Band 
I.
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H esp erus.

s

zusammenzuziehen und sich keine Szenen vorzu-

zeichnen, blos damit er-nicht in Thränen

ausbräche, bevor das Licht weg wäre.

Immer höher stieg das Zuggarn hebender Tönemit seinem ergriffenen Herzen empor. — Einewehmüthige Erinnerung um die andere sagte in.dieser Geisterstunde der Vergangenheit zu ihm:»erdrücke mich nicht, sondern gib mir meine»Thräne"—Alle leine gefangnen Thränen wurdenuni sein Herz versammelt und sein ganzes Innereschwamm aus dem Boden gehoben, sanft in ihnen

— Aber er faßte sich: »kannst du noch nickt ent-behren, (sagt' er zu sich) nicht einmal ein nasses»Auge? Nein, mit einem trocknen nimm dieses»beklommene Echo deiner ganzen Brust, nimm»diesen Nachhall aus Arkadien und alle diese wei-»nenden Laute in eine zerstörte Seele auf" —Unter einer solchen überhüllten Zerfließung, dieer oft für Fassung nahm, wars allemal in ihm,als wenn ihn aus einer fernen Gegend eine bre-chende Stimme anredete, deren Worts den Silben-fall von Versen hatten; die brechende Stimmeredete ihn wieder an: »Sind nicht diese Töne aus„verklungenen Hoffnungen gemacht? Rinnen nicht„diese Laute, Hvrivn, wie Menschentage in einan-der? O blicke nicht auf Lein Herz; in das stäu-pende Herz malen sich wie in einen Nebel die„vorigen schimmernden Zeiten hinein" — Gleich-wohl antwortete er noch ruhig: »das Loben ist ja„zu kurz für zwei Thränen, für die des Kummers„uns für die andre" .... Aber als jetzt dieweiße Taube, die Emanuel im Gottesacker nieder-fallen sah, durch seine Bilder sieg — als er Lachte,„diese Taube hat ja schon in meinem Traum von„Klotilden geflattert und sich an die Eisberge ge-klammert: ach sie ist das Bild des verwelkendenEngels neben mir" — und als die Töne immerleiser flatterten und endlich in dem flüsterndenLaube eines Todtenkranzes umherliefen — undals die brechende Stimme wieder kam und sagte:„kennst du die alten Töne nicht ?— Siehe, sie gingen„schon in deinem Traum vor ihrem Wiegenfeste„und senkten dort bis aus Herz die kranke Seele„neben dir ins Grab, und sie ließ dir nichts zu-rück, als ein Auge voll Thränen und eine Seele

„voll Schmerz"-»Nein, mehr ließ sie mir

„nicht" — sagte gebrochen sein müdes Herz, undalle seine bekämpften Thränen drangen in Strö-men aus den Augen....

Aber das Licht ward eben aus dem Zimmer ge-tragen, und der erste Strom fiel ungesehen inden Schooß der Nacht.

Die Harmonika fing die Melodie der Todtenan: »Wie sie so sanft ruhn!" ic. — Ach in solchenTönen schlagen die zerlaufenden Wellen des Mee-res der Ewigkeit an das Herz der dunklen Men-schen, die am Ufer stehen und sich hinübersehnen!

— Jetzo wirst du, Horion, von einem tönendenWehen aus dem Regendunst des Lebens hinüber-gehoben in die lichte Ewigkeit! — Höre, welcheTöne umlaufen die weiten Gefilde von Eden!Schlagen nicht die Laute, in Hauche verflogen,an fernen Blumen zurück, und umfließen, vomEcho geschwollen, den Schwanenbusen, der selig-zergehend auf Flügeln schwimmt, und ziehen ihnvon melodischen Fluten in Fluten und sinken mit

ihm in die fernen Blumen-ein, die ein Nebel auSDüften füllt, und im dunklen Duft glimmt dieSeele wieder an wie Abendrot!), eh' sie selig un-tergehet? —

Ach Horion, ruht die Erde noch unter uns, dieihre Tooeshügel um Las weite Leben trägt? Zit-tern diese Töne in einer irdischen Luft? Ö! Ton-kunst, die du die Vergangenheit und die Zukunftmit ihren fliegenden Flammen so nahe an unsreWunden bringst, bist du das Abendwehen ausdiesem Leben oder die Morgenluft aus jenem?— Ja, deine Laute sind Echo, welche Engel denFreudentönen der zweiten Welt abnehmen, umin unser stummes Herz, um in unsre öde Nachtdas verwehte Lenzgetön fern von uns fliegenderHimmel zu senken! Und du, verklingender Har-mvnikaton! du kömmst ja aus einem Jauchzen zuuns, das von Himmel in Himmel verschlagen,endlich in dem fernsten stummen Himmel stirbt,der aus nichts besteht, als aus einer tiefen, wei-ten, ewig stillen Wonne. . ..

»Ewig stille Wonne (wiederholet Horions auf-gelöste Seele, deren Entzücken ich bisher zu mei-nem machte) ja, dort wird die Gegend liegen, wo»ich meine Augen aufhebe gegen den Allgütigen,»und meine Arme ausbreite gegen sie, gegen»diese müde Seele, gegen dieses große Herz —»Dann fall' ich an dein Herz, Klotitt s, dann um-»schling' ich dich auf ewig, und die Flut der ewig»stillen Wonne hüllt uns ein — Wehet wieder»nach dem Leben, Erdentöne, zwischen meiner und»ihrer Brust, und bann schwimme eine kleine»Nacht, ein wallender Schattenumriß auf eueren»lichten Wogen daher, und ich werde hinsehen»und sagen: das war niein Leben — dann sag' ich»sanfter und weine stärker: ja der Mensch ist»unglücklich, aber auf der Erde nur."

»O gibtS einen Menschen, über welchen bei diesenletzten Worten die Erinnerung große Regenwol-ken zieht, so sag'ich zu ihm: geliebter Bruder,geliebte Schwester, ich bin heute so gerührt wiedu, ich achte den Schmerz, den du verbirgst —ach du entschuldigst mich und ich dich. . ..

Das Lied stand still und tönte aus. — WelcheStille jetzt im Dunkel! Alles Seufzen war in einzögerndes Athmen eingekleidet. Nur die Nebel-steine der Empfindung funkelten hell in der Fin-sterniß. Keiner sah, wessen Auge naß gewordenwar. Viktor blickte in die stille. schwarze Luft vorihm, die vor wenig Minuten mit hängendenGärten von Tönen, mit zerfließenden Lustschlös-sern des menschlichen OhrS, mit verkleinertenHimmeln erfüllt gewesen und die nun da blieb alsnacktes schwarzes Feuerwerkgerüst.

Aber die Harmonika füllte dieses Dunkel baldwieder mit Lufterscheinungen von Welten an.Ach warum mußt' es denn.gerade die meinen Vik-tor nagende Melodie des »Vergißmeinnicht" tref-fen, die ihm die Verse vortönte, als wenn er sie Klo-tilden vorsagte: »Vergiß mein nicht, da jetzt des»Schicksals Strenge dich von mir ruft—Vergiß mein»nicht, wenn lockre kühle Erde dies Herz einst deckt,»das zärtlich für dich schlug—Dennk, daß ich es sei,»wennS sanft in deiner Seele spricht: vergiß»mein nicht" . . . O wenn »och dazu diese Tönesich in wogende Blumen verschlingen, aus einer