Band 
I.
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Hesperus.

„Geheimnisse aufsparen. Eine kleine Pulverver-schwörung beobachtet mich." Viktor unterbrachihn mit der Frage, wie er so plötzlich blind ge-worden. Der Lord antwortete ungern: „das„ eine Auge war es wahrscheinlich .schon vor dei-ner Abreise nach Göttingen, aber ich wußt' es„nicht."

„Aber das andere?" sagte Viktor. Ueber dasAngesicht des Lords strich der kalte Schatten einesbegrabnen Schmerzes: er sah den Sohn langean, und antwortete wie zerstreut und eilig: „auch!

ich sehe dich an, du kommst mir viel länger„und größer vor." — „Das ist vielleicht (versetzt'„er, denn er errieth ihn) „Augen - Täuschung der„empfindlichern Netzhaut *. — Sie sprachen„von der Pulververschwörung"—„Diese hat ersah-„ren" (sprach der Loro weiter) „Laß der Sohn„des Fürsten nicht in London sei; sie vermuthet„sogar, daß die Blattern absichtlich damals inoku-liert wurden — und der Fürst spricht täglich von„dem Augenblick, wo ich ihm seinen Sohn wie-derbringe: er weiß vielleicht jene Vermuthun-gen. Ich mußte meine Abreise nach London auf„meine Heilung verschieben. Jetzo reist ich in„kurzem ab nach England, wo der Sohn nicht ist,,und hole seine Mutter; ihn bringe ich anders„woher und mit eben so guten Augen, als du mirgegeben hast."

Dann, fuhr Viktor heraus, wird der besteMann nicht gestürzt, wohl aber seine Feinde.„Nein, ich bin vorher gestürzt, um mich wie! „du auszudrücken. — Aber du hast mich unter-^ „brechen. Ich habe nie den Muth gehabt, an-dere Leute zu unterbreche» als Thoren. Denn„meine Abwesenheit will man eben."

Ich, als bestallter Historiograph, frage nichtsnach allem, und unterbreche, wen ich will. Einer,den man unterbricht, kann zwar spaßen, abernicht mehr beweisen. Der auf den Plato gepelzte Se-kretes, der keinen Sophisten ausreden ließ, wareben darum selber einer. In England, wo mannoch Systeme unter den Weingläsern duldet,kann sich ein Mann so sehr ausbreiten wie einRoyalbogen; in Frankreich, wo sich d>e Brille derWeisheit in glänzende Spitzen zersplittert, mußeiner so kurz sein wie ein Besüchblatt. Hundertmalschweigt der Weise vor Gecken, weil er drei undzwanzig Bogen braucht, um seine Meinung zusagen — Gecken brauchen nur Zeilen, ihre Mei-nungen sind herausfahrende Inseln, und hängenmit nichts zusammen als mit der Eitelkeit....Noch merk' ich an, daß zwischen dem Lord undseinem Sohne eine höfliche seine Behutsamkeitobwaltete, die in einem so nahen Verhältnisse nuraus ihrem Stande, aus ihrer Denkart und ihrerhäufigen Abtrennung zu beurtheilen ist. —

„Aber meine Gegenwart ist vielleicht noch

schlimmer. „Die Prinzessin"-

(Die Braut des Fürsten, da seine Gemahlinbald und kinderlos starb, wie Spitz sagt)

„Die Prinzessin bringt einen Strom von Zer-„strsunngen mit, worin er keine Stimme als„die, die zum Vergnügen lockt, mehr hören wird.

* Nach dem Staarstechci, bildet die empfindlichere Netz-haut alles größer vor.

„Ein unterbrochner Einfluß ist ein Verlorner.„Auch bin ich bis zu einem gewissen Punkte dieses„Spieles so müde, daß ich den neuen Verbindun-gen, in die mich Liese neue Erscheinung zöge,„gern entfliehe. Sollte sie ihn nicht liehen, wie„man sagt, so könnte sie ihn um so leichter beherr-schen; und dann wäre meine Abwesenheit wieder„nicht gut. — Mich bei Seite! aber was nimmst„du vor, so lang' ich weg bin?"

Nach einer Viertelpause antwortete er selber:„Du wirst sein Leibarzt, Viktor!" Viktors Handzuckte in der väterlichen. „Du bist ihm schon„versprochen und er sehnet sich »ach dir, blos weil„ich dich oft genannt habe. Er kann eS nicht er-warten zu erfahren, wie jemand aussteht, dessen„Vater er so gut kennt. Als Leibarzt kannst du„ihn mit deiner Kunst und mit deiner Laune so„lange fremden Fesseln entziehen, bis ich wieder„komme; dann leg' ich ihm noch sanftere an, und„gehe auf immer zurück. Meine Verbindung„hatte bisher blos die Absicht, fremde abzuwen-den, besonders eine gewiß?" — (Mit vollerBrust und andrer Stimme) „Mein Geliebter!„es ist auf der Erde schwer, Tugend, Freiheit„und Glück zu erwerben, aber es ist noch schwerer,„sie auszubreiten; der Weise bekömmt alles von„sich, der Thor alles von andern. Der Freie muß„den Sklaven erlösen, der Weise für den Thoren„denken, der Glückliche für den Unglücklichen ar-beiten."

Er stand auf und setzte Viktors Za voraus.Dieser mußte ihm also unter dem Gehen seinenNednerfluß zutröpfeln. Er fing mit gehäuftemAthem an: „Ich verabscheue aufs heftigste denSamielwind der Hofluft."...

Bei mir hats der Lord zu verantworten, daßder Sohn hier die eonzuireUv voueesstvr»„zwar" austäflet: wer sich die Erwartung desGehorsams merken lässet, erhält ihn wenigstensunter einer stolzem Einfassung —

„die über lauter liegende Menschen streicht, und„den zu Pulver macht, der aufrecht bleibt — Ich„wollt', ich wär' in einem Vorzimmer an einem„Courtage, ich wollte zu allen in Gedanken sagen:„wie Hass' ich euch und euer» tollen Sauerhonig„von Lust - und Plag - Partieen die ver-dammten Wart- und Ruderbänke eurer Spiel-tische— die vollen Schlachtschüsseln Hinge-richteter Provinzen, ich meine eure Spiel - und„Speiseteller — Aber ich weiß schon, ich drücke„mich nie mit Stärke aus über die knechtischen„lauernden Hvfaustern, die nichts zu bewegen und„auszuschließen wissen — das Herz ohnehin nichtals ihr Gehäuse, um etwas hineinzuneh-men"...

Ich habe dich noch nicht unterbrochen; sagteder Lord, und stand ein wenig still.

„Inzwischen," fuhr der Sohn fort, „wate ich„mit größter Lust zur Austerbank hinab .. O„mein theurer Vater, wie könnt' ich nicht gehen?„Warum ließ ich nicht biShe- Ihr krankes Auge„aufgebunden, damit Sie auf meinem Gesichte„keine einzige Einwendung gegen Ihre Wünsche„erblickten? — Ach, um jeden Thron stehen tau-send nasse Augen, die von verstümmelten Men-schen ohne Hände hinaufgerichtet werden: droben