Band 
I.
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Hesperus.

den dämmernden Weg hinüber zum blinkendenAbendbrunnen, und der Schnee des Mondes lugtiefer und weißer gefallen die glückselige Ebenehinab, und dieses blühende Zuckerfeld kam seinemträumenden Herzen wie eine in diese Erde hin-einreichende Landspitze der Insel der Seligenvor, und er sah ja lauter selige Menschen auf die-sem Zaubergefilde gehen, ruhen, tanzen, hier ein-sam kort in Paaren, dort in Gruppen, und un-schuldige Menschen, stille Kinder, sanfte tugend-hafte Mädchen, und er schauete zum gestirntenHimmel aus und sein Auge voll Thränen sagtezum Allgütigen: o gib auch meinem guten Vaterund meinem guten Flamin eine solche Nacht —

— als er plötzlich die Tone wie abgewehrt ver-nahm und den Britten mit den Kindern ziebensah, und das Schwanenlied eines Maestoso wurdevorausgetragen vor der entfliehenden Jugend. , ..

Viktor ging oben mit den wegschwimmendenTönen und die Sterne schienen niitzuschivimnienund die Gegend mitzugehen —auf einmal stockte eram Ende der Blumenterrasse vor den EbenbildernGiulias, den weißen Hyazinthen, vor der Freun-din GiuliaL, vor — Klotilde. . . Augenblick! dernur in der Ewigkeit wiederholt wird, schim-mere nicht so stark, damit ich es ertragen kann,bewege mein Herz nicht zu sehr, damit es dichbeschreiben kann! — Ach beweg'es nur wie diezwei Herzen, denen du erschienst, du begegnestuns allen nicht mehr. . . . Und Klotilde und Vik-tor stanken unschuldig vor Gott, und Gott sagte:weint und liebt wie in der zweiten Welt bei mir

— Und ste schaueren sich sprachlos an in der Ver-klärung der Nacht, in der Verklärung der Liebe,in der Verklärung der Rührung, und Wonnezäh-ren deckten die Augen zu, und hinter den erleuch-teten Thränen stiegen um sie verklärte Weltenaus der dunkeln Erde auf, und der Abendspring-brunnen legte sich glimmend wie eine Milchstraßeüber sie herüber und der Sternhimmel schlugfunkelnd über ste zusammen und das entweichendeVertonen spülte die aufgehobnen Seelen vom Er-dennfer los. . . . Siehe! da trieb ein kleines We-hen die entfliegenden Laute heißer und näher anihr Herz, nnd sie nahmen ihre Thränen von denAugen; und als sie umher schaueten in der Ge-genwart : so bewegte das melodische Wehen alleBlüten im Garten, und die große Nacht, die mitRiefengliedern im Mondschein auf der Erdeschlief, regte vor Wonne ihre Kränze aus abgeschat-teten Gipfeln und die zwei Menschen lächeltenzitternd zugleich und schlugen miteinander die Au-gen nieder und hoben sie miteinander auf undwußtens nicht. Und Viktor konnte endlich sagen:"Olmöge das edelste Herz, taS ich kenne, so'-unaussprechlich selig sein wie ich und noch seliger!,-So viel hab' ich nicht verdient." — Und Klo-tilde sagte in einem sanften Tone: ,-ich bin den--ganzen Abend meistens allein geblieben, blos um--vor Freude zu weinen, aber er ist zu schön für--mich und die Zukunft. .. Die umkehrendenGespielinnen kamen den Garten herauf und beidemußten aus einander scheiden; und als Viktor»och mit erstickten Lauten sagte: --Ruhe wohl, du"edle Seele — solche,Freudenthränen müssen im-"iner in deinen Augen stehen, solches melodische

--Getöns müsse immer um deine Tage rinnen.

--— Ruhe wohl du himmlische Seele." und alsein Blick voll neuer Liebe und ein Auge vollneuer Thränen ihm dankte; und als er sich tief,tief bückte vor der Heiligen, Stillen, Bescheid-nen, und aus Ehrfurcht nicht einmal ihre Hand §küßte; so umarmte in der Uustchtbarkeir ihr Ge- lnius seinen Genius vor Entzücken, daß ihre !zwei Kinder so glücklich waren und so lügend- :haft.-

O wie wohl that jetzt seiner überschütteten Seele >sein geliebter Dahore, dein er unter den lautenKastanien nachkam, und an den er mit allen sei-nen Thränen der Wonne, mir allen seinen Lieb-kosungen des trnnknen Herzens fallen durste:--mein Emanuel, ruhe sanft: Ich bleibe heute--Nacht unter diesem gute» warmen Himmel um»uns her." — „Bleibe »ur, Guter, (sagte Ema-"iiuel) eine solche Nacht zieht durch keinen Früh-"ling mehr." . . . Hörst du ( fuhr er fort, als diei» die Unermeßlichkeit entrückten Töne gleichsamwie Abendsterne des untergegangenen Glanzes,wie Herbsistimmen des wegziehenden Sommerge--sangs in die sehnsüchtige Seele hineinriefen)--hörst du daS schöne Vertonen? Siehe, eben so"töne am längsten Tage meine Seele aus, eben--so liege dein Herz an meinem und so sage wie-heute: ruhe wohl!" . . .

Dem letzten Geliebten entsunken schwankte Vik-tor im gemischten Zwielicht der wehmüthigen Be-geisterung zurück durch die vom Mondlicht durch-brochnc, gleichsam von Stralcn tropfende Allee,um in der Blütsnliöhle, wo er zuerst Klvtilke hiergefunden , das träumende Haupt an ein Kopfkissenvon Blutenkelche» anzulehnen. . . . Und als erlangsam und allein und »lit elystschen Erinnerun-gen und Hoffnungen durch den in die 'Allee ge-wachsene» Laubengang zwischen den einwiegendenBäche» hinwankke: so. schwammen noch niedrigeWogen des weggetraguen Getönes in die Phantaste mehr als in die Ohren, und nur die Nachti-gall regierte laut über die beseelte Nacht. Dasank unnennbar beglückt nnd wonne,ischwer derletzte Mensch dieser Nacht von den fünf Stufenseines himmlischen Bettes durch die Zweigvergit-terung in das dunkle Blütendickickt hinein.-

Bethauets Sprossen fielen kühlend an seine ent-zündete Stirne, er legte die zwei Arme ausgestrecktauf zwei Armlehnen von Zwergbäumc» und schloßeulzückr die heißen Aligenlieder zu, nnd das Fcrl-tönen der Nachtigall und der fünf Quellen um ihnwehte» ihn einige Strecken weit in den dämmern-den Wahnsinn des Traumes hinüber — aber dieFreudenjnbel hinausschreiende Nachtigall schlugdurch seinen Traum, und als er die Augen, inhalbe Träume verschlagen, austhat, schoß der Blitz

des Mondes Lurch das weiße Gesträuch-

dennoch, von den vorigen Szenen befriedigt,lächelte er nur halb außer sich uns überhüllte dasAuge wieder und ließ sich ganz in den harmoni-schen Schlummer hinunter . . . »nr einige ge-brochne Laute sang er noch in sich. . . nur einigemal regte er noch die liegenden Arme zu Umfas-sungen . -. und nur im Ersterben des Schlummersund der Wonne stammelte er Einmal noch dunkel:Geliebte!. .,