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Hesp erus.
gar ausziehen. Ja zuweilen, wenn gerade diehumoristische auf der umwechselnden Querbankobenan saß, trieb er den Leichtsinn so weit, daßer den Wunsch äußerte, in Abrahä Schooß würdeSpaß gemacht, und er könnte sich auf die zwölfStühle mit seinen drei Seelen zugleich nieder-lassen. — —
Seine Nachmittage übergab er bald einer strö-menden Laune, die ihre rechten Zuhörer nichteinmal fand — bald den Pfarrleuten — bald derganzen St. Lüner Schuljugend, deren Magen er(zur Aergerniß eines jeden guten Schulmeisters)mehr als ihre Köpfe verproviantierte, weil erglaubte, in den kurzen Jahren, wo das Geifer-fleckchen sich ausbreitet bis zu einem Tellertuche,nehme das Vergnügen seinen Weg über die Kin-derserviette, und habe keinen andern Eingang alsden Mund. Er ging nie ohne eins ganze Opera-zionkasse voll kleines Geld in der Weste aus: "ichvertheil'eS ohne allen Verstand, sagt'er: »aber»wenn aus diesem herumgesäeten metallischen Sa-mum ganze Freudenabsnke für arme Teufel auf-»gehen; uns wenn sie gerade die Unschuldigen"so selten haben: warum will man nicht für die"geschonte Tugend und für die Freude zugleich»etwas thun?"
Er sagte, er habe Moral gehört und verlangefür seine außergerichtlicben Schenkungen und mil-de» Stiftungen nichts als — Verzeihung. SeinFlamin der ihn für eine sorglose Säemaschine aufFelsen erklärte, verbrachte seine kleine Ferien biszu den, Sessiontisch, in glühenden Hoffnungen,an diesem Tische zu nützen, und in Vorbereitun-gen, um es zu können; oft wenn der höhere Pa-triotismus mit Heiligenschein und Mvsis-Glanzaus dem Angesicht des geliebten Flaniins hervor-brach, so standen Thränen der freudigen Freund-schaft in Viktors Augen, und im Augenblick einerlyrischen Menschenliebe schworen sich beide an ihrenHerzen für die Zukunft gegenseitige Unterstützungim Gntesthun und gemeinschaftliche Aufopferun-gen für die Menschen zu. — Ihr Unterschied warblos wechselseitige Uebertreibung — Flamin wargegen Laster zu unduldsam, Viktor zu duldsam —jener verwarf als Regierungrach wie Wiedertäu-fer alle Feste und wie die ersten Christen alle Blu-men (in jedem Sinn) — dieser liebte gleich denGriechen beides zu sehr — jener hätte der EhreMenschenopfer gebracht — dieser kannte keinenEhrenräuber , als das eigne Herz, er sprang überden xapiernen Halbadel unserer jämmerlichenEhrenpunkte am Theetisch hinweg, und war, spot-tend über den Spott, nur dem hohen Adel derTugend Unterthan.-
Viktor sog sich mit Laubfroschfüßen an jedesBlumenblatt der Freude an, an Kinder, an Thiere,an Ovrf-Luperkalien, an Stunden; — am lieb-sten aber hakt' er den Sonnabend. Hier that erStreifzüge Lurch die freudige Unruhe des Dorfes,vor Knechten vorbei, die ihre Sensen nicht magne-tisch, sondern schärfer hämmerten, und vorder Ladenthüre des Schulmeisters, an der seinAnge als Schweizer oft eine halbe Stunde stand.Denn er konnte den St. Lnnischen Handelflorrecht gut im kleinen Großavanturhandel des Schul-meisters bemerken, der keine geringere Börse der
Kaufleute kannte, als die in seiner Hosentasche.Aus diesem ostindischen Hause sah er spät die wohl-feilen Freude» des Sonntags holen — der Grvs-sierer (der Schulmeister wird gemeint) machte,von den Negerlklaven unterstützt, den Sonntag-morgen von St. Lütte mit seinem Sirup süß undmit seinem Kaffee heiß; und sowohl durch denTabackbau in Deutschland wurde dieserHancelherrin Stand gesetzt, mit Spiralwürsten von Lause-weuzel die Köpfe der Pfeifen, als durch den Sei-denbau der Töchter ihre mit Sabbathwimpeln zuversorgen aus seinem Auerbachischen Hofe. — Un-sern Helden kannte alles. Aus jeder Hunkhüttewedelte ihm ein Hund entgegen, dem er Brodhineingeworfen; aus jedem Fenster schrien ihmKinder nach, die er geneckt hatte; und viele Bu-ben, vor denen er vvrüberlief, hielten sich fürglücklich, wenn sie eine Mütze aufhatten — siekonnten sie vor dem Herrn abnehmen. Denn sei»erstes Treiben in St. Lüne war die Geschichte i»St. Lüne, die aus den mündlichen Kvnduitenlistender historischen Personen selber und aus derReichspostreiterin, aus der Pfarrerin geschöpftwerden mußte. Letzte hielt als Plutarchin allemalzwei Charaktere wie Tücher zusammen; und ihrMann las ihm nach bestem Wissen und Gewissenüber die Kirchen- und Nefvrmaziongeschichte sei-nes Beichtsprcngels. Viktor legte sich auf diesemikrokvsmische Weltgeschichte aus zwei Absichten,erstlich um sie — welches Brvdstutenten auch be,der größern vorhaben — rein wieder zu vergessen:zweitens, um im Dorfe so zu Hause zu sein, wieder Betkelvvgt oder die Hebamme, woraus er denVortheil zu zieben hoffte, daß er betrübt wurde,wenn ein St. Lüner verstarb, und fröhlich, wenner vorher Heiratbete.
— Jetzo schreitet die Geschichte wieder von ei-nem Tage auf den andern fort, gleichsam auf denSteinchen im Strome der Zeit.—
So schön war also der Frühling vor ihm vor-übergegangen mit Sabbathwochen, mit den Pfingi -tagen, mit weißen Blüten, die dem Lenze allmä-lich wie Schmettcrlingflügel ausfielen; — Viktorhatte den Besuch Le Bauts verschoben, weil erdachte: »ich muß ohnehin bald genug vom wei-»chen Schvoße der Natur herunter und auf das»Hof-Drahtgestell hinauf, und auf dcnObjek-"tenträger (Thron) des Hof-Mikroskops; —er hatte sich zwar täglich zugeredet, bald, nochvor KlotildenS Ankunft, hinzugehen, um aufseine Absichten keinen Verdacht zu laden, aberimmer vergeblich — — als plötzlich (denn Tagsvorher war der iZle Jul.) der inte erschien undmit ihm KlotildenS Gepäck ohne sie. Nun über-schritt er (wie die offiziellen Hundberichte enthal-ten) wirklich am iSten den Bach von St. Lüne,und ging über die Alpen der kammerherrlichenTreppen und schlug auf Le Bauts Kanapee seinCäsars-Lager auf. Er wußte, Laß heute niemandda war, nicht einmal Matz.
»Der Himmel erhalt' uns (sagt' er) dieHöffich-"keit gesund; es wäre ohne sie nicht nur unter kei-"nen Spitzbuben auszuhalten, sondern sie gibt--auch Minutensteuer von Freuden, indeß die"Wolthätigkeit nur Ouartalstener und Kammer-»zieler und milde Beisteuern zahlt." Herr und