Band 
I.
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Hesperus.

>v.ir, und aus eurem Gutenmorgen drehte er einBvnnivt — hätt' er das alte Testament gelesen,er hätte sich über die feinen Wendungen darinnicht satt wundern können. Dafür schränkte derwohlriechende Narr seinen ganzen Witz aufein lebhaftes Gesicht ein — er schlug diesenFracht - und Assekuranzbrief von tausend Einfällenvor euch auf und hielt ihn vor, aber es kam nichts— ihr hättet auf den Ansagezettel von Witz inseinem feurigen Auge, geschworen, jetzo brenn' erlos —aber nicht im Geringsten! Er handhabtedie satirische Waffe wie die Grenadiere die Hand-granaten, die sie nicht mehr werfen, sondern nurabgebildet auf den Mützen führen.

Als der Feine sein erotisches Bonmot gesagthatte: sah Joachime unsern Helden a», und sagtemit einer ironischen Miene wider den Feinen:

LUmir /es Lagles « Mie.

Der Stolz des wohlriechenden auf seinen heuti-gen Vorzug und die scheinbare Gleichgültigkeit desfeinen Narren gegen seine Hintansetzung be-wiesen, daß alle beide selten im heutigen Fallewaren, — und daß Joachime auf eine eigneWeise kokettierte. Sie lachte uns erhabneMannspersonen allemal aus, wenn zwei auf ein-mal bei ihr waren — eine allein weniger — ihreAugen überließen es unserer Eigenliebe, das Feuerdarin der Liebe mehr als dem Witze zuzuschreiben —sie schien alles herauszuplaudern was ihr einfiel,aber manches schien ihr nicht einzufallen — siewar voll Widersprüche und Thorheiten, aber ihreA bsichten und ihre Zuneigung blieben doch je-dem zweifelhaft — sie antwortete schnell, aber siefragte »och schneller. Heute trat sie im Beiseinder drei Herren — zu andern Zeiten im Beiseindes ganzen Iiui-euu ck'esprit — vor den Spiegel,zog ihre Schminkdose heraus, und retuschierte dasbunte Dvsenstück ihrer Wangen Man konnte sichgar nicht denke» wie sie aussähe, wenn sie verle-gen wäre oder beschämt.

Die Tugend mancher Damen ist ein Donner-haus, das der elektrische Funken der Liebe zer-schlägt, und das man wieder zusammenstellt fürneue Versuche; unserm an die höchste weiblicheVollkommenheit verwöhnten Holden kam es vor,als gehöre Joachime unter jene Donnerhäuser.Koketterie wird immer mit Koketterie beantwortet.Entweder letzte war es, oder zu schwache Achtungfür Joachime, daß Viktor die beiden Anbeter inden Augen der Göttin lächerlich machte. SeinSieg war eben so leicht als groß — er lagerte sichauf der Stelle des Feindes: mit andern Worten,Joachime gewann ihn lieber. Denn die Weiberkönnen den nicht leiden, der vor ihre» Augen ei-nem andern Geschlechte unterliegt, als dem ihrigen.Sie lieben alles, was sie bewundern; undman würde von ihrer Vorliebe für körperlicheTapferkeit weniger satirische Auslegungen gemachthaben, wenn man bedacht hätte, daß sie dieseVorliebe für alles Ausgezeichnete, für ausgezeich-nete Reiche, Berühmte, Gelehrte empfinden. Derdürre uns runzlige Voltaire hatte so viel Ruhmund Witz, daß wenige Pariser Herzen sein satiri-sches auSgeschlagon hätten. Noch dazu orücktemein Held seine Achtung für das ganze Geschlechtmit einer Wärme aus, die sich das Einzelwesen

zueignete, — auch brachte seine beliebte Gesammt-liebe, ferner sein in der Trauer über ein Verlor-nes Herz schwimmendes Auge, und endlich seinewärmende Menschenfreundlichkeit, ihm eine Auf-merksamkeit von Joachimen zuwege, welche dieseinige in dem Grabe erregte, daß er sich,taSnachstemal zu untersuchen, vornahm, was dranwäre.-

Das nachstemal war bald da. Sobald ihm dieAnkunft der Fürstin vom Apotheker geweiffagtavar— denn der war für die kleine Zukunft des Hofsihm seine Hexe zu Lndor und Kumä, und seinedelphische Höhle — so ging er hin; denn ep fuhrnicht hin. »So lang' es noch einen Schuhabpntzer"Und ein Steinpflaster gibt, sagt'er, fahr' ich„nicht. Aber von vornehmern Leuten wundcrts„mich, daß sie noch zu Fuß reisen von einen, Flü-„gel des Pallasts in den andern. Könnte man„nicht, so wie die Pennypost für eine Statt, ein„Fuhrwerk für seine» Pallast einführens Könnte„nicht jeder Sessel ein Tragseffel sein, wenn eine„Dame die Alpenreise von einem Zimmer ins an-„dere weniger schcuete? Und verschiedne Welt-„umseglerinnen würden es wagen, eine Lusireise„durch einen Garten zu machen in einer zugespsrr-„ten Sänfte„— Viktor reisete gerade durch einen,nämlich den Schleunesschen: es war noch zu hellund zu schön, nm sich wie Nähkissen an die Spiel-tische zu schrauben. Er sah darin eine kleine bunteReihe gehen und Joachimen darunter. Er schlugsich zu ihnen. Joachime bezeugte eine malerischeFreude über die Wolkengruppierung, und es standihren schönen Augen gut, wenn sie sie dahin hob.Da man nichts Gescheites zn reden hatte: suchteum» etwas Gescheites zu thun, sobald man ausKarnssel ankam. Man setzte sich darauf und ließeS drehen. Viele Damen hatten gar den Muthnicht, kiese Drehscheibe zu besteigen — einigewagten sich in die Sessel — blos Joachime, dieeben so verwegen als furchtsam war, beschrilt dashölzerne Turnierroß und nahm die Lanze in dieHand, um die Ringe mit einer Grazie wezzn-spießen, die schönerer Ringe würdig war. Abernm sich nicht dem Abwerfen der Dreh-Nvzinantebloszngeben, hatte Joachime meinen Helden wieein Treppengeländer an sich gestellt, Um sich an ihnin der Zeit der Noth anzuhalten. Die Apebewe-gung wurde schneller und ihre Furcht größer; siehielt sich immer fester an, und er faßte sie festeran, um ihrer Anstrengung zuvorzukommen. Vik-tor, der sich auf die Taschenspielerkünste und denHvkns Pokus der Weiber recht gut verstand , fandsich leicht in Joachimens Wieglebische natürlicheMagie und „Trunkus Plemxsum Schattalei;„ nochdazu war das wechselseitige Andrücken so schnellhin und her gegangen, Laß man nicht wußte,hatt' eS einen Erfinder, oder eine Erfinde-rin. . . .

Da sie jetzt alle im Zimmer sind und ich alleinim Garten stehe neben der Roßmühle: so will ichdarüber geschickt reflektieren, und anmerken, daßdie Großen gleich dP Weibern, den Franzosenund den Griechen, große — Kinder sind. Allegroße Philosophen sind das nämliche, und leben,wenn sie sich durch Denken fast umgebracht haben,durch Kindereien wieder auf, wie z. B. Male-