Band 
I.
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Hesperus

visch abgebildet sah, und daß er in denselben Ge-genständen Alter und Neuheit genoß? Diese Kna-bsnjahre, die ihm aus einem Schatten erschienen,wohnend auf St. Lüneus Fluren > zwischen frohenSonntagen in lauter Blumen uns bei geliebtenGesichter», Liese Knabenjahre hatten einendunkeln Spiegel in Händen, in dem die däm-mernde Perspektive seiner Kinderjahre zurück-lief-und in dieser entfernten Zanber-Nacht standschimmernd Dahore, sein unvergeßlicher Leh-rer in London, der ihn so geliebt, so geschont, soveredelt hatte. --Ach, dacht' er, du unbelohntes,--für die Erde zu warmes Herz, wo schlägst du--jetzt, warum kann ich nicht meine Seufzer mit--deinen vereinigen, und zu dir sagen: Lehrer,--Geliebter? O! der Mensch sieht es oft spät ein,--wie sehr er geliebt wurde, wie vergeßlich uns--undankbar er war, und wie groß das verkannteHerz.--.. Was seine stille Freude am meisten er-nährte, war der Gedanke, daß er sie verdienedurch seinen kindlichen Gehorsam gegen seinenVater, und durch seinen Entschluß zu künftigenHerkules-Arbeiten am Hofe — denn ihm fiel injede große Freude der Zweifel wie ein bittererMageutropfen hinein, ob er sie verdiene; einZweifel, der regierenden Häusern, Wviwodeu,Patriarchen und Hochmeistern in der Kindheitgeschickt benommen wird. Der bessere Mensch fin-det die Freude erst nach einer guten That am sü-ßesten, das Osterfest nach einer Passionwoche.

Die Leserinnen werte» jetzo hören wollen, wasauf Mittag gekocht war: aber die Dokumente die-ses PosttagS, die mir halb auf der Achse, halbzu Wasser einlaufen, besagen erstlich, daß nie-mand Appetit hatte — dieFreude nimmt ihn mehrals der Gram — ausgenommen die drei Regimen-ter, die wie Veteranen in den Feind einhieven,nämlich in den Tafel-Abhub; zweitens, daß dasBkghl noch magerer war, als der Gast selber. Manwill aber sämmtliche Lesegesellschaften hiemit aufLas unbewegliche Fest des Uten Maies einladen,auf den Freitag, wo erst Viktors Ankunft undseines PathchenS Kirchgang anständig gefeiertwird.

Die Pfarrerin zog den umzingelten GeliebtenNachmittags aus dem musikalischen Zirkel so vielerTone, uns kaperte ihn ihrem Manne, dessenDirektrice und Lady Maire sie war, vor den Au-gen weg, und führte ihn in sein Zimmer, umda vor ihn: allein sich zu betrüben, sich zu erfreuenund sich auszureden wie eine Mutter; lang ein-geschlossene Seufzer und veraltete Thränen dran-gen jetzt aus dem geöffneten Mutterherzen in dasfremde weiche über, das ja der beste Freundihres Sohnes war. Sie klagte bei ihm über Fla-mins Aufbrausen, Las Viktor sonst immer ge-stillet; --über seine Liebe zum Svldatenwesen, da-,er doch ein Gelehrter sei-, — und endlich überseine Gesellschaft. ,-Er treibe sich nämlich mit ei---nem Hofjunker Matthieu —Sohn des Mini---sters von Schleunes — herum, einem wüsten,--überall beliebten, überall verschlimmerten, xsiffi---gen, kühnen, spöttischen Menschen, der, wenn--es sein Dienst erlaube, entweder drüben bei den--Kammerherrlichen oder hier bei ihrem Sohne--liege; der Himmel wisse überhaupt, was er im

--Schilds führe bei seinen Besuchen in einem--Hause.-- Sie freuets sich, daß Viktor seinenalten Freund von den Fangeisen und Fangzähnendieses Wüstlings wegführen würde. Viktor drückteihr gerührt die Hand und sagte; --ich möchte sein--Herz kaum mit dein besten Bundgenossen theilen-- — nicht einmal verlieben kürst' er sich, wenns„auf mich ankäme — blos mich und eine Person--müßt' er lieben, die ihn gar nicht richtig schil-

--Lert-nämlich Sie.-- Er sehte noch viel

Mißtrauen in die Zeichnung von den Svnnensse-cken Matthieus, weil die Weiber selten exzentri-sche Menschen fassen, und weil zwar Mädchen oftwilde Männer lieben, aber die (durch die Eheaufgeklärten) Frauen allemal sanfte.

Er brachte das Herz verehelichte»- Weiber leicht-lich in sein Zriggar» durch eine gewisse wohlwol-lende Galanterie gegen sie, die ein Deutscher nurfür ledige aufhebt. Alte Damen und alte Taback-pfeifen aber bekleben leicht an männlichen Lippen.Die jüngern Tauben lockte er durch sein komi-sches Salz an sich, wie man Turteltauben durchanderes fängt; ein Bonmot ist ihnen ein ckielumpl-odans, ein Pasquill» ein muKister- seirtsii-tiurun,, und die kritische Lastergeschichte ist ihnenKants Kritik der reinen Vernunft, die verbesserteAussage Auch mit seinen» medizinischen Doktor-ring häkelte er «weibliche Seelen an sich an; alsArzt macht' er auf körperliche Mysterien An-spruch, und diesen gehen dann leicht die geistigennach.

Abends, als das Waldwasser des ersten Jubelsverlaufen war, waren endlich drei gescheite Wortemöglich; auch keifte der Pfarrer jetzt weniger: dem»die Freude hatte ihn Vormittags bissig gemacht.Der Zorn und Körper werden mit einander ge-stärkt , daher durch die Freude — daher hat manin» Januar und Februar, wo die Hunde die län-gere Wuth bekommen, die kurze des Zorns —daher brummen Wiedergcnesende stärker »im sich,so wie Leute unter starken GeisieSanspannun-gen, z. B. Hundposttagschreiber — daher ist manin den Ermattungen nach Migraine oder nach demRausche sanfter als ein Lamm.

Gegen Abend trug sich schon etwas von Bedeu-tung zu. Apollonia fegte ihre Blutverwandtschaftund ihren Gast mit Kehrwischen noch früher hin-aus, als Spinnen und Staub. — Es sollte amUten Mai die heutige Ankunft des bisherigenFlüchtlings recht anständig gefeiert werden —Fla-min und Viktor gingen voraus durch den Pfarr-garten, dessen Merkwürdigkeiten und ourioss soerheblich sind, daß der Korreferent dieser Aktensich wünscht, er könnte mir den Garten durch dieHuntstafette klarer schildern. Der Kaplan hatteviele Beete nicht z» Langvierecken abgestumpft,,sondern sie zu lateinischen Buchstaben in Doppel-fraktur, als Nnfangbuchstaben seiner Familie, ge-schweift und umgebogen. Sein eignes L hatt' ermit Rsttig ausgesäet, Apolloniens L mit Kapu-zinersallat, Flamins i? mit Kohlrabi, Sebastians8 mit Süßholz oder ttlxepi'i'lN/.u vul^aris. Wernicht zugegen war, dem blieb allezeit noch einPlatz und slrnnnael, roxui auf Kürbissen undStettineräpfeln leer, die ein durchbrochenes Pa-pier mit dem ausgeschnittenen Namen umflocht,