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Hesperus.
verarmendes Herz zu den Thränen entzweipres-sen, die er immer heißer und größer zeigenmußte. Ach der Verlassene! Als die Brücke,welche die väterlichen und die kindlichen Tageauseinander spaltete, aufgestiegen war, ging Vik-tor allein darüber, wankend und taub — und alssie ins Wasser wieder eingesunken und der Vaterin die Insel verschwunden war, drückte ihn dasMitleiden auf das Ufer darnieder — und als eralle Thränen auS dem leidenden Herzen wiePfeile gezogen hatte, verließ er langsam undträumend die stille Gegend der Räthsel und Schmer-ze» und den dunkeln Trauergarten der todten Mutterund des düstern Vaters, und seine ganze erschütterteSeele rief unaufhörlich: ach guter Vater hoffewenigstens und kehre wieder uüd verlaß michnickt! —
Wir wollen setzt alles, was in der bisherigenGeschichte Dunkelheiten machte, und was derLord seinem Sohne aufhellte, uns auch aufklären.Man erinnert steh noch, daß zur Zeit, da er nachFrankreich abging, um die Kinder des Fürsten —den sogenannten Walliser, Brastlier und Asturierund den lUoiisieui- — abzuholen, die finstereNachricht ihrer Entführung einlief. Diese Ent-führung hatt' er aber (das gestand er nun selberveranstaltet, blos das Verschwinden des Mon-sieur- auf den steben Inseln war ohne sein Wissenvorgefallen: und in seine Unwahrheit konüt' eralso einige Wahrheit als Mundleim mischen.Diese drei Kinder ließ er verborgen nach Englandbringen und ste in Eaton zu Gelehrten und i»London zu Sempcrfreien erziehen, um ste einmalihrem Vater als blutverwandte Beistände seinerwankenden Regierung wiederzuschenken. Daherhatt' er dem sogenannten Jnfanten (Flamin)Regierungrath werde» helfen. Sobald er einmaldie ganze Kinderkolonie beisammen ha>, so über-rascht und beglückt er den Vater mit ihrer frohenErscheinung. Den jetzt unsichtbaren Sohn desKaplans, der Blattern und Blindheit vor demEinschiffen bekam, verheimlicht er darum, weilsonst leicht z» errathen wäre, wem Flamin eigent-lich angehöre.
Viktor fragte ihn, wie er den Fürsten von derVerwandtschaft mit vier oder fünf Unbekanntenüberführe. „Durch mein Wort" versetzte Horionanfangs; dann fügte er die übrigen Beweismittelhinzu: bei Flamin das Zeugniß der mitkommen-den Mutter (der Nichte), bei den übrigen ibreAehnlichkeit mit ihren Abbildern, die er noch hat,und endlich das Muttermal eines Stettiner-apfcls.
Viktor hatt' es schon lange von der Pfarreringehört, alle Söhne Jenners hätten ein gewissesMutter- oder Vatermal auf dem linke» Schulter-blatt, Las wie Nichts aussehe, ausgenommen imHerbst, wenn die Stettiner reifen: da werd' esauch roth, und gleiche dem Urbild. — Dein Leserselber müssen aus den Jahrbüchern der kuriosenund gelehrten Gesellschaften ganze Fruchtkörbevoll Kirschen vorgekommen sein-, deren Röthel-zeichnuug nur matt auf Kindern war, und die sicherst mit den reifenden Urbildern auf den Zweigenhöher rötheteu. Wäre einem Badgesellschaftervon mir zu glauben, so hätt' ich selber ein solches
Stettiner Fruchtstück auf der Schulter hängen:die Sache ist nicht wahrscheinlich und nicht erheb,lich: inzwischen dürft' ich doch im künftigenHerbste — denn ich setzte mirs einige Herbstevor, nun aber erinnert mich Knef mit seinemHunde daran — sobald die Stettiner zeitigen,eine» Spiegel nehmen und mich von hinten bese-hen. — Und aus demselben Grunde schiebt dieseStettiner Frnchtschnur die Rückkehr des Lords,wenigstens die Uebergabe und Erkennung derKinder, auf die Herbstzeit ihrer Nöthe auf.
Ich mache mir kein Bedenken, hier eine sati-rische Note meines Korrespondenten zu übergeben.„Stellen Sie sich (schreibt er) bei dieser Nach-sicht, als thäten Sie es auf mein Geheiß, und„erzählen Sie des Lords Auseinandersetzung und„Offenbarung, wenn Sie sie einmal haben,„Ihrem Leser ganz ruhig zum zweitenmal f damit„er ste nicht vergißt oder verwirrt. Leser kann„man nicht genug betrügen, und ein gescheiter„Autor wird ste gern an seinem Arm in Marder-„eisen, Wolfgrubett und Prellgarne geleiten."Ich bekenn'es, zu solchen Pfiffen hatt' ich von jeherschlechten Ansatz — und bringt es überhaupt nichtmir und dem Leser mehr Ehre, wenn ers gleichaufs erstemal behält, daß Flamin Jettners natür-licher und Le Banks angeblicher Sohn ist — daßdes Pfarrers seiner blind und nicht da ist— Laßnoch drei oder vier andre Jenners Kinder aus den
gallischen Seestädten nachkommen-, mehr
Ehre, sag' ick, als wenn ichs jetzt ihm zum zwei-tenmale (im Grunde wärs zum drittenmale) ver-täuen müßte, Laß Flamin Jenners natürlicherund Le Bauts angeblicher Sohn ist, daß desPfarrers seiner blind und nicht da ist, und daßnoch drei oder vier andre Jenners Kinderaus den gallischen Seestädten nachkommen? Ichfrage.
Der Lord hatte seinem Sohn den Eid desSckweigens gegen Flamin darum abgefordert,weil dieser aus Nechtschaffenheit alle Geheimnissebewahrte, aber aus Zornhitze alle verrieth — weiler in dieser seine Geburt geltend machen würde,blos um sich mit einem Widersacher herumzu-schießen — weil er noch morgen deswegen aus ei-nem Verfechter mit dem Themisschwerte einNachfechter mit dem Kriegdegen werden könnte— und weil sich überhaupt ein Geheimniß gleichder Liebe noch besser unter zwei Theilnehmer» be-findet, als unter dreien. Auch glaubte der Lord,aus einem Menschen, dem man Geld gäbe, damiter etwa- würde, würde mehr, als aus einem, der^ etwas wäre, weil er Geld hätte, und der dieMünzen für seine Erbschaftwarpen und nicht fürausgesetzte Preismedaillen künftiger Auflösungenansäße.
Nach allen diesen Eröffnungen machte der Lordunserem Viktor noch eine wichtige, auf die erin der übereiseten Laufbahn seines künftigen Hof-lebens immer wie auf eine Warntafel zurückzu-blicken habe.
Als der Lord vor dem Aschenhause seiner Ge-liebten erblindete, wurde seine ganze Korrespon-denz mit England, mit der Nichte und mit denLehrern der Fürstenkinder erschwert, wenigstensverändert. Er mußte sich die einlaufenden Briefe