Band 
I.
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Hesperus.

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siten - Taranteltanzstunden Eines Menschen zuEnde; aber ach bis ganze Nachwelt muß nochdieselbe heiße Linie der Narrheit und Jugendpassieren.

24. Hundvosttag.

Schminke — Krankheit Klctildcns — Schauspiel2phigcnie — lliucrschicd dcr bürgerlichen undücr stistsähigcn Liebe

Am 2bsten Februar fand Viktor Morgens beiJoachimen — die stolze Klotilde. Ich weiß nicht,war diese aus Zufall, oder Höflichkeit, oder deswe-gen da, um einer Person, die von Viktor mit ei-nigem Interesse behandelt wurde, näher zu begeg-nen. Aber, o Himmel! die Wangen dieserKlotilde waren blaß, die Augen wie von einerewigen Thräne überhaucht, die Stimme gerührt,gleichsam gebrochen, und der bleuste Marmorkör-per schien nur das Bild zu sein, das am Grabmalder entflognen Seele stebt. Viktor vergaß dieganze Vergangenheit, und sein Innerstes weintevor Sehnsucht, ihr beizustehen und aus ihrem Le-ben alle trübe Winterlandschasten wegzulöschen."Ich befinde mich heute wie gewöhnlich- sagte sieauf seine hvfärztliche Frage, und er wußte nichtsaus dieser unerwarteten Erbleichung zu machen —er konnte heute überhaupt nichts machen, nichteinmal einen Scherz oder eins Schmeichelei —seine in Mitleid zergangne Seele wollte keine Formannehmen — verwirrt war er auch. Klotildeging bald; — und ihm wärs heute für ganz Groß-polen (diese in der Eisfahrt der Völker - undKronenwandsrung schön sich abschleifende Eisscholle)nicht möglich gewesen, nach ihr noch eine halbeStunde zu verbleiben.

Er hätte ohnehin gehen müssen ; denn der Hof-junker Matthieu rief ihn zur Fürstin. Die Zeitwar ungewöhnlich: er konnte es nicht erwarten,und nickt errathen, was es gebe. Der Evangelistlächelte (das that er überhaupt jetzt öfter über dieFürstin) und sagte, -den Fürsten und Fürstinnen-sei blos das Wichtige klein, und das Kleine wich-»tig, wie Leibnitz von sich selber sagte *. Wenn-ihnen die Krone und eine Haarnadel mit einan-»der vom Kopfe fallen: so suchen sie vor allen»Dingen die Nadel.«

Beiläufig! Es wäre Bosheit von mir gegenden edlen Matthieu, wenn ichs länger unterdrückte,daß er seit einiger Zeit gegen meinen Helden vielsanfter und inbrünstiger geworden — welches blosan einem andern Menschen als er, ich meine aneinem nachstellenden Schelm, ein Kains-Zeichenwärs, und etwan so viel bedeutete, wie das Wedelneines Katzenschwanzes- —

. Viktor erstaunte über die Bitte der Fürstin, —

" Er irret. Leibnitz sagte blos: alles Schwere werd'ihm leicht, alles Leichte schwer.

Klotilden zu heilen: daß heißt, nicht über daZBitten — denn sie beehrte ihn öfters damit —son-dern über die Nachricht, daß KlotilLe, auf derenWangen er bisher die Aepfelblüten der Gesundheitauf Kosten seiner Seele in den Rennwochen ge-sehen, blos taube Blüten getragen, nämlich blosSchminke, die ihr die Fürstin wegen der Gleich-blüte mit den übrigen rothen Kupferblumen desHofes hatte befehlen müssen. Agnola, die, wieihr Stand, rasch war, ersuchte ihn noch, als er zurmedizinischen Obereraminazionkommisstv» ernen-net war, sein Amt nur ja recht bald, schon heutesogleich im Schauspiels zu verwalten, wo er die Era-minandin treffen werde.

Und er fand sie. Das Schauspiel war ein ausEldorado gelieferter funkelnderSolitaire, GoethesIphigenie. Da er die Kranke wieder mit demAbendrot!, der Schminke sah, worin sie auf frem-des Geheiß sogar unter dem Untergehen schimmernsollte — da er dieses stille zum Altar gleichsamroth bezeichnete Opfer, das er und andere von sei-nen Fluren, von seinen einsamen Blumen wegge-trieben unter die Opfermesser des HofS, den Unter-gang seiner Wünsche stumm erdulden sah, und daer mit dem weiblichen Verstummen das männlicheToben verglich — und da Klotilde ihren Schmerzder Jphigenie geliehen zu haben schien, mit derBitte: «nimm mein Herz, nimm meine Stimme»und klage damit, klage damit über die Entfer-«nung von den Jugendgefilden, über die Entfer-«nung vom geliebten Bruder« — und da er sah,wie sie die Augen fester an die Jphigenie, wennsie nach dem Verlornen Bruder schmachtete, anzu-schließen suchte, um die Ergießung und die Richtungderselben (nach ihrem eignen auf dem Parterre,nach Flamin) zu beherrschen: o dann hatten sogroße Schmerzen und ihre Zeichen in seinen Augenund Mienen einen solchen Verwand nöthig, wiedie Allmacht des Genius ist, um mit Schmer-zen der dichterischen Täuschung verwechselt zuwerden.

Nie hat ein Arzt seine Kranke mit größererTheilnahme und Schonung ausgefragt, als er Klo-tilden im nächsten Zwischenakte: er entschuldigteseine Zudringlichkeit mit dem Befehle der Fürstin.Ich muß vorher berichten, daß die Kranke, — ober gleich bisher ein fallender Petrus war, den man-ches Hahngeschrei mehr zum Weinen als zum Bes-ser» gebracht — doch die zweite Person blieb, dieer nie verleugnete, d. h. die er nie mit seinenjetzigen frivolen, launigen, kühnen, fangendenWendungen anredete. Die erste Person, welche erzu hoch achtete, um mit seinem jetzigen Herzen ansie zu schreibet! — war sein Emanuel.

KlotilLe antwortete ihm; "sie sei so wohl, wie«immer: das einzige, was an ihr krank sei,«(sagte sie lächelnd) nämlich die Farbe, sei schon«unter den Händen einer Wundärztin, die sie wi-"der ihre Neigung blos von außen heile.« Diesescherzhafte Erwähnung des von der Fürstin dekre-tierten Schminkens hatte die doppelte Absicht, ihrSchminken zu entschuldigen, und den Doktor ausseinem weichherzigen Ernst zu bringen. Aber daserste war unnvthig — da im Theater sogar Damen,die nie Roth auflegen, eS beim Eintritt indie Loge auftrugen und beim Ausgang aussiri-