Band 
I.
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Hesperus

und Kinderglauben stärkte, diente seiner Sinn-lichkeit; als er wieder auf war, wußt' er garnicht, was er machen sollte. Die Nichte undseine Eirleiiiung waren in seinen GehirnkammernWantnachbarn. Ei» geschickter Erjesuit aus Jr- ,land, der blos für Gewissenzweifel lebte undselber cousclentiam ckubium hatte, sprang demZweifler bei, und machi' ihm faßlich: "seine Ge-lübde muss' er, zumal vor der Lvssprechung da-"von, gewissenhaft halten, ausgenommen den»sündlichen und unmöglichen Punkt, der darin"sei, den nämlich, den er ohne Einwilligung sei-"iier Gemahlin weder geloben dürfte, noch'-erfüllen könnte.» Mir andern Worten, der Je-> suit verhielt ihm nicht, er habe im Fieber nur! dem unver h ei ratheten Geschlechte abgeschwo-ren und sein Zölibat lediglich auf Nonnen einge-schränkt, mithin verbiet' ihm sein Gelübde zwarnicht den doppelten Ehebruch (den hebe derBeichtstuhl), aber äußerst streng den einfachen.Januar war zu fromm, um sich nicht des einfa-chen gänzlich zu enthalten.

Es ist schwer, die Verbindung zu untersuchen,in welcher seine jetzv größere Liebe gegen seinevier Groß- oder Kleinfürste» in Gallien mit sei-nem erfüllten Gelübde stand; kurz, er gab demLord das Geschäft und die Vollmacht, die vierMenschen aus Gallien abzuholen nach London,weil er seine geliebte anonyme kleine Nachweltmit nach Deutschland nehmen wollte. Es war un-gewiß, liebt' er in den Müttern die Kinder soherzlich oder in den Kindern die Mütter. DerLord ging gern wie Kvtzebue (aber anders), nachdem Untergänge des Geliebten nach Frankreich.Endlich kam, nicht von ihm, sondern von denHofmeistern des Wallisers, des Brasiliers, desKalabriers, die trübe Nachricht, daß in einerNacht, wahrscheinlich nach einem gemeinschaftli-chen Plane verbundner Prinzenräuber, die dreiKinder entführt worden — nicht lange daraufwurde vom Lord diese Trauerpost nicht nur bestä-tigt, sondern auch mit der neuen vergrößert, daßder Monsieur oder Mvsge auf den sieben Inselnnicht mehr — auf ihnen sei.

Das Schicksal gibt dem Menschen oft denWundbalsam früher, als die Wunde.Januar erhielt den fünften Sohn, den ich allezeitblos den Infanten nennen will, noch eherals die Nachricht seines eingebüßten Kindersegens.Der Obrist-Kammerherr von Le Baut hatte sichmit der Mutter des Jnfanten (der Nichte desLords) vermählt; aber er datierte seine Vermäh-lung um drei Quatember zurück, anstatt sie um ei-nen später anzusagen. Ich habe nie den Zusam-menhang dieses Anachronismus (Zeitverrechnung)mit dem fürstlichen Gelübde einzusehen vermocht.Uebrigens so gefährlich Jenner den Eheherrenseine Hofes Lurch sein Votum wurde, und so un-schädlich denVütern: so war doch das tugend-hafte Vertrauen, daß die Eheherren auf die ihnenankopulierte weibliche Tugend setzten, so unbe-gränzt, daß sie ohne Anstand diese Tugend in seinentbundnes Feuer führten. Ja sie setzten sich sogarüber den Verdacht hinweg , daß sie es etwan thä-ten, damit sie, wenn er seine Krone auf denPutztisch ihrer Gemahlinnen ablegte, mit der

blanken Mauer-Krone (coi-vna murali») wiemit einem Jvujou spielen und mit ihrem GlänzeLeuten in die Fenster blenden könnten: dennlieber will ein Hofmann seine Gemahlin bewäh-ren als bewahren.

— Es wird gleich angehen, rufen Puppenspie-ler; es wird gleich auswerden, ruf ich.—

Als endlich der Lord mit leeren Händen ankam,war er sehr betroffen — nicht von der Gegenwartdes Jnfanten, sondern — von der Adopzion des-selben , nämlich von der Vermählung Le Bauts.Aber dieser Obrist-Kammerherr war — und dasbedachte niemand weniger als Horion — ein feuri-ger Freund des Fürsten: das machte ihn fähig,für diesen (wie Cicero verlangt) sogar Las zu be-gehen, was er nie für sich begangen hätte — etwaswider die Ehre. Es ist überhaupt für einenHof- und Weltmann, dessen Ehre der hohe Po-sten oft der schlimmsten Witterung bloßstellt, einungemeines Glück, daß diese Ehre, sei sie auchnoch so empfindlich bei kleinen Stößen*, dochgroße leicht verwindet, und wenn nicht mit Wor-ten , doch mit Thaten ohne Nachtheil anzutastenist : etwas ähnliches bemerken die Aerzte an Ra-senden , oder vielmehr an Leren Haut, die zwardie leiseste Betastung verspürt, auf welcher aberdennoch keine Blasenpflaster ziehen. — Der Fürstwurde durch einen dreifachen Bast an Le Baut ge-knüpft, durch Dankbarkeit, durch Sohn undFrau: der Lord zausete den Bast auseinander.Er entblößete nämlich vor seiner Nichte das kam-merherrliche Herz, und deckte ihr den Giftsack darinauf und einen dramatisch durchführten Plan,den sie bisher für Nachsicht angesehen hatte.Alles Edle und Stolze entbrannte in ihr vorScham und Zorn; und sie floh vor den erdrü-ckenden Erinnerungen mit ihrem Kinde und mitder Aussicht eines zweiten aus der Stadt auf einLandgut des Lords.

Nun ging der Fürst mit dem Lord und seinemHofstaat (sogar mit dem vi. Kuhlpepper) nachDeutschland zurück. Le Baut verweilte noch einigeZeit, um die Nichte zu beruhigen und zu beredenzur Reise. Aber es war ihr nicht nur unmöglich,alle ihre senkrecht laufenden Wurzeln aus demLande der Freiheit zu ziehen und nach Deutschlandmitzugehen, sie trennte sich auch—nicht blos durchMeere, sondern durch einen Scheidebrief vomschmutzigen Günstling ab. Sie mußte dem Kam-merherrn ihr zweites Kind, seine wahre Tochterfassen; aber das erste, den Jnfanten, befestigte siean ihrer Mutterbrust. Le Baut litt es auch gern,und dachte, nach der Baurede gehört das Bau-gerüst ohnehin in den Ofen des Hauses.

Aber als er unter dem deutschen Thronhimmelerschien, stand seine Sonne (Januar) in derSommer-Sonnenwende, die von abnehmderWarme allmälich zu kalten Stürmen überging.Januars Liebe konnte leichtersteigen und fallen alsstehen, und das größte Verbrechen war bei ihm— Abwesenheit. Le Baut mußte jetzt ohne Frauund Kind schon darum gegen den Lord verlieren,weil dieser als Schatzmeister und Küstenbewahrer

'Ihre Ehre leidet z. B. dabei, wenn ihr Wagen einemandern Wagen von Stande nicht vorfahrt.