lugt, indem ffe solche erregte. Alles hing so ver-fallen, so verraset znm Einbrechen herüber, indeßdie reinen Spiegelwände in Maienthal fest undglänzend aufstiegen. Denn die Liebe ist das ein-zige, was das Herz des Menschen bis an den Randvollgießet, wiewohl mit einem bald einsinkendenNektarschaume; sie allein fasset ein Gedicht vonetlichen tausend Minuten ab ohne den klirrendenR-Bnchstaben, wie der Dominikaner Cardone übersie ein eben so großes Gedicht unter dem NamenL'R — slmclnitu ohne ein einziges N verfertigte— daher ist sie wie die Krebse in den Monatenohne R am schönsten.
Das erste, was er in Flachsenfingen zu machenhakte, war ein Bries an Klvtilde. Denn da nunder Evangelist Matthieu aller Wahrscheinlichkeitnach in alle Welt ausgehen und das Evangeliumvom Schuß - Zweikampf der beiden Freunde allenVölkern predigen wird: so war nichts anders fürden heiligen Ruf seiner Geliebten zu thun, als siein eine Braut zu verwandeln durch eine öffentlicherklärte Verlobung. Flamins neues Ereifernkonnte gegen Klotildens Rechtfertigung in keineBetrachtung kommen. Der Ausruf „du bist mein> Bruder", den die Konvulsionen der Angst Klokil-den entrissen hatten, war natürlich für Flamin un-begreiflich und ohne Wirkung geblieben; für den^ lauernden Matz aber war er ein herrlicher Kern-spruch und ein cUelaim pl-olmim seines Lehrge-bäudes von ihrer Verschwisterung geworden. —Im Briefe also ging Viktor seine Freundin um diestumme Erlaubniß zu seinem Werben an; er über-ließ es ihr schweigend die uneigennützigsten Be-weggründe seiner Bitte zu errathen. —
Er erschien jetzt auf den, Kriegschanplatz derSeelen, von dem man selten eine genaue Karteerwischt, am Hofe: — seinem mit Paradiesen an-gefüllten Herzen kamen sogar die Zimmer vor wieGlaskästen einer ausgebälgten Voliöus, die manmit Streuzlanz, Kvnchyüen und Blumen übersäet,und die lebendigen Stücke der Zimmer wie getrock-netes, mit Arsenik vder.Holz ausgestopftes Gevögel,durch die Schlangen war Draht geführt, wie durchdie Schwänze der großen Thiere, und die Baum-läufer am Thron standen auf Draht.-So
sehr wurde er blos durch das Pfingstfest der Ge-genfüßler von uns, die wir bei kälterm Blute dasErhabne und Edle eines Hofs leicht bemerken. —Das Neueste was er da hörte war, daß der Fürstin Gesellschaft der Fürstin znm Gesundbrunnen inSt. Linie abreise, um die gichtbrüchigen Füße, wiejene die Augen heil zu baden. Viktor war wirk-lich nicht ganz tolerant, da er bei sich dachte;»wenn ihrs nicht besser haben wollt, so gebt mci-"netwegen zumT—" Das Paullinum war für ihnein Schlachthaus und jedes Vorzimmer eine Mar-terkammer; der Fürst behandelte ihn nicht höfisch-höflich, sondern kalt, welches ihm desto weher that,da eS bewies, er habe ihn geliebt — die Fürstinstolzer — blos Matthieu, der mit Leuten am lieb-sten sprach, die ihn tödtlich haßten, hatte ein Ge-sicht voll Sonnenschein. Von diesem und von sei-ner Schwester und einigen Ungenannten hatt' erleichtes Schlangengift der Persiflage über seinenZweikampf einzunehmen und zu verwinden, daswohl der Magen wie andres Schlangengift ver-
daut, das aber in Wunden gesprüht das Lebens-blut auflöset.-Gerätst kenn nicht sogar mein
Korrespondent in Eifer und schickt mir seinen Ei-fer durch meinen enpsuilus *, den Spitzhund zu,und sagt: »es bleibe doch einer einmal kalt, der»warm ist, nämlich verliebt, und den noch nicht»der Tod kalt gemacht, der verbleib' es, sag' ich,»vor dem siechenden Lächeln einer Hof-Schwester-»schaft über seine empfindsame Liebe, zumal vor»solchen höher« Damen, die Gottheiten sind, auf»deren zyprischem Altar allemal (wie bei den»Szythen) der Fremde geopfert wird, und denen»(wie Gallier von ihren Göttern glaubten) Uebel-»thäter, vouüs, Orleans die liebsten Opfer sind!»—Oder er höre sich, wenn er auch Las hinnimmt,»gelassen von einem Evangelisten über seine Liebe»persiflieren, der darin folgende Grundsätze erfin-»det und einkleidet: Ln cküeenoe ozoots rinx»Niaisius t!e I'inclüeence; In vor tu est!« sei >!«„I'unionr; insis ir'en pronsr z>»s Iioz> —»L'aimv da>18 los leinines los seeNs <io oolöi'v,»cko (ioulono, clo z<>>«, <ls pour. II x n lvn-"ssnis clsns leuo sann i-ou,A,nn guolgüL clioso„czrri ost knvoonblo uux Iwmnios. — tl'ost In»mi In Iniosso (loinonos oooi'lo, czn'il laut»cko I'ent.Iwusinsino. — Los loiuiuos s'tlton-"iront i'Li'enlont ll'Stoo omies IniNIos; v'ost»du oonta nii o (zu'ollos s'ötonnont un pou. —»L'gluoui' pumlann« touzours ü I'nuwiio, r->-»oomont n In I'nison. — Glücklich sind (seufzet»Kilos) Widersacher, die einander prügeln dür-»fen."
Der Evangelist warf einen beizenden Tropfenauf Viktors Herznerven, da er trotz seiner Wissen-schaft nm Flamins adelicheAbstammung, ihn damitaufzog, »daß er wie ein neufranzösischer Aeqnili-»brist der Freiheit sich mit Bürgerlichen — zwar»nicht vermähle, aber doch— schieße." Und esging ihm durch die Seele, seinen ausgestohliienFreund so sehr an Freunden verarmt zu sehen, daßdieser Matthieu der letzte und der Stammhalterwar, der sich nicht einmal vor Viktor die Mühegab, i» den Hähern Zirkeln die Rolle eines Freun-des von Flamin zu nehme» und fortzuspielen. Ei-nem guten Menschen wird das weiche Herz gleich-sam in eine Quetschform eingeschraubt, wenn ervor Leuten stehen muß (wie hier Viktor vor sovielen) die ibn hassen und beleidigen — anfangsist er heiter und kalt und freuet sich, daß er sichnichts darum schiert — aber er rüstet sich unwis-send mit ittnner mehr Verachtung, nm der Belei-digung etwas entgegenzustellen — endlich meldetsich der Anwuchs der Verachtung durch daS unbe-hagliche Gefühl der entfliehenden Liebe und deseindringenden Hasses an, und das bittere Scheide-wasser ergreift und zerfrißt sein eignes Gefäß,Las Herz — Dann werden die Schmerzen so groß,daß er die alte Menschenliebe, die das warme Ele-ment seiner Seele war, wieder in Strömen in denBusen rinnen läßt. Bei Viktor kam noch etwaszur Erbitterung — seine Erweichung ; man ist niekälter als nach großer Wärme, so wie Wasser nachdem Kochen eins größere Kälte annimmt, als es
* So hieß der römische Sklave, der den Kindern dieSchulbücher nachtrug.