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Hesperus.
»stall in meinem Dunkeln anschaue und warme"Tropfen auf den Lippen spüre und in eine schmach-"tcnde schlummernde Wonne falle: mein' ich, eS"quelle Blut aus meinen Lippen und mein Herz"siedet — aber mein Vater sagt, wenn dann meine"Augen plötzlich aufgethan würden und ich sahe„meinen Engel an oder das gute Kind oder einen"schonen Menschen, dann würde ich sterben müssen
"vor Liebe."-„O Julius, Julius, (rief sein
Viktor) wie edel ist dein Herz! Das gute Kind,das du so liebst, wird bald mein Vater an dich le-gen, eS wirb dich so küssen, so lieben, so drückenwie ich jetzt. — "
Er führte ihn zum Essen zurück; er selber aberblieb biS NacdmilcagS unter dem Himmel und seinHerz legte stille Trauer an unter Bäumen vollBienen neben Gesträuchen voll äzenden Vögeln,auf allen bisherigen Spaziergäugen und Svnnen-wegen dieses sterbenden Festes — und es standenalle Kinderstunden aus dem Winterschlafs des Ge-dächtnisses auf und berührten sein Herz, aber eszerfloß. — O wenn uns weit entlegne Minutenmit ihrem Glockenspiel antönen, so fallen großeTropfen aus der weichen Seele, wie das nähereHerüberklingen ferner Glocken Regen bedeutet.Ich verdenke dir nichts, Viktor, — du bist dochnur weich, aber nicht weichli ch — so gutdir dein Biograph deine Erweichung nachzuschrei-ben und dein Leser sie nachzufühlen vermag, ohnedie festen Muskeln des Herzens abzuspannen, ebenso gut vermagst du es auch, und nur ein Mann,der bittere Thränen erpressen kann, wird süße ver-höhnen und keine selber vergießen.
Endlich ging Viktor zur letzten Freude, in denGarten des Edens, um mit sanften Thränen in derAbtei von allen Freundinnen abzuscheiden. Einsonderbarer Vorfall verschob es ein wenig: dennindem er von Cmanuel wegging, stieß ihn: Juliusauf, der aus dem Garten kam und ihm sagte:„wenn er zu Emanusl wolle, er fei im Garten."— Sie erhoben einen freundschaftlichen Streit,weil jeder ihn gerade jetzo gesprochen haben wollte.Wiktor ging mit ihm zu Emanucl zurück und hiererzählte Julius seinem Lehrer jedes Wort des vor-geblichen Gartengesprächs mil^ihm: »z. B. über„Viktor, über Klotilde, über seinen heutigen Ab-"schied, über die bisherigen frohen Tage,"
Während der Erzählung wurde Emanuels An-gesicht glänzend, als wenn Mvndschimmer davonniederflösse — und anstatt dein geliebten Kinde dieUnmöglichkeit seiner Erscheinung im Garten vor-zustellen, räumte er ihm die Erscheinung ein, undsagte entzückt: -sichwerde sterbe»!—Es war mein»abgeschiedener Vater — seine Stimme klingt wie"Meine — er verhieß mir in seinem Sterben, aus„der zweiten Welt in Liese zu kommen, eh' ich von"hinnen ginge, — Ack ihr Geliebten drüben über„den Gräbern, ihr denkt also noch an mich — o!„du guter Vater, dringe jetzt mit deinem tödtlichen„Glänze vor mich heran und löse mich an deinen,»Munde aus." —
Er wurde noch mehr darin befestigt, weil Ju-lius dazu erzählte, die Gestalt habe sich von ihmden Brief des Engels reichen lassen, ihn aber nacheinem kleinen Lispeln wieder zurückgegeben. DasSiegel war unbeschädigt. Emanuels freudiger
Enthusiasmus über diese Telegraphen deS Todessetzte unzufriedene Schlüsse aus seiner bisherigenGesundheit voraus. Viktor lehnte sich nie gegen dieerhabnen Irrthümer seines Lehrers auf: so stellteer z. B. niemals die Grunde, die er hatte und dieich im nächsten Schalttag anzeigen will, dem un-schuldigen Wahn entgegen: »aus dem Traume"lind aus der Unabhängigkeit des Ich von, Körper"könne man aus die künftige nach dem Tode„schließen — im Traume stäube sich der innere De-"Mant ab und sauge Licht aus einer schönern"Sonne ein." — Viktor erschrak darüber, aberaus andern Gründen: Julius „ahm beide an denOrt der Unterredung mit, der in der verfinster-ten Allee neben der Blütenhöbls war. Niemandwar da, nichts erschien, Blätter lispelten, aberkeine Geister, es war der Ort der Seligkeit, aberder irdischen. —
Viktor ging in den andern, in die Abtei. Klo-tilde war nicht droben, sonder!, im verschlunge-nen Labyrinth des Parks, wahrscheinlich um denInhaber von, Engelsbriefe, Julius, die Gelegen-heit des Vorlesens zu erleichtern. Er nahm, alsdie Sonne gerade den Fensterscheiben gegenüberbrannte, von der guten Aebtissin mir jener feinengerührten Höflichkeit Abschied, auf die sich in ih-rem Stande der höchste Enthusiasmus einschränkte.Die feine Aebtissin sagte ihn,: „der Besuch sei so»kurz, daß er unverzeihlich wäre, wem, nicht Nik-»tvr es dadurch gut machte, daß er ihre» zweiten"Frühlinggast (Klotilden) überredete, den ihrigen«zu verlängern; denn auch diese verlasse sie bald."— Er schied mit einer gerührten Achtung von ihr:denn sein weiches Herz wußte eben so gut hinterder Spitzenmaske der Feinheit und Welt, als hin-ter der Lederkruste der Roheit das fremde weicheauszusühlen.
Als er freilich in den Garten eilte, stiegen dieThränen seines Herzens höher und wärmer —und ihm war, als müßte er den im Angesichts derSonne aufgehende» Mond umschließen, da erdachte: «ach wenn deine bleiche Flocke heute lichter»droben hängt, wenn du allein niederschauest, bin»ich geschieden von meiner Schäferwelt oder scheide»noch." — Und unten ruhte neben der Nachtigal-lenhecke sei» Julius, der helle Thränenströme ver-goß — denn dieser ganze Abend wimmelte vonimmer größer,, Meerwunder» des Zufalls — ereilt zu ihm herab, der Bries des sogenannten En-gels ist geöffnet in seiner Hand, Viktor sagt leise:»Julius, warum weinest du fo?" — »O Gott,"sagte dieser gebrochen: »führe mich unter eins»Laube!" — Er leitete ihn zur überflorten. Ju-lius sagte darin : »recht! hier brennt die Sonne»nicht!" und schlug den rechten Arm »m Viktorund gab ihm den Brief und legte den Arm herumbis an sein Herz und sagte: »tu guter Mensch!„sage mir, wenn die Sonne nieder ist und lies„mir noch einmal den Brief d'eS Engels vor!"
Viktor fing an: »Klotilde!" — „An wen ist»er?" sagt' er. — »An mich! (sagte Julius) und»Klotilde hal mir ihn schon vorgelesen; aber ich»konnte ihn wegen ihres Weinens nicht verstehen»und ich war auch zu betrübt. — Ich werde vor„Kummer sterben, du gute Giulia, warum hast"du mir es nicht vor deinem Tode gesagt. — Die
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