Band 
I.
JPEG-Download
 

Hesperus.

512

»ließ, weil er nicht wußte , wen er heute anzube-ten bekomme, und wie lange."

Es ist eben so wichtig, daß er sie am Jonastagein Paar feine Handschuhe, worauf ei» sehr ein-fältiges Gesicht getuschet war, anzunehmenzwang—»es wäre sei» eignes (sagt' er), sie»sollte das Gesicht nur Nachts im Nette aus oder»an der Hand haben, damit es aussähe, als"küßt' er ihr durch die ganze Novembernacht die--Hand." —

Ich fahre in meinem pragmatischen Auszugeaus diesem Belagertagebuch fort, und finde amLsvpoldtag aufgezeichnet, daß Joachime schonVormittags sagte, sie würde ihren Papagei,wenn sie ihm einen Sprachmeister hielte, nichtsaus dem ganzen Dictionaire beibringe» lassen,als das Wort perücle > »Jeder Liebhaber, (sagtesie), sollte sich ein Papcheu halten, daS ihm un-"aufhörlich zuriefe: ixmticia— »Die Damen,»sagte mein Held, sind allein schuld: sie wollen zu»lange, oft ganze Wochen, ganze Blonden ge-»liebk werden. Dergleichen ist über unsere Kräfte.»Haben nicht die Jesuiten sogar die Liebe zu Gott"periodisch gemacht? * Skotus schränkt sie auf"den Sonntag ein — andre auf die Festtage. —"Cvninch sagt: es ist genug, wen» man ihn alle»vier Jahr einmal liebt — Henriquez setzt noch»ein Jahr dazu — Suarez sagt gar, wenns nur»vor dem Tose ist — — Manchen Damen fielen"bisher die Zwischenzeiten anheim; aber die Tag -,„dieJahr-, die Fesizeite», die Verlobung-, die Be-„gräbnißtage bilden eben so viel verschiedene Sek-ten unter den Jesuiten der Liebe." — Joachimemachte den Anfang zu einer zürnenden Miene.Der Hofmedikus hatte nichts lieber mit Schonen,als Zank, und setzte dazu: e'«!,r k kvi-es üe ssluli'ö karr rz»'vües se tont airner- — c'sst »i-nron <zu6 <Iu vollster — rrir qne .je Vorrs priostv Vvris locker! —Seins Laune hatte ihn überdas Ziel getrieben — Joachime hatte Recht genug,seine Bitte um ihren Zorn zu erfüllen — erwollte den Zank fortsetzen, um ihn beizulegen —da es aber doch Fälle gibt, wo die Vergröße-rung einer Beleidigung eben so wenig Verge-bung verschafft, als die stufenweise Zurück-nahme derselben: so that er klug, daß erging.

Er wunderte sich, daß er den ganzen Tag ansie dachte: das Gefühl, ihr Unrecht gethan zu ha-ben, stellte ihr Gesicht in einer leidenden Mienevor seine erweichte Seele, und alle ihre Zügewaren auf einmal veredelt. Tacitus sagt: manhasset den andern, wenn man ihn beleidigt hat;aber gute Menschen lieben den andern oft blosdeswegen.

Am Tage darauf, an Ottomars Tage — Otto-mar! großer Name, der auf einmal den langenLeichenzug einer großen Vergangenheit im Finsternvor mir vorüberführt — sah er sie ernsthaft, ihnweder suchend noch fliehend. Die zwei Narren

» Dieser freche Unsinn steht wirklich in Pascsls Brie-sen. S. den loten.

" d. h. Dadurch, daß sie einen ärgern, machen sie nur,daß man sie mehr liebt — Schmollen ist Lieben — O ichbitte Sie inständig, böse zu werden.

blieben in ihren Augen die zwei Narren und ge-wannen durch nichts etwas. Da er also gewiß be-merkte, daß aus einem flüchtigen Grollen wahreReue über ihre bisherige Offenheit geworden war,von der er einen zu freimüthigen Gebrauch undeins zu eigennützige Auslegung gemacht zu habenschien: so war es jetzo seine Pflicht, das was erbisher aus Scherz gethan hatte, im Ernste zuthun, nämlich sie aufzusuchen und auszusöh-nen.

Aber sie stand immer an der Fürstin, und eswar nichts.

Ich hab' es nicht selber gesagt, weil ich wußte,der Leser seh' es ohne mich, Laß der Held glaubt,Joachime halte ihn für den Bilderdiener ihrerReize, und für den von ihr ungezognen Mond-mann: der Held nahm sich daher längst vor, ihrdiesen Irrthum — zu lassen. Eine» solchen Irr-thum zu benehmen, dazu hat selten ein Mannoder ein Weib Stärke genug — Viktor hatt' abernoch mehr Gründe, ihr den Glauben an seineLiebe (d. h. auch sich den seinigen an ihre) zu gön-nen: erstlich, er wollte verstecken, warum er komme— zweitens, er wußte, in der großen Welt undunter den Joachimen wird ein Liebhaber nur wieder dritte Mann zum Spiel gesucht, man stirbtda nicht von der Liebe, man lebt da nicht einmal da-von— Drittens, er hob sich immer den Nothankerauf, auS Spaß Ernst zu machen: „wenn mir das„Messer an der Kehle sitzt, dacht' er, so setz' ich„mich hin und gewinne sie von Herzen lieb, und„damit gut" — viertens, eine Kokette macht einenKoketten... Hier fing ich bekanntlich schon an,mich über den 22 sten Posttag zu ärgern, wiewohlich so gut wie einer weiß, warum alle Menschen,sogar die aufrichtigsten, sogar die Männer sich zukleinen Intriguen gegen Geliebte neigen; nichtblos nämlich, weils kleine und erwiederte sind,sondern weil man mit seinen Intriguen mehr zuschenken als zu stehlen meint. Blos die edelstehöchste Liebe ist ohne wahre Spitzbüberei.

Wochen des 24. und 25. Pcst-Znmtatis.

Am Sonntage war Ball: „ganz natürlich (sagte»er) sieht sie mich nicht an; im Ballkleid? sind die„Schönen unversöhnlicher, als in der Morgen-kleidung." — Sie sah ihn kaum, so kam sie ihm,wie ein bewegter Himmel mit ihren Brillanten-Fipsrerne» und ihren Perlen-Planeten entgegen,lind bat ihn in diesem Glänze um Vergebung ih-rer Laune; anfangs habe sie sich zornig gestellt,sagte sie, dann sei -sie es geworden, und am an-dern Tage Habs sie erst gesehen, daß sie Unrechtgehabt, es zn scheinen, und Recht, es zu sein.Diese Bitte um Vergebung machte unsern Me-dikus demüthiger, als es nöthig war. Sie bat ihnscherzhaft, sie um Vergebung zu bitten, undmachte ihn mit ihrem Platzgolde von Jähzorn be-kannt.

Zwei Tage lang wurde der wesiphälische Friedegehalten-

Aber Eine Zänkerei mit einem Mädchen macht,wie Ein Narr, zehen: und zum Unglück hat mandie Zornige nur lieber (wenigstens mehr als dieGleichgültige), so wie daS Volk den methodistischen