Band 
IV.
JPEG-Download
 

liche Schuljugend sei» Stock-Parasol aufhebt,bring' ich bei der »lännlichen meinen Hoheitpfahlan Ort und Stelle, und wir schlage» oft lustig ge-nug, wie das Doppelklavier einer Orgel, zu glei-cher Zeit an Zwei Pfeifen. Da Niemand weiterin der Schule solche gymnastische Uebungen treibtals ich und er: so sind wir im alten Sinne dieeinzigen Gymnasiasten darin.

Zu dem gemeinschaftlichen Ausprügeln feuertuns sichtbar der böse Umstand an, daß wir einan-der durchaus nicht leiden können, weil Jeder amNährzweige des Andern nagt und beißt und abknnp-xert. Denn da des Kantors Schnlleben einen nochmattern Gvldschlich führt, als meines — vorigenWeihnachten soll er einiges Gold auf einem Pfef-ferkuchen seines Jungen gesehen haben in Blätl-chengestalt — so will er sich mit Tauf- und Ge-burttag- »nd Hochzeitgedichten durchfressen, die erder umliegende» Gegend aufsetzt, welche ich alleeben so gut aufsetzen und absetzen könnte als er.Aber ich mit meinem Pegasus werde von den Leu-ten, wie ein Tranerpferd, nur ^nr Leichengedichtegesattelt, und für ähnlichen Harm und Ernst,und muß abgeschiedn«» Seelen gleichen, welchenach Iungs Geisterlchre gewöhnlich in Leichen-kleioern auftreten. Aus unglaublicher Dummheitglaubt die Gegend, ich sei nur im Weinerlichenbrauchbar und zu genießen, aber sonst kein Mannfür den Spaß; — denn die Dummheit der Gegendist ja so groß, daß sie einen dergleichen Ansatz zumJammer sich durchaus erschließt, weil ich theils wieein Fleilich-ja Blätter-Skelet bei allen innernFrüchten aussehe, und weil ich theils in meinenSterb - Anzeigen das fremde Wimmern undSchluchzen sehr weit ansspinne, wozu ich dochmeine sehr guten, ja fröhlichen Ursachen habenkann. — Aber wahrhaftig, ich will so oft lachen alsder Kantor, und stärker dazu, und »litten im ver-sifizierten Klagqeschrei wandelt mich oft ein halbesTvdtlache» an. Dieses dürft' ich denn nur weiterverfolgen. Ja vor lauter bloßem HanSjammerwollt' ich in ei» Gelächter ausbrechen.

Sie sehen aber auS Allem, Laß ich immer meinePfennignoth statt eines Notbpfennigs behalten,und mit dem Kantor in unserm zweimännigenTuchmacherstuhl bis an den jüngsten Tag forttre-ten und fortschnarren, und die Schiffchen fortwer-fen werde, wenn nicht eine Wunderhand aus denWolken eingreift. Für eine solche wahre Wnn-berhand sehen wir alle, ich und meine lnngensüch-tige Kompagnie — glauben Sie mir gern — dievorjährige Kundmachung einer Verloosung an, inwelcher gegen zwölf leichte Gulden die beiden Herr-schaften Walchern und Lizelberg im HanSruckvier-tel, zu 36i,ooo st. rh. Währung tariert, sammtvielen Geldgewinusten, künftigen 30. Juni u. e.so gewiß z» gewinnen sind als München steht, wodie "Kundmachung" mit höchster Genehmigungversehen »nd gedruckt worden. Ich lege sie Ihnenhier bei, weil eS mich ekelt, das schon tausendmalGesagte immer zu wiederholen. "Damit sind nochSS Nebengewinnste von 56,ooo st. bis 100 st.abwärts verbunden, welche in baarem Gelde120,000 st. betragen, und wobei jedes Loos fünf-mal gewinnen kann." Man möchte beinah sagenes sei des Gewinnens zu viel, indem so große Ne-

bengewinne, wie des zweiten LoosesZugS von16,000 st. die des dritten von 12,000 st., des vier- jten von 10,000 st-, deS fünften von 8,000 st-, wo- !mit in andern Lolleriee» jeder Lvosnehmer zufrie- !den wäre, wieder ordentlich einkriechen vor einem iHauptgewinnst von 100,000 st. rheinisch.

Ich habe in der Freude nicht übersehen, daß derLoose, wovon jedes nur 12 st. kostet, oder der ,Loosinhaber gerade 36,000 sind; ich habe vielmehr idie Verloosung mit dem Zahlenlotto scharf ver- sglichen, zum Glücke aber gefunden, daß jene s! Herrschaften vielmal wahrscheinlicher zu gewinnen !

sind, als eine Quaterne. Noch obendrein halten ^! im schlimmsten Falle noch die Nebengewinnste ^i schadlos; denn der allerschwächste, der für 12 st. !! nach der Kundmachung zu ziehen ist, beträgt doch l100 st., was immer etwas Besseres ist, als eini Verlust. Ich habe daher oft zu meiner dürftigenMannschaft gesagt: "Ich habe mich bisher oft^ gewundert, warum ich mich Seemaus schreibe,l wie der Schleimwurm gleiches Namens, der we-! gen seiner herrlichen angebornen Gvldstacheln! auch Glanz- und Goldwurm und Goldmaus,(LMrollitrr aoulerrtr»), heißt, da doch unterallen Seemausen meines Stammbaums kein ein-ziger je etwas von Gold in den'Händen gehabt,als etwa den Goldfinger. Aber närrisch wäre es,wenn doch am Ende hinter Seemaus etwassteckte."

Jch berge daher gar nicht, würdiger Herr Lega-zivnrath, daß die bloße Aussicht auf einen solchen iPetrifischzug, dem eine Wunderhand versteht, füruns sämmtlich vielleicht zu stark jede Nebensicht !überwiegt. Aber arme Schulleute wollen so gutihr Stückchen Hoffnung habe», wie der reichsteNarr. Ohne ein Loos von Hrn. Gunzenhä Il-se r, Kvllektör in Baireuth, blieben wir blos hei-lige Stephane, die fortgestcinigt werden, aber dienicht den Himmel offen sehen. Jeder Mensch willseine Hoffnung haben; aber ein Schulhans istPandorens Büchse, aus welcher gerade der Bo-densatz, die Hoffnung ausgeflogen. indeß die Uebelim Neste geblieben.

Zum Glück hatt' ich so viele Kinder, daß sechsPathenlöffel da waren, die wir versilbern konnten,Uni uns zu vergolden, wir nahmen daher bei demBaireuther Kollektör die geheimnißvolle Lotterie-

Nummer .....!"

(Hier muß erst bei dem Kollektör nachgesehenwerden, weil bei Seemaus 0 und 6 und y,so wie 3 und 5 gar nicht zu unterscheiden sind.)

DaS Schöpfwerk mit den sechs Schöpflöffeln, wo-mit wir einmal statt einer Armensuppe eine Reichen-suppe essen wollen, soll uns kein Mensch verdenken.Es setzen Reiche um mich herum hinein ; was aberein Reicher braucht, das brauch' ich noch viel mehr,und wenn fünfund dreißigtausend neunhundert undneun und neunzig, worunter so viele Geizhälse sowie Spitzköpfe sein werden, zu gewinnen denken,so will ich keine Ausnahme sein, sondern dieZahl voll machen.

Auch ging Alles bei uns erwünscht, bis endlichdie Baireuther Zeitung und der NürnbergerKorrespondent die Bekanntmachung des baier-schen Stadtgerichts, von Hrn. Direktor Gern-groß und von Hrn. von Schmödl unter-

t

I

l

l