Band 
I.
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Hesperus

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zweier in London gelassener Schätze unter Jen-ners Thronhimmel auftrat. Aber es gab tiefereGründe. Der Lord regierte den Regenten leicht,weil er ihn weder an eignen noch fremden Lasternzügelte, sondern an eignen Tugenden. Erstlichbegehrte er nichts vom ihm, nicht einmal Diät undKeuschheit. Zweitens hob er keine Bettern in denSattel, sondern schlimme daraus; er trug ihnwie einen Habicht auf der beschuhten Faust, aberder Falkenierer thats nicht, um den Fürsten ausTauben und Hasen zu werfe», sondern um ihnimmer wach und zahm zugleich zu machen.Drittens machten seine Festigkeit und seine Fein-heit einander wechselseitig gut; über Veränder-liche regieret am besten der Unveränderliche.Viertens war er nicht der Günstling, sondern derGesellschafter, blieb immer ein Britte und einLord und des Landes wohlthätiger Bienenva-1er, indeß Januar der Weisel und im Wei-selgefängniß war. Fünftens gehör! e er unterdie wenigen Menschen, denen man gleich seinmuß, um ihnen ungehorsam zu sein; und ei-ner, der das Taschenspielerknnsisiück machen wollte,ihm ein Schloß unversehens an den Mund zuwerfen, halte leicht eines an Bein- und Hand-schellen der Seele. Sechsteus halt' er einen gutenKäse. Das letzte braucbt nicht weitläufig erklärtzu werden; in Ehester hatt' er einen Pachter, dereinen Käse lieferte, dergleichen es weiter keinenin Europa gibt; Fürsten aber ist im Ganzen ei»außerordentlicher Käse lieber, als eine außeror-dentliche Dankadresse des Landschastsyndikns.—

Bei einem Zusammentreffen solcher llnsternewurde freilich dem Kammerherrn der Absagebrief,der anfangs mit sympathetischer Dinte auf JennersGesicht geschrieben war, allmälich immer leserlicher— doch las er ihn wöchentlich etliche male durch,um recht zu lesen — er konnte jetzo keinemSchvoßhundo eine Stelle mehr verschaffen, näm-lich einen Schvoß — seine Empfehlschreiben wur-den Uriasbriefe — als er nun gar durch den Lorddie Charge eines Obrist-Kammerherrn erstand, hielters für hohe Zeit, gegen leine Kniegicht das Badauf seinem Rittergut St. Linie Jahr aus Jahr einzu brauchen, und zog ab, nachdem er vorher demganzen Hof geloben müssen, bald genesen zurück zukommen. —

— Eigentlich wäre jetzt diese Bor-Geschichteversprochnermaßen aus, so daß ich gut in derneuern dieses Werkes weiter gehen könnte, müßt'ich nicht des Hofkaplans wegen durchaus nochdieses nachholen :

Die einzige Stelle, die Le Baut gleichwohl amHofe noch besetzen konnte, war die Pfarrei inSt. Limo. Er fand als ihr Patronathcrr damitden Ratten-Kontradiktor Eymann ab, der ihmin London die mündliche Vvkazion zur Hoska-planei abgebettelt hatte, und der sie nicht mehrkriegen konnte. Daher nennen ihn die H u n d-posttage immer den Hofkaplan, wiewohl er inder That ein Landpastor ist.

Aus dem kleinen Umstände, daß Eymann alsReiseprediger mit in Jenners Gefolge ging, ent-spann sich viel. Eymann machte auf dem Landgutdes LordS seiner jetzigen Frau mit dem Hals- undBrustgohenke seiner von der Schwindsucht durch-

grabenen Herzkugel ein kleines Präsent, das an-genommen wurde. Beide zeugten noch in Eng-land ihren Flamin. Die Lady liebte in derHvfkaplänin eine würdige Mitschwester ihres Ge-schlechts und eine würdige Mitbürgerin ihresVaterlands, sie drang in sie mit heißen Bitten,in England zu bleiben, und als alle abgeschlagenwaren, erbat und erzwäng sie es von ihr, daßwenigstens ihr Flamin — um doch ein halberBritte zu werden — so lange in der Gesellschaftdes Jnfanten und Viktors bleiben durste, bis dasfreundliche Kleeblatt auf einmal in die deutscheErde verpflanzet würde.

Die Pfarrerin war stark genug, für die schönereErziehung ihres Flamins den Genuß seines An-blicks hinzugeben, und ließ ihn unter den Augender Liebe und in den kleinen Armen der kindlichenFreundschaft zurück. Dieselbe erziehende Hand —Dahore hieß der Lehrer — richtete und bcgoßdie drei edlen Blumen, die aus einerlei Beeteund Aether dreierlei Farben sogen, und sich mitunähnlichen Staubfäden und Honiggefäßen aus-bildeten. Dahore halte das Herz aller Kinder inseiner weichen Hand, blos weil seines niemalsbrausete und zürnte, und weil auf seiner jungenGestalt eine ideale Schönheit und in seiner reinenBrust eine ideale Liebe wohnte. Die drei Kinderliebten und umarmten sich unter seinen Augenwärmer, wie vor der Venus Urania die Grazieneinander umschlingen : sie trugen sogar alle Ei-nen Namen, wie die Otaheiter aus Liebe ihreNamen tauschen.

Als sie einige Reife hatten, kam der Lord, umsie sammt Dahore nach Deutschland einzuschiffen.Aber vor der Abfahrt bekam der Jufant die Blat-tern und wurde blind — und Dahore mußte mitihm zur ängstlichen weinenden Lady umkehren.Viktor hatte sich lange und sprachlos an den Halsdes kranken Freundes gehangen und um Dahvre'sKnie geschlungen, und wollte von den zwei Ge-liebten nicht scheiden; aber der Lord schied sie. —Flamin und Viktor wurden dann in Flachscnfingenerzogen, jener zum Juristen, dieser zum Arzte.— Es sind in der Kürbisflaschs Spitzius Hof-manns einige Unwahrscheinlichkeiten; aber derHund muß für das stehen, was er liefert. Jetzogeht die Historie wieder gerade aus.

Der Lord entfernte sich, unter dem Kanonen-lösen der löcherigen Garnison, mit Viktor in einanderes Zimmer, und sein erstes Wort war:„binde mich ein wenig auf und lasse deine Hall-en meiner, damit ich deine Aufmerksamkeit be-merken kann; kenn ich habe dir viel zusagen."Guter Mann! wir merken es alle, daß du zärt-licher bist als du scheinen willst, und wir lobenes alle; nicht Kälte, sondern Abkühlung istdie größere Weisheit; und unser innerer Menschsoll, wie ein heißer Metallgnß in seiner Form,nur langsam erkalten, damit er sich zu einerglättern Gestalt abrunde : eben darum hat ihn dieNatur — wie man für Bildmetail die Fern-erm ärmt — in einen heißen Körper ge-gossen.

Er fuhr fort: „ich habe, mein Theurer, in mei-„ner Blindheit nur leere Briefe an dich diktieren,können; ich wollte erst für deine Ankunft meine

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