Band 
I.
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Hesp

Und so schön, großer Allgütiger, lass' uns andereMenschen in der letzten Nacht entschlafen wie Vik-tor in dieser, und lass' es auch unser letztesWort sein: Geliebte! —

Vierter und letzter Mngsttag.

(36. Hundposttag.)

Hvassuthc — Die Stimme vom Unter Emanucls —Brief vom Engel — Flöte auf dem Send —ZweiteNachtigall — Ihschied — Geistet-erscheinung.

Eben ist der Anhang zum vierte» Freudentageeingelaufen. — Ich komme nach dem Seufzer, wo-mit man gewöhnlich am Tage nach den Festtagensagt, daß man sie begrabe, wieder vor das blühendeBette meines Freundes und öffne Le» grünendenVorhang; gegen neun Uhr erst zog ihn eine nah'an seinen Handen schlagende Grasmücke mühsamauS einem tiefen Traummcer. Aber die Schatten-figuren, die der Hohlspiegel des Traums in derLuft aufgerichtet hatte, waren alle vergessen; nurdie Thränen, die sie ihm auSgeprcffet, standen nochin seinen Augen und er entsann sich nicht mehr,warum er sie vergossen hatte. ES war heute Qua-tember, der wie andere Wetter - und Monkverän-derungen unser Traum-Echo lauter und vielsilbigermacht. — 2» einer sonderbaren Erweichung jchluger die Augen auf vor der weißen Dämmerung desAxfelblüten-UeberhangS, vor dem Wirrwarr desgrünen Gespinnstes — seine Hand jagte die Gras-mücke durch das Gebüsch — es war schwül um die-sen Schatten, die Baumgipfel waren stumm undalle Blumen gerade — Bienen bogen sich von Sand-körnchen herab in die Quellen um ihn und schlurf-ten Wasser — von den Weiten tropften weißeFlocken, uns alle Riechfläschchen der Blüten unddie Rauchgefäße der Blumen übergössen seineSchlafstätte mit einem süßen schwülen Dunst. . .

Er führt seine rechte Hand anS nasse Auge underblickt darin mit Erstaunen eine weiße Hyazinthe,die ihm jemand heute mußte hineingelegt habe». .Er verfiel auf Klvtilde; und sie wars auch gewe-sen. Vor einer halben Stunde trat sie an diesesBlumenbeete — ließ sogleich das Gesträuch leisewieder zusammen schlagen — zog es aber doch wie-der aus einander, weil sie die Thränen des verges-senen Traums über das Angesicht des glühendenSchläfers rinnen fah — ihre ganze Seele wurdenun ein weicher segnender Blick der Liebe undsie konnte sich nicht enthalten, das Denkmal ihresMorgenbesuchs, die Blume, in die Hand zu legen— uns eilte dann leise in ihr Zimmer zurück.

Er trat eilig in den leuchtenden Tag, um dieGeber!» einzuholen, deren Morgengabe er leideraus Besorgnis der Zerstörung so wenig wie sie ausHerz anpressen durfte. O wie that es ihm wehe,als er im Freien vor dem 'heri'nhutischen Gottes-acker der heimgegangnen Himmelnacht, vordem ruhenden Garten stand und als er auf die kab-le» ausgemäheten eingetretene» Tanztennen und

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auf die verstummte Nachtigallenstaude blickte undauf die Berge, woran die Kinder weideten vom ge-strigen Schmucke entkleidet! Da erschien der ver-gessene Traum wieder und sagte: weine noch einmal,denn das Rvsenfest deines Lebens beschließet sichheute und der letzte von den vier Flüssen des Pa-radieses trocknet in wenig Stunden gänzlich aus!— --O ihr schönen Tage, sagte Viktor, ihr verdient»es, daß ich euch verlasse mit einer Erweichung"vhne Maß und mit Thränen ohne Zahl!" — Erfloh auS dem zu harten Taglicht in die Zelle auSFlor, damit sie den hellen Vorgrund des Tages zueinem dämmernden Hintergrund ummalte, mit keingestrigen Mondschein überdeckt; und unter diesemLeichenschleier der erblichenen Nacht setzte er sichvor, dem verarmenden Herzen heute seine letzteFreude ganz im Uebermaß zu gönnen, nämlich seinSehne». Er trat aus dem Flor, aber der nächt-liche Mondschein wich nicht von der Flur; erschauete auf in den blauen Himmel, der uns mitEiner langen Flamme betastet, aber die verhülltenSterne der Mitternacht schickten herausquellendekleine Stralen an die verdunkelte Seele; er sagtesich zwar: --der Eisberg, auf dem bisher meine--Vernunft halbe Bergpredigten abgelegt, ist unter--der Freudenglut zu einem Maulwurshügel einge---laufeu," aber er setzte hinzu: --heute frag' ich--nach nichts."

Er kam zu Emanuel mit nassen Augen. Diesersagte ihm, daß sich das erste Glied der gestrigenBlumenkette, nämlich der Britte mit seinen Leutenschon in der Nacht aufgelöset habe. Aber je län-ger er Emanuel ansah und an morgen dachte —denn morgen lehnt auch er vor Tags die Garten-thüre dieses Paradieses leise hinter sich zu, undheute Nachmittags nimmt er von der Aebtissinund Abends von der Geliebten Abschied, um Liessnicht im Ablesen der bekannten Engelö-Epistel zuhemmen — desto drückender waren seine Augengespannt, und er ging lieber mit einen, sich selbervollblutenden Herzen hinaus ins Freie und führteden Blinden mit, der nichts errieth, nichts erblickteund vor dem man ohnehin wie vor einem Kindegern sein Innerstes entkleidete.

Aber diesesmal war 2uliuS in derselben Er-weichung, weil er den ganzen Morgen den Engelin seiner dämmernde» Seele spielen und fliegensehen. Die Sehnsucht nach dem Engel brütetesein ruhendes Herz zum Pochen an, und er sagtemit einem ungewöhnlichen Schmerz: --wenn ich--nur sehen könnte, nur etwas, nur meinen Vater,--oder dich!" Die überstäubten Erinnerungen anseine Kindheit wurden aufgeschüttelt; und ausdieser in Wolken stehenden Zeit trat besonders EinTag heraus vor ihn, morgenhell, blau und vollGesang, und trug drei Gestalten auf seinem Ne-belboden, Julius eigne und die der zwei Kinder,von denen er sich vor ihrer Einschiffung nachDeutschland gefthieden hatte — es entflossen ihmTropfen, ohne daß er es merkte, da er geradediesem Viktor, der das folgende gethan hatte, dasKüssen und Umhängen und Nachrufen des einenKindes matte, das ihn am meisten liebte und im-mer trug. --Und ich denke, fuhr er fort, jeder, den--ich gern höre, habe das Gesicht dieses guten Kin---dcS und auch d u. Oft wenn ich einsam diese Ge-