Hesperus
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„aber ich werde Loch fortpaffen auf die Ouin-„terne ... Was käme dabei heraus, daß man ein„Mensch wäre, wenn man kein Narr wäre? —„Zog' ich »un die gedachte Quinterne, welches ich„nun wohl ohne übermäßige Hoffnung vorausse-hen darf, so würd' ich nicht gleichgültig dabei„sein, sondern selig — O du lieber Himmel; ste-hendes Fußes müßt' ich frisiert und silhouettiert„werden — ich machte Verse und Pas, und beide„mit ihren herkömmlichen peckivus (Füßen) —„ich bückte mich öfter als ein andächtiger Mönch,„um Verbeugungen und (wo abzugrasen wäre)„um Sträußer zu machen — Leib, Seele und„Geist setzte ich an mir aus so vielen Fingerspi-„tzen und Fühlfäden zusammen, daß ich es schon„spürte (die Quinterne spürte es gar noch eher)„wenn unsre zwei Schalten zusammenstießen —„ein schmales betastetes Endchen Band wäre eine„gute Ableitkette des elektrischen Aethers, der in„Blitzen aus mir schösse, da sie negativ geladen„wäre und ich positiv — vollends gar ihr Haar„berühren, Las könnte keine geringere Entzün-dung geben, als wenn eine Welt in das anfge-„bundne eines Bartkometen geriethe.
„Und doch, was ist denn das alles, wenn ich„Verstand habe, und bedenke, was sie verdient,„diese Gute, diese Treue, diese Unverdiente —„Was wären nicht vollends dumme Verse, Seuf-„zer, Schuhe (die Stiefel thät' ich weg), ein oder„ein Paar drückende Hände, ein aufopferndes„Herz für ein kleines Grazial und ckvn gratuit,„wenn damit ein Geschöpf abgefunden werden„sollte, das wie ich immer mehr sehe, vom schön-ten Engel, der den Menschen durch das Leben„führt, alles besitzt, etwa die Unsichtbarkeit ausge-nommen — das alle Tugenden hat und alle in„Schönheiten verkleidet — das schimmert und„erquickt wie dieser Frühlingabend, und doch,„wie er, seine Blumen und Sterne verbirgt, aus-„genvmmen den der Liebe — in dessen allmächtige„und doch leise Harmonika des Herzens ich so„gern hören, in dessen Augen ich so außervrdent-„lich gern die Tropfen der weichern Seele und„den Blick der Hähern sehen möchte, neben dem„ich so gern stehen bleiben möchte unter der gan-zen fliehenden »per» üutlü und «eolu des Le-hens, so gern, sag' ich, damit der arme Sebastian„koch, wenn am heiligen Abend des Lebens sein„Schatten immer länger würde, und die Gegend„um ihn selber zu einem weiten Schatten zer-„flösse, und er selber, damit ich doch beide Schat-„tenhände — (die eine hielt gerade Flamin)„beschauen und ausrufen könnte: — — (sto-ckend)
„der alte Balgtreter kommt auch mit was in„einer!"
Da er weder seine Rührung mehr hinterScherz, noch die Merkmale derselben in seinenAugen hinter einige tief hängende Lindenblätterverdecken konnte: so wars in der Sekunde, woseine Stimme unter ihr erliegen wollte, ein rech-tes Glück, daß er über die Warte hinausschaueteund den Kutscher wieder heranschreiten sah.Dieser rief unten: „von Seebaßen hätt' ers ge-kriegt , aber den „Augenblick erst." Agathe liefleidenschaftlich hinab, und unten, nach Lesung
eines Blättchens, über die — Wiese» hinüberDer Balgtreter flieg, gleich einem Barometer vordauerhaftem Wetter, iangsam hinauf, und brachtesich und den zurückgelangten Zettel trotz alles obernWinkens, Mit seinen Hebelarmen keine Minute frü-her auf den Thurm. Zm Zettel stand mit Klotil-dens Hand: „komm' in deine Laube, Geliebte!"
Alle Augen liefen fetzt der Läuferin nach, undflatterten mit ihr Lurch das Helldunkel desAbends in den Pfarrgarten, um dessen Laubeman doch niemand sah. Kaum hatte Agathe dieOeffnung der letzten ins Auge bekommen, als ihrEilen Fliegen wurde — und als sie beinah« anihr war, flog eine weiße Gestalt mit ausgebreite-ten Armen heraus und in ihre hinein, aber dieLaube verhüllte das Ende der Umarmung, undlange standen alle wartende Augen vergeblich aufder Klause der Liebe.
Die Kaplanin, die sonst allen Mädchen nurStandeserniedrigungen, nicht Standeserhöhungengewährte, ertheilte fetz» Klotilden alle sieben Wei-hen, und lobte sie so sehr — vielleicht auch da sieihre Landsmännin von mütterlicher Seite war,— daß Viktor die Lobrednerin und die Gelobtehätte zugleich umarmen mögen. — Der Kaplansetzte zu ihrein Lobe noch dazu, er habe ihren Na-menanfang K mit Tulpen gleichsam wie einenTitel roth gedruckt, und der Buchstabe auf demBeete glänze, wenn er blühe, weit und breit.
Der Ehe - und Säemann fiel jetzt immer mehrin den Sphärengcsang der Nacht mit demSchnarrwerk seines HustenS ein; endlich machteer sich mit der enthusiastischen Freundin Viktorsfort, und ließ die beiden Freunde allein in derschönen Nacht mit den zwei vollen Herzen zurück,die in einander sich zu ergießen lechzten.
Flamin hatte diesen ganzen Tag eine schwei-gende rührende Sanftmuth gezeigt, die selten insein Inneres kam, und die zu sagen schien: ichhabe etwas auf dem Kerzen. Als die Warteöder war, so verheimlichte Viktor, der von lieben-den Träumen voll und weich geworden, seine inThränen stehenden Augen nicht mehr, er schlugsie frei auf, vor dem ältesten Liebling seiner Tage,und zeigte ihm jenes offne Auge, welches sagt:blicke immer durch bis zum Herzen hinunter, esist nichts darin als lauter Liebe... Stummgingen die Wirbel der Liebe um beide und zogensie näher — sie öffneten die Arme für einanderund sanken ohne Laut zusammen, und zwischenden verbrüderten Seelen lagen blos zwei ster-bende Körper — hoch vom Strome der Liebe undWonne überdeckt, drückten sich auf eine Minutedie trunknen Augen zu; und als sie wieder auf-gingen, stand die Nacht erhaben mit ihren inewige Tiefen versunknen Sonnen vor ihnen, dieMilchstraße ging als der Ring der Ewigkeit umdie Ünermeßlichkeit, die scharfe Sichel des Erden-monds rückte schneidend in die kurzen Tage undFreuden der Menschen. —
Aber in dem, was unter den Sonnen stand,was der Ring umzog, was die Sichel angriff, waretwas höher, fester und Heller, als diese — es wardie unvergängliche Freundschaft in den vergängli-chen Hüllen.
Flamin, anstatt durch diesen erschöpfenden Aus-