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Hesperus.
der seine Person mit haben wollte, doch mit einerFracht abzufertigen.
Indessen wurden seine und Jenners gemeinschaft-liche Besuche mit ihren Theaterknoten zu ganzandern Nervenknoten der Freundschaft zwischenJennsr und ihm — und zugleich machten sie denStuf dieser Freundschaft größer. In St. Lüne,in Le Bauts Hanse wurde dreimal mehr darausgemacht, als daran war — im Pfarrhauje neun-mal.
Dazu kam eine Kleinigkeit, nämlich eine Schlä-gerei — eigentlich zwei. Ich habe den Vorfallvom Spitz, Viktor ihn von Flamin, dieser vonMatthieu, in dessen edlem historischen Stil eshier der Nachwelt übergeben werken kann. DerEvangelist schämte sich keines Bürgerlichen, so-bald c>r ihn zum Narren haben konnte. Daherbesuchte er den Hvfapotheker ohne Bedenken.Diesem, der den Kasernenmedikus Kuhlpexper we-gen seiner stolzen Grobheit und wegen der unternNote * innig haßte, hatte Matthieu längst ver-sprochen, den Doktor zu stürzen. Da der letzteund das Podagra durch Viktor wirklich von Zen-»ersHüßen vertrieben waren: so ließ der Evan-gelist dein Apotheker merken, er selber würdeohne dessen Wink und Wünsche weit weniger zumFalle Kuhlpexpers beigetragen haben, als er ge-than. Zeusel — zumal da er den Nachflrhrer desKasernenmedikus im Hause hatte — kam nacheinigen Tagen mit der gewissen Ueberzeugungaufs Billiard, daß er aus seiner Apotheke herausKuhlpeppern das unsichtbare Bein untergestelletund ihn von den Thronflufeu herabgeworfen.Dort war zum Unglück der Kasernenmedikus sel-ber und der edle Matz. Zeusel kam auf diesemTheater mit den Festons von drei Uhrketten an
— mit ein Paar Hosen, auf deren Knieen einigeArabesken gedruckt waren — mit einer doppeltenWeste, doppelten Halsbinde und im Gesicht mitdoppelten Ausrufzeichen über den Kasernenmedi-kus — seine Geldbörse saß gerade unter dem hei-ligen Bein, weil er, wie einige Engländer, dieHosentasche in die Gegend der Hosenschnalle hatteverstecken lassen. Er hatt' als Kammermohrenseinen hagern langen Provisor mit, der im Ne-ben-Triukzimmer auf den sehr kurzen Provisorder zweite» oder Canaillen - Apotheke stieß. Derkurze Provisor folgte aus Haß dem langenüberall, blos um ihn zu ärgern; aber diesesmalwar er blos vom Lande zurück mit einigen vonWiedergenesenden einkassierten Hünereiern.
Matthieu nahm sich — nach einem exegetischenWink an Zeusel — die Freiheit, über das fürst-liche Podagra Kuhlpeppers Meinung zu sein.Kuhlpepper, der ein alter Deutscher sein wollte
— solche alte Deutsche könne» sich nie im Zorn,aber recht gut aus Eigennutz verstellen — feuerteab und sagte, der englische Doktor sei ein ganzerIgnorant. Zeusel faßte mit einem weiten Lächelnwie mit einem Buchdruckerstock seine höfische Ver-achtung gegen den groben Mann ein. Der Me-
* Kuhlpepper that ihm nie den Gefallen, um den er ihn sooft bat, daß er dem Fürsten ein Klustier verordnete, welchesalsdann der Apotheker selber gesetzct hatte, um nur einmaldem Regenten bcirurommcn und dessen schwacheSeite in seine eigne Sonnenseite zu verwandeln.
dikus sah wie der Gleicher, der Apotheker wieSpitzberge» aus. Jetzv wurde blos über das Po-dagra geturnt. Der Kampfwärter und Turnier-vogt Matthieu gab zu verstehen, »Zeusel liebe»zwar seinen Fürsten und Herrn, aber er wünsche»doch, Laß diese Liebe die besten Mittel und die»heilsamsten Einflüsse gehabt.» — »In den H —(sagte Kuhlpepper)» kann der da Einfluß haben.»
— Als sich der Apotheker deswegen stolz und ver-ächtlich in die Höhe richtete: drückte ihn der Dok-tor langsam auf den Stuhl und auf seinen Geld-beutel nieder, und die auf die Achsel eingeschlagneHand nagelte' den kleinen Zierling sammt derBörse an den Sessel an.
Diese Befestigung verdroß den Schneidervogelam meisten, und er versetzte , in die Höhe wol-lend: »noch heute würde er, wenn er zu Rathe»gezogen würde, Sr. Durchlaucht die jetzige bessere»Wahl anrathen.» Der Kasernenmedikus mochtevielleicht die Hand zu hurtig von der Achsel ab-decken; denn er bestrick) damit, wie mit einer Ka-none, die Nase seines Gegners, worauf diese einBlut wie der heilige Januar entließ. Der Evan-gelist bedauerte es für seine Person, »daß zwei»so verständige Männer sich nicht mit einander»entzweien und schlagen konnten ohne persönlichen»Haß und ohne Hitze, da sie gleich kriegenden»Fürsten sich ohne beides anfallen könnten — aber»das Bluten bestätige Zeussls Wallung zu sehr.»
— Zeusel rief zum Doktor: »Sie Grobian!» —Dieser nahm im Grimme wirklich die MatthäischeMeinung an, jener blute nur aus Grimm, undverglich ihn mit den Kadaver», die in alten Zei-ten zwar bei Annäherung des Mörders bluteten,aber blos aus ganz natürlichen Ursachen. DerMedikus suchte also seinen gleich einem Fürstenoben vergoldete» Stecken auf, und beurlaubte sichmit der gekrönten Stange, indem er sie einige-mal« gleichsam magnetisch-streichend über ZeuselsFinger führte; aber ich würde den Stab, wenn ichan der Stelle anderer Leute wäre, weder einHörrohr für Zeuseln nennen, das der Arzt an ihn,wie man Schwerhörigen öfters thut, anstieß, da-mit dieser besser hörte, noch auch einen Thür-klopfer, den er der Wahrheit vorstreckte, damit sieleichter in den Apotheker einkvnnte: sondern erwollte blos seine Finger nöthigen, das Schnupf-tuch fallen zu lassen, damit er ihm ins Gesichtbeiin Abschied schauen könnte, den er in die scho-nende Wendung kleidete: »Sag' Ers Seinem»Doktor, er und Er da, Ihr seid die zwei größ-»ten Stocknarren in der Stadt.»
Vor den letzten Worten verhielten sich beideProvisores ruhig genug, nicht mit der Zunge —Leu» der lange Provisor sang als zweites Chormit demselben Knegliede den kurzen au, und warächter Autipodagrist — sondern sonst. Wer über-legt, daß der lange meinen Helden wegen seinerHöflichkeit liebte und den kurzen nicht leidenkonnte, weil Kuhlpepper alles bei diesem ver-schrieb, der würde von dem Paare nichts geringerserwarten, als den Widerschein des Billardzim-mers ; aber der lange Provisor war gesetzt undbreitete erhebliche Wahrheiten nie wie Portugallmit Blute aus, sondern er nahm — sobald derKasernenmedikus den Hofmedikus einen Stock-