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Hesp e ru s.
bögen in Mondsicheln und endlich in Schatten zu-rückgeführt erblickte.-
O wie oft hatt' er nicht in seinen Kinderträu-men in seinen Landschaftgemälden, die er sich vonden Tagen des Paradieses entwarf, diese Nachtgesehen und kaum gewünscht, weil er sie auf derrauhen Erde nie zu erleben hoffte; und jetzostand diese Edennacht mit allen um sie hängendenBlüten und Sternen ausgeschaffen vor ihm? —Und wer von uns hat nicht in irgend einer zaube-risch beleuchteten Stelle seiner Phantasie und sei-ner Hoffnung ein eben so großes Nachtstück einerkünftigen Lenznacht aufgestellt, wo er wie in die-ser mit allen Freunden auf einmal (nichtimmer allein) glücklich ist — wo wie in dieser dieNacht nur als ein Schleier durchsichtig über denTag geworfen ist, wo der rothe Gürtel, den dieSonne beimEinsteigen ins Meer abgelegt, bis anden Morgen auf dem Rand der Erde schimmerndliegen bleibt — wo die langen Seelentöne derNachtigall laut durch das aus einander rinnendeAdagio ziehen und sich aus dem Echo erheben —wo wir lauter befreundeten Seelen begegnen undsie trunken anblicken und durch das Lächeln fra-gen : v du bist doch auch so glücklich wie ich? undwo das fremde Lächeln es bejahet — eine Nacht,o Gott, wo du unser Herz »oll und doch ruhiggemacht, wo wir weder zweifeln noch zürnennoch f ü rchten, wo alle deine Kinder an deinerBrust in deinen Armen ruhen und die Hände ih-rer Geschwister halten und nur mit halb geschlos-senen Augen schlummern, um sich anzulächeln? —— Ach da der Seufzer, womit ich dieses schreibeund ihr es leset, uns daran erinnert, wie seltensolche Frühlingnächte auf unsere Erde fallen: soverübelt eS mir nicht, daß ich das schwelgerischeGemälde dieser Nacht nur langsam vollführe,damit ich einmal in meinen alten Tagen michan der gemalten Stunde der jetzigen Begeiste-rung erquicke und etwan sagen könne: ach duwußtest es damals wohl, daß du niemals einesolche Nacht erleben würdest, darum warst tuso weitläuftig. Und was anders als versteinerteBlüten eines Klima, das auf dieser Erde nicht ist,graben wir aus unserer Phantasie aus, so wiemau in unserm Norden versteinerte Palmbäumeaus der Erde holt. . . .
Viktor ging zum stillen Julius au der Nachti-gallenhecke und legte ihm Nachtviole» in die Handund küßte ihn auf das verhangne Auge, das nichtsehen aber doch weinen konnte vor Freude — unddie benachbarte Nachtigall hielt nicht inne unterdem Kuß. Er kam den Garten hinauf als Ema-nuel herunter kam, neben dem Morgenspring-brunnen sahen sie einander an, und Emanuels An-gesicht leuchtete im Widerschein der Wellen alswenn er vor dem Engel des Todes stände und zer-flösse, um zu sterben, und er sagte: »Der Unend---liche drückt uns heute an sich — warum kann ich--nicht weinen, da ich so glücklich bin." — Und alssie wieder aus einander waren, rief er seinen Vik-tor zurück und sagte: - schau wie blühendroth der--Abend gegen Morgen zieht wie ein Sterbender,--als wenn ihn die Töne fortrückten — schau, die--Sterne hängen wie Blüten aus der Ewigkeit in j--unsere Erde herein — schau die große Tiefe, wie
--viel Frühlinge grünen heute auf so viel tausend--darin ziehenden Erden." —
Die Mädchen hatten sich nach kurzen Gängenbald auf 'die Grasbäuke der Terrassen paarweiseoder in der Zahl der Grazien niedergesetzt. Klo-tilde, die allein gewandelt war, that es endlich auchund setzte sich zu einer einsamen Freundin auf dervierten Terrasse, neben den bunten Sonnen-Ne-genbogen aus Blumen, hinter welchem der Mond-Regenbogen aus Wasser blinkte. Diese Freundin !rief den kommenden Viktor zum Schiedrichter ei-nes tugendhaften Zwistes herbei: --Wir haben ze-rstritten, sagte die Freundin, was süßer für gute--Menschen sei, wenn sie vergeben, oder wenn ihnen--vergeben wird. Ich behaupte durchaus, vergeben--ist süßer." — Und mir kommt es vor (sagte Klo-tilde mit einer gerührten Stimme, die alle lieb-reiche Gedanken ihres schonenden Herzens, alleihre dankenden Erinnerungen an ihre letzte Ent-zweiung mir Viktor und an sein schönes Vergebenentdeckte), --es sei schöner, Vergebung zu erhalten,--weil die Liebe gegen die verzeihende Seele durch--die eigne Demuth reiner und durch die fremde--Güte größer wirk." Etwas Lieblicheres wurdewohl unserm Viktor nie gesagt. Seine Rührungund sein Dank machten ihm das Entscheiden schwer:aber Klotilds half seinen Träumen durch' dieWendung ein oder ab: --ich habe meine gute Ehar---lotte schon an vorgestern erinnert, aber sie--bleibt dabei." Sie meinte den Beicht- undRbendmahltag, wo die schönen Herzen alle von ein-ander Vergebung baten und bekamen. Viktorantwortete endlich zugleich wahr und beziehend ^und fein: --Sie setzen beide, glaub' ich, unmögliche .--Fälle: kein Mensch hat ganz Unrecht und keiner--ganz Recht; uud wer vergibt, dem wird zugleich--vergeben und umgekehrt — so theilen zwei Men---scheu, die sich versöhnen, immer die Freude der--Verzeihung und die Freude der reinern und--g rößern Liebe mit einander."
Viktor ging, um eine Rührung zu verbergen,durch die er eine fremde zu sehr erhöhte. Aberauf seinen nahen und fernen Wegen zwischen Tö-nen und Blüten hielten in ihm Gefühle an, dieseine Liebe verdoppelten und verherrlichten: er-fühlte, daß der stärkste Ausdruck der Liebe nickstso fest und innig in die Seele greife als Ver-se i n st e. Allein als er vor der Sonnenuhr vor-überging, die mit einem Maßstabe aus SchattenunS andern Schatten ihre engen glücklichen Inselnzuzählte, und als ihm der Mond auf der Wageniit seiner innenstehenden Schatkenzunge die letz-ten Minuten dieser frohen Stunde vorwog, weiler nach Mitternacht hin zeigte, gleichsam als wenner schriebe: es ist sogleich vorüber: so trat dcrEngländer allein langsam und niederblickend auSdem Florgcwebe und ging unter die Töne, umsie wegzuführen mit dem ganze» Himmel um sie.Viktor, der im stillen Meer der tiefsten Freudenicht mehr nach Gegenden steuerte, sondern zu- 'frieden darauf taumelte und ruhte, und in der 'Zukunft nichts begehrte als die Gegenwart, wan-delte jetzo nur auf den langen Terrassen hin undher anstatt den Garten auf und abzusteigen — er-stand gerade auf der obersten, auf der Blumen-terraffe, an dem Morgenspringbrunnen und sah