Band 
I.
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Hesperus

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fracht von Meßketten, von Terzienuhren undvon Harrisonschen Läugenuhren und durch-schossenen Schreibkalendern daherwandelt — sodaß ich besonders den armen Büsching beweine, sooft ich ihn nur schreiten sehe, da den guten topo-graphischen Last-und Kreuzträger ganz Deutsch-land — (von dem ich etwas anders erwartethätte) —jeder Amtmann, jeder dumme Schultheiß(blos wir Scheerauer sattelten ihn nicht) gleich ei-ner Pfänterstatue von der Kniekehle bis ans Na-senloch (der gute Mann ist kaum zu sehen, undmich wundertS nur, wie er auf den Füßen ver-bleibt) umhängen, besteckt und eingebauet hat mitallen verdammten Teufelswischen — mit Dorfin-ventarien — mit Jntelligenzblältern — mit Wap-penwerken — mit Flurbüchern und perspektivi-schen Aufrissen von Schweinsiällen.

Sie haben sogar den Jean Paul — damit ichnur von mir selber ein Beispiel des deutsche» Fo-liierphlegma erzähle, wiewohl ich eben dadurcheines gebe — angestellt: isis nicht eine alteSache, daß er das Blau der schönsten Augen, indie je ein »moros» geblickt, vermittelst einesSaussürschen CyansmelerS * genauer nach Gra-ten angegeben und die schönsten Tropfen, die ausihnen wahrend der Messung fielen, richtig genugmit einen« Thaumesser ausvistert hat? — Undhat nicht sein Versuch, die weiblichen Seufzerdurch den Stegmannischen Luftreinigkeitmessereinzufangen und zu prüfen, unter uns mehr alszuviel Nachahmer gesunden?-

Woche des 22. Post-Trimtat. oder vvm 3.

Nvv. bis 11. (exklusive.)

Diese Woche versaß er fast ganz beim Minister:manche Menschen kommen, wen» sie nur viermalin einem Hause waren, dann wie das täglicheFieber täglich wieder, anfangs wie die Lenzsonnejeden Tag früher, dann wie die Herbsisonne je-de» Tag später. Er sah wohl, daß er bei dieserHof-und Ministerialpartie nichts niederlegen^könne, weder ein Geheimniß, noch Vermögennoch ein Herz, weil sie ehrlichen Gerichtstellengleichen würde, die — so wie die Mönche ihr Ei-genthum ein Depositum nennen, und sagen, nichtsgehöre ihnen — umgekehrt jedes Depositum zueinem Eigenthum erheben, und sagen, alles ge-höre ihnen. Aber er machte sich nichts daraus:--ich komme ja nur zum Spaße, (dacht' er) und--mir ist nichts anzuhaben.-- — Der Minister, demer blos über der Tafel begegnete, hatte gegen ihn alledie Höflichkeit, die mit einem persiflierenden Ge-sicht und mit einem die Welt in Spionen und inDiebe eintheilenden Stande zu verbinden ist; aberSebasiian merkte doch, daß er ihn für einenHalbkeuner in der Medizin und in den ernsthaftenWissenschaften — als wären nicht alle ernsthaft —ansehe und für einen Eingeweihten blos im Witzund schönen Wissen. Jedoch war er zu stolz, ihmeine andere als die leere Neumondseite zuzukeh-ren , und verbarg alles, was ihn bekebren konnte.Daher mußte sich Viktor bei dem dümmsten Kanz-leiverwandten, ders gesehen hätte, dadurch um

* Instrument, das Blau des Himmels zu bestimmen.

alle Achtung bringen, daß er, wenn der Ministermit seinen, Bruder, dem Regierprästdenten, eininteressantes Gespräch über L uflagen, Bündnisse,über die Kammer anspann, entweder nicht auf-merkte, oder fortlief, oder die Weiber aufsuchte?

— Auch liebte er am Fürsten nur den Menschen; derMinister nur den Fürsten. Viktor konnte bei Jen-ner selber über die Vorzüge der Republiken Redenhalten, und dieser hätte oft im Enthusiasmus (wenndie Reichsgerichte und sein Magen es verstattethätten) gern Flachsenfingen zum Freistaat erhobenund sich zum Präsidenten des Kongresses darin.Aber der Minister haßte dies tödtlich, undklebte allen politischen Freidenkern — einem Rous-seau — allen Girondisten — allen Feuillants— allenRepublikanern — und allen Philosophen den Na-men Jakobiner auf, wie die Türken alle Fremde,Britten, Deutsche, Franzosen ,c. Franken nen-nen. Indeß war dieses eine Ursach, warum ViktorMatzen, der besser hierüber dachte, jetzo liebergewann, und wärmn er von dem Vater zu derTochter floh.

Bei Joachimen gelangen in dieser Woche seineGnadenmittel: sie gab den« feinen und wohlrie-chenden Narren - Dualis, wie wir der Tugend,nur das Accesstt, und meinem Helden, wie wirder Neigung, die Preismedaille. Da er aberblos eine gewisse Empfindsamkeit an, meisten inder Freundschaft und Liebe achtete: so hätt' er,dacht' er, mit dieser Schäkerin durch den Mondreisen können, ohne f ü r sie (aber wohl ü bersie) zu seufzen — aber diese lustigen, «nein Ba-stian, haben den Henker gesehen; den» wenn sieetwas anders «verkeil, dann wird mans auch mit.Sie sagte ihm, sie «volle gefallen wie ein lu-therisches Heiligengemälde, aber sie «rollte nichtangebetet sein wie ein katholisches. Sienahin ihm am meisten durch die ihrem Geschlechteigne Gabe ein, zarte Wendungen zu verstehen

— die Weider errathe» so leicht, weil sie sich im-mer nur errathen lassen, und ergänzen unsverbergen jede Hälfte mit gleichem Glück; —aber zu ihren Reizen rechn' ich auch den Zwangvor der Fürstin und den vor den Zuhörern mitden — Augen, llebrigens war jetzo sein von Klo-tilden weggeworfenes Herz in der Lage der Kin-der, die gewettet haben, Schläge in ihre Handohne Thränen aufzunehmen, und welche nochfortlächeln, wenn diese schon fließen.

Woche des 23. Post-Trimtat. oder 46ste desJahrs 179*.

Jetzt ist er auch Vormittags dort. Es ist be-merkenswerth, baß er ihr am Martinitag. diegepuderte Stirn mit dem Pudermesser rasierte,und daß er um einige Toiletten-Hofämter beiihr anhielt: --ich kann Ihr Schminkdosenträger--werden, wie der große Mogul Tabakpfeifen - uns--Betelträger hat — oder auch Ihr 6r»v»Uvi- oi'-,-lli!i»!l'v — oder Ihr 8on>li>ieo(d. h. Gebetpolster---träger) — ich würde, wenn Sie nicht auf dem

--Polster knieten, es selber thun vor Ihnen.-

--Ich kannte in Hanover einen schönen Englän---Ler, der sich das linke Knie füttern und polstern