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Hesp erus
— und fand : im Tempel. Er stieg unter demHeruntertraben der Kirchgängen »»gehört hinaufin die außen leer scheinende adeliche Frontloge,dieses Blumengesiell der Stift - Nonnen. Es warheute nichts darin als entfallne Birkenblälter;denn die sämmtlichen Nonnen und die Acbtisllnund Klotilde standen — unten in der Kirche undfaßten den Altar mit einem Chor von singendenEngeln ein und empfingen daran das Abendmahl.— Mit einem Freudenschauer blickte er die Köni-gin seines Himmels an, die so theuer Geliebteund so Unverdiente, den glänzenden Engel, derseine Hülle aus Erdenschnee mit der himmlischenWärme zu Thräne» zerschmilzt, um bald unsicht-bar zu werden. — — Sein Geist bog sich als siekniete: "Himmelfriedcn trinke (sagt' er) .aus dem»Ordenkelche des großen Menschen, unter dessen»Gedanken keine Wolke und kein Seufzer war —»o der Gedanke, den du jetzt mit so fester Andacht»anschauest, müsse immer leuchtender und unbe-»weglich wie eine Sonne werten und immer ei».»warmes Abendlicht über die müde Seele werfen!"— Dieser Engel im Trauerkleide zog in seinemInnern durch eine Todtenauferweckung alle Tu-genden seines Lebens und alle Fehler desselbenherauf und gab jenen einen Himmel und die-sen ihre Hölle; daher war er jetzt zu heilig, umeins Heilige zu stören durch seine Erscheinung,wenn anders ihr ruhendes nur in fromme Rüh-rung eingesenktes Auge, das nicht einmal auf dienähern frommen Schönheiten zur Höhenmeffungder Taille fiel, sich bis zu ihm hätte versteigenkönnen. Die Birke am erste» Fenster der Empornahm er als belaubten Fächer vor; — diesergrüne an seinen Wangen spielende Schleier be-deckte seine Aufmerksamkeit und seine Frcuten-thränen vor der ganzen Kirche. Der Ort, wo erso glücklich war, schien, »ach einer Glasinschriftzu urtheilen, sonst der gewöhnliche Stand Klo-tildens gewesen zu sein; denn Giulias ihrer wardarneben, wie ich gewiß weiß, weil auf dem Lo-genfenster ein von einem Kranz umfaßtes 6 undeiugeschnitten war mit den Worten von Giu-lia: »So vereinen uns die Blumen des Lebensund der Zirkel der Ewigkeit." . . .
Viktor schlich ungesehen und früh sich ausdieser Bilderblinde weggestcllter Göttinnen fortund trug das von der Liebe gefüllte Herz an dieI offne Brust der Freundschaft — an Emanuel.
! Er sah schon dessen Stifthütte im Tempel der! Natur — als seine Entzückung aufgeschoben wurdedurch eine frühere. Julius lag im blühenden Grase,
> von dessen Wellen bespült, und hielt einen Kir-j schenzweig voll offner Honigkelche in der Hand,
! um die Bienen an sich zu ziehen und sich an ih-rem summenden Schweben über den Blüten zubelustigen. Viktor umschlang ihn und vergaß in
! der Entzückung seinen Namen zu nennen —
> »bist du mein Engel? " sagte er — „Ich bin nurdein Viktor!" — „O komm, o komm!" sagte der
: Blinde wie ein Wohllaut bebend und zog denFreund zu Emanuels Haus; aber er führte ihn,hinter der Wolke seiner Augen, den lungern Wegund drehete sich noch dazu bei jedem vierten Schritteum, zu einer erneuerten Umschlingung.
Als sie ans Wasserrad kamen, das seine Gieß- !
kanncn laut auf die Vlumenfaaken ausschütteteund dessen zersplitterte Blitze an den Fenstern undan der StubenLecke Emanuels flatterten: so sagteder Blinde: »umfasse mich noch einmal recht sehr."
— Aber unter dem Getöse der Regengüsse und
unter der Betäubung der Liebe wurden sie vonandern Armen als den ihrigen zusammengedrücktund die zwei jungen Herzen wurden an ein drit-tes angereiht, uns der Jnsier schauste wie einGott der Liebe zwischen sie und sagte: »v ihr gu-ten Jünglinge, bleibet immer so und weinet fort lin eurer seligen Liebe! — Sei gesegnet, meinHorion, sei willkommen im großen Frühling um ^uns her!" — Und als Emanuel und Viktor an leinander sanken, so war es als ob alle Blumen- ^beete sich vor Wonne niederbogen, als ob alle jWogen lichter flammten unter darüber fliegendenüberirdischen Blitzen, als ob die Zephvre vonSeufzern der Liebe anschwöllen, als ob höhereWesen im freudigen Uebermaße flüstern müß-ten: o, ihr guten Menschen, ihr liebet ja wiewir! — !
Ein Arm aus einem Paradiesesflusse trug diese lliebende Dreieinigkeit hebend in die übergrünten !Zimmer, und hier sah erst Viktor, daß der Früh-ling aus DahoreS Wangen war und der Sommerin seinen Augen, so wie zwölf Wonnemonate inseinem Herzen. Die weißen Trauerrvstn aufseine» Wangen, die immer als Mauerkronendes Todes dem Johannistage entgegen zu blühenschiene», waren den rothen gewichen — kurz Ema-nuels Gestalt gab die Hoffnung, daß er über sei-nen Tod ein falscher Prophet gewesen sei.-
In diesem wehenden Zimmer, dessen goldneWandleisten Lindenäste und dessen Pracbttapeten lLindenblätter waren, und über dessen Thür alsThürgemälde der Widerschein und die Nebenson-nen deS schimmernden Wasserrades zitterten, indiesem vom Freudenmeere der Natur umbrause-ten Eiland von Zimmer, durch dessen offne Fensterdie Zephyre Schmetterlinge und Bienen über dieFensterblumen in die Linden warfen, gingen mei-nem Helden, dem noch dazu das Mittaggeläutewie ein Geläute zu einem Friedenfeste vorkam,die Blumen der Freude, worin er watete, bis andas Herz. — Emanuels Poesie klang ihm in die-ser epischen Berauschung wieProse; er war gleich-sam eingesunken in ein Blumengebüsch unserblickte oben darüber einen genesenen Unsterbli-chen, der die Blütenüberhüllung aus einander bog
— und noch höher eine ewige Pfingsisonne imendlosen Blau — und näher Las Sprieße» deSBlumenlaubes und das Bienengewimmel darüber
— und eins goldne Morgenröthe als Einfassung-gewächs rund um die ganze bunte rauchende Wal-dung geschlungen . . .
— Beim Himmel! — nur in einer unfigür-lichen solchen Blnmenholzung zu liegen, wäreschon etwas — geschweige gar in einer metapho-rischen! — Viktor war fromm aus Freude, ausUsberfüllung still, aus Dankbarkeit genügsam.Der Anblick deS gemeinschaftlichen Lehrers gabzwar Klotildcns Bilde wärmere Farben undseiner Seele höhere Flammen, aber seinenWünschen keine Unersättlichkeit und keine Un-geduld.