Band 
I.
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Hesperus

425

Herunterschauen in die Donner und Regenbogenan der Erde? — Glaubst du nicht an Gott undsuchst seine Gedanken auf in den Lineamentender Natur und seine ewige Liebe in deiner Brust?

-Wenn du das alles bist und denkst, so

bist du mein; denn du bist besser als ich, undmeine Seele will sich heben an einem HähernFreund. Baum des Hähern Lebens, ich umfassedich, ich umstricke dich mit tausend Kräften undZweigen, damit ich aufsteige aus dem zertretenenKvth um mich! — Ach von einem großen Men-schen könnte ich geheilt, gestillet, erquickt, erhobenwerden — ich Armer, nur an Wünschen reich —zerrüttet vvm Kriege zwischen meinen Träumenund meinen Sinnen —wund hin und her geschla-gen zwischen Systemen, Thränen und Narrheiken— anekelnd die Erde, die ich mir nicht ersetzenkann, lachend über die weinerliche Komödie blosaus Jammer, und der widersprechendste, betrüb-teste und lustigste Schatten unter den Schattenin der weiten Nacht. ... „O! schöne, gute„ Seele, liebe mich! " H o r i o n.

Den Kopf auf die Hand gestützt, ließ er solange seine Thränen, ohne zu denken und ohne zusehen, rinnen, bis die Natur ein Ende machte.Dann trat er ans Klavier und sang unter dessenBegleitung die heftigsten Stelle» seines Briefesab; was ihn stark bewegte, trieb ihn allezeit zumSingen an, besonders der Affekt der Sehnsucht.Was kann es uns verschlagen, baß es Prosawar?

Bei der letzten Zeile seines Briefgesanges ginglangsam die Thüre auf: „du bists ?" sagte eineStimme. „Ach komm herein, Flamin!" antwor-tete er. „Ich wollte nur sehen, ob du zurückwärest" sagte Flamin und ging. —

— Ich denke, es ist nöthig, daß ich wenigstensfolgendes dazwischen werfe: — daß nämlich Vik-tor zu viel Phantasie, Laune und Besonnenheitbesaß, um nicht, wenn diese drei Saiten zugleicherschüttert wurden, lauter Dissonanzen anzugeben,die bei mehr harmonischen Intervallen dieser Kräfte*weggeblieben wären — daß er daher mehr Nei-gung zu Schwärmereien und zu Schwärmernhatte, als Ansatz dazu — daß seine negativ-elek-trische Philosophie mit seinem positiv-elektrischenEnthusiasmus immer um das Gleichgewicht zukämpfen hatte — und daß aus dem Aufbrausenbeider Spiritus nichts wurde, als Humor —daß er alle Freudennelken auf dem nämlichenBeete haben wollte, obgleich eine die Farbe derandern verfälschte (z. B. Feinheit und Enthusias-mus, Erhebung über die Welt und Ton der Welt)daß daraus außer der Laune und höchsten Tole-ranz, auch ein unbewegliches schweres Gefühlder Nichtigkeit unserer vvrüberstreichenden undmit einer solchen Kontrarietät der Farbenentwvrfnen innern Zustände werden mußte —und daß er, den der Schlimme für doppelseitig und

' Gerade der Besitz u n gleichark iger Kräfte in glei-chem Grade macht inkonsekent und widersprechend; Men-schen mit einer vorherrschenden Kraft handeln gleicher nurnach ihr. In Despotien ist mehr Ruhe als in Republiken;am heißen Aequator ist ein gleicherer Barometerstand, alsin den Äonen mit» Zahrzciten.

der Gutmüthige für veränderlich hält, nichts zumSchmücken und Ründen seines in so viel Holzversteckten neuen Adams oder Palladiums bedürfe,als die Sense der Zeit — Zeit also.

8. Hundposttag.

Gewissens - Eraminatoriinn und Dchortatorrmn —Die ötudikr-Mtterworhcn eines Gelehrten —Das Naturalienkaliinet — Antwort von Emanuel

— eingepacktes Kinn — Ankunft des Fürsten

— erster Schalttag.

Ich wollte, die Historie wäre aus, damit ich siekönnte drucken lassen; denn ich habe schon zu vielePränumeranten darauf unter dem gemeinen Volk.Ein Schriftsteller nimmt in unsern Tagen Vor-ausbezahlung auf sein Buch vom schlechtesten Kerlan — der Schneider thut seinen Vorschuß inKleidern, der Frisör in Puder, der Hanswirth inStudiersiuben. —

Jeden Morgen hunzte sich Viktor unter derBettdecke aus wegen des Abends; das Bette ist einguter Beichtstuhl und die Audienza des Gewissens.Er wünschte, der gestrige Gartenverein hielte ihnfür einen wahren Narren anstatt für einen —Liebhaber. „Ach wenn gar Flamin selber sich mit„Mißtrauen kränkte, und wenn unsre Herzen, die„so lange geschieden waren, schon jetzo wieder es„würden!" Hier wurde die Bettlade aus einemBeichtstuhl ein feuriger Ofen. Aber ein Engellegte sich zu ihm hinein und blies die Lohe weg :„was hab' ich denn aber gethan? Hab' ich nicht„für ihn mit tausend Freuden gesprochen, gehan-delt, geschwiegen? Kein Blick, kein Wort ist„mir vorzuwerfen — was denn noch sonst?"

Der Engel des Lichts oder Feuers mußtejetzt entsetzlich gegen die rorwedelnde Flammeblasen.

„Sonst »och? Gedanken vielleicht, die aber,„wie Feldmäuse, der Seele unter die Füße sprin-gen und sich wie Ottern anlegen. — Aber dürfen„inir denn die Kantianer ansinnen, daß ich das„kleine Bild der schönsten und besten Gestalt, die„ich in dreier Herren Landen bisher vergeblich„zitierte, einen solchen Raphaels Kopf, eine solche„Paradieses Antike zum Fenster hinauswerfe ans„der Villa meines Kopfes wie Aepfelschalen und„Pflaumenkerne? Mich würd' es von den Kan-tianern wundern. — Und wenns drinnen stehen„bleiben soll, soll ich denn ein Vieh sein, ihr Ka-techeten, und es kalt anglotzen?-Ich mag„nicht: Ja ich will mir selber trauen und von„dem schönsten Herzen sogar die Freundschaft for-„dern und ihm doch die Liebe lassen!"—LieberLeser, unter diesem ganzen summarischen Prozeßvor der Gesetzkommission des Gewissens hab' ichüber dreißigmal zu mir gesagt: „ihr beide, du undder Leser, „seid um kein Haar ehrlicher gegen dasGewissen!"

2 c»r>P»»l's Werke. I.

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