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gute» Vater lange Tage und noch drei beglückteKinder." —
Der Vater konnte nichts sage», und streckte dieHand nach der Mutter entgegen, um die Gruppedes liebenden Edens zu runden. Viktors sym-pathetisches Blut häufte sich in sein Herz, um eSin Liebe aufzulösen, und er dachte das stille Ge-bot : „reiße nie diese verschlungnen Arme, duAllgütiger, durch ein Unglück auseinander!" —Aber Flamin zog sich bald aus der Verkettung, undsagte zu Viktor mit dem dankbarsten Händedruck :„du weißt nicht, wie Unrecht ich dir immer thue."Der Kaplan dachte, er werde allen seine Rührungverstecken, wenn er sage: „ich wollt', ich hätt euch„nicht betrogen. — Ich habe zur Ader gelassen,„eS ist aber dumm — hätt' ichs nur gewußt! —„hätt' ichs nur nicht! — Wahrlich, da sehts selber!"— Und als diese Maske nicht hinreichte, seineganze gerührte Seele zu bedecken, rief er der ar-men vergessenen Apollvnia, die an der Hausthürden erwachten Basiian schwenkte, überlaut zu,herzukommen. Allein diese Arme, deren blos ent-fernte freudige Theilnahme an der allgemeinenAnnäherung unsern Viktor im Innersten rührte,zögerte scheu, bis die Mutter kam und sie schadloshielt durch alles, was den Müttern nie vergoltenwird. Aber erst als die Pfarrerin ihr Kind inihren Armen und an ihren Lippen hatte, fühltesie, daß die gefangnen Flammen ihrer Gefühleihre Oeffnung fanden, und ihr Herz seine Er-leichterung. —
O! daß der Mensch gerade zu der Zeit dieschönste Liebe empfängt, wo er sie noch nicht ver-steht. — O, daß er erst spät im Lebensjahre, wenn erseufzend einer fremden Eltern- und Kinderliebezusieht, hoffend zu sich sagt: „ach meine habenmich gewiß auch so geliebt" — ach Laß alsdannder Busen, zu dem tu mit Danke für ein halbesLeben, für tausend verkannte Sorgen, für eineunaussprechliche nie wiederkehrende Liebe eilenwillst, schon zerdrückt liegt unter einem altenGrabe und das warme Herz verloren hat, das dichso lange geliebt!.. .
In der häuslichen Glückseligkeit sind die wind-stillen, zwischen vier engen Wänden vorgetriebnenbequemen Freuden nur der zufälligste Bestandtheil:ihr Nerven- und Lebensgeist sind die loderndenFeuerquellen der Liebe, die aus den verwandtenHerzen in einander springen. —
Die unwillkürliche Üeberraschung hatte diewillkürlichen vereitelt. Aber die Freudenfluthatte alle Personen zusammengeströmt; und sieblieben »och in der vertraulichen Nähe, als jenewieder verlaufen war. Man setzte sich zum Gast-mahl im Gartenhaus. Selten sind Schmäuse sowie dieser durch zwei außerordentliche Vorzügegewürzt, durch Mangel an Essen und Mangel anPlatz. Nichts reizt den Appetit so sehr, als dieBesorgniß, er finde nicht satt. Es war von Se-bastian ausgesonnen, daß für jeden Gast nur dasLeibgericht besorgt wurde — für den Pfarrer far-zierte Krebse und Erdäpfelkäse — für FlaminSchinken — für den Helden das Gemüse vom gu-ten Heinrich. — Jeder wollte jetzo daS Leibgerichtdes andern, und jeder subhastierte seines. Sogardie Damen, die sonst wie die Fische essen und nicht
rus.
essen, bissen an. Der zweite berauschende Be-standtheil , den sie in ihren Freudenbecher gewor-fen hatten, war der Tisch sammt Gartenstube,wovon jener die Kost, diese die Kostgänger nichtfaßte. Sebastian ha te sich sammt Agathen an einFilialtischchen, das man außen ans Fenster desSpeisesaales gestoßen, begeben, blos um draußenmehr hineinzulärmen und zu klagen, als zu essen.Dieser Muthwille war im Grunde die verdeckteBescheidenheit, welche befürchtete, drinnen aufKosten der andern Gäste, des Lords wegen, ge-feiert zn werden. Sein eignes Alleinsein — viel-leicht in einem schmerzlichen Sinn — malte ihmdie blöde Appel vor, die als Heerd-Vestalin erst vonzurückgehenden Speisen den Rückzvll aß, blos umzu versuchen, wie eS andern geschmeckt. Erkonnte den Gedanken dieser Abtrennung nichtlänger erdulden, sondern nahm Wein und dasBeste vom Nachtisch, und trug es ihr in ihr Kü-chen-Winterquartier hinein. Da er dabei aufseinem Gesicht, statt seiner Munterkeit gegenMädchen, von der sie eins zu demüthige Aus-legung hätte machen könne» , den größten höflichenErnst ausspannte: so war er so glücklich, einervon der Natur selber zusammengedrückten Seele— die hier in keinem andern Blumentopf ihreWurzeln herumtreibt, als in einem Kochtopf, undderen Konzertsaal in der Küche, und deren Sphä-renmusik im Bratenwender ist — einen gvldnenAbend gegeben zn haben und ein gelüftetesHerz und eine frohe lange Erinnerung. KeinBoshafter werfe einer solchen gute» Schneckenseeleseine Faust in den Weg und lache dazu, wie siesich hinüberquält — und der Aufgerichtete bückesich gern und hebe sie sanft über ihre Steinchenweg. . ..
Klotilden anlangend, so gings vor dem Essenrecht gut; aber nachher recht schlecht. Ich redevon Sebastian, der nach der beim Lord eingeleg-ten Bittschrift froher und leichter war, und mitKlvtilden wahrhaftig so freimüthig sprach, als wäresie eine — Braut. Denn er hatt' es schon im Hannö-verischen gesagt: »es gebe kein langweiligeres und„heiligeres Ding, als eine Braut, besonders„eines Freundes seine; lieber woll' er an die"Mürben Pandekten in Florenz oder an einen»Wiener H. Leib im Glasschrank streifen und»tippen, als an sie." — Ueberhaupt wars schwer,sich in Klotilden zu verlieben; ich weiß, der Le-ser hätt' es nicht gethan, sondern sich kalt wiederfortgemacht. "Ihre griechische Nase unter der"fast männlich breiten Stirn, hätt' er gesagt, —»diese Schwesternase aller Madonnen und dieses"seltne Gränzwildpret auf deutschen Gesichtern —»ihre stillen aber hellen Augen, die außer sich»nichts suchen, dieser br'ittische Ernst, diese harmv-"iiische denkende Seele erheben sie über die Rechte»der Liebe. — Wenn diese majestätische Gestalt»auch lieben wollte: wer hätte den Muth, ihr"seine darauf zu bieten, und wer wäre so eigen-»nützig, um das Geschenk eines ganzen Himmels»einzustecken, oder so stolz, um sein Herz als»Dampfkugel in ihres zu schließen und damit»diese stille sinnende Heiterkeit zu benebeln?" —Der Leser liefet sich selber gern. —
Aber nach dem Essen gings anders. Unter