der nachherige Obristkammerherr Le Bauthatte dieselbe Gesinnung, und was noch mehr ist,gegen dieselbe Person: und wie die indischen Hof-leute alle Wunden ihres Herrn nachahmen, somachte Le Baut mit einem Amors - Pfeil die desseinigen nach, und versetzte sich eine der stärkstendamit.
— Diese Londoner Historien können nicht langemehr dauern, und wir langen dann alle in un-serm St. Lüne fröhlich wieder an. —
Ein hitziges Fieber befiel den Regenten, das seinArzt v>'. Kuhlpepper blos für Kreuz- und Queer-züge einer unstäten Gichtmaterie hielt. Es warmir bisher noch nicht möglich, eS auszumitteln,ob dieser Kuhlpepper mit seinem bekannten Na-menvetter und medizinischen Mitmeister in Londonetwan näher verwandt ist. Das Fieber heizte Ja-nuar» so sehr ein, und der Beichtvater machte beidessen Gewissen statt der Löschanstalten so vieleBrennanstakten, daß er in der Todesnoth einenförmlichen Schwur ableistete, bei keinem Mädchenmehr an Entvölkerung und Revoluzio» zu geden-ken. Dieselbe Schwäche, die seinen Aberglauben