Band 
IV.
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Herbst- Blumine.

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schrieben, in unser Schulhans brachten "daß vorden, königlichen Avvellazion-Gerichte die Interes-senten des Verlovsung-Geschäftes auf den Rück-tritt und jede weitere Prolongazion Verzichtgethan, und die öffentliche Ziehung nnwiederrnflichauf den 30. Juni ISIS festgesetzt hätten." —Seitdem war nun der Ziehtag und der für Jedenmögliche Erwerb der beiden Herrschaften gewiß —die Geld-Gewinnste pro l2y,6oo fl. waren schonbaar in ein Münchner Handlungkaus niederge-legt. — die Herrschaften im Hausruckviertel, undihre 1000 Familien und die Brauhäuser und dasgroße neue Schloß, und die Oekonomie, unddie mehr als 700Jauchert Waldung und der Vieh-stand, und die sehr beträchlicheu Jagden und Fi-schereien, schwebten täglich um einen Tag näherzu uns heran. —Ich elender Hekliker, der überalloben hinan- ist, malte vollends die ungeheuernSchätze des 30. Juni meinen lungensüchtigenNärrinnen immer heftiger aus, und setzte diemorschen Lungenflügel in Flug, und hielt ihnenden künfligen Edengarten aufgeblättert so nahean die Nase, daß ichs nun endlich, Gott seis ge-, klagt, so weil gebracht, daß, falls wir mit unsernsechs Löffeln die zwei Inseln wirklich errudern,daß nicht nur meine Frau und Schwiegermutterund die beiden mannbare» Töchter, sondern sogarich graues Schaf dazu, in diesem Falle als ausge-macht befürchten, auf der Stelle vor lauter Freudeauf dem Platze zu bleiben und abzusegeln. Dannhätte blos der Tod seine fünf Treffer an uns ge.troffen und gezogen.

Mein Unstern wollte noch dazu, daß ich inTissvts zweiten Bandes ersten Theil über dieNervenkrankheiten, von Acker in a n n übersetzt,hinein gesehen, und darin so Manche» angetroffen,der an weit kühlern Entzückungen kalt geworden— einen Papst Leo X, der vor Freude über dieBeilegung der Franzosen — eine» Hühnerhund,der (nach den Monaolvos clu Marquis cke Lauz)vor Freude über die Wiederkunft seines Herrnverschieden — einen Mann, der (»ach Weber)bei bedeutenden Freude» wenigstens zu stammelnund halbschlagflüsstg zu werden angefangen. Zudiesem Alle» fügte noch der Nürnberger Kor-respondent sehr unkluger Weise (da er selber Nach-richten der Verwesung verbreiten half) den nicht-pvlitischen Artikel hinzu, daß ein Banquier amGewinn des großen Lovses ins Gras gebissen, inwelches ein anderer Banquier, aber vor Gramüber das Weggeben seines Gewinnlooses, gleich-falls beißen müssen. Ging ich denn nicht selberso schannäßig zu Werke, daß ich meiner langendünnleibigen Familie eine weitläufige Erzählungvon einer armen Verwandt»! und Erbin Leibn i-tzens vortrug, welche anfangs die Freudenpvstnoch lebendig genug aushielt, nachher aber, alsihr Wäsche- und Silberschränke aufgeschlossen wur-den, ohne Weiteres das Zeitliche gesegnete undi abstand.

i Seitdem steht nun mein ganzer, leider eben soi langen- als gvldsüchtiger Familienzirkel TodeS-' angst aus, und schauet der Hiobspost am 30. Jun.blos mit Zittern entgegen. Hiobspost sag' ichmit Bedacht, weil eben Hiob (nach dessen N2. Ka-pitell alles zweifältig wiederbekommen, und

ick.ooo Schafe, 6ooo Kamele, Loo Joch Rinderund 1000 Esel, und 3 Töchter und 7 Söhne er-hielt. Auch sucht der verfluchte Gedanke an unserFreuden- und Sterbegelag am stärksten im Betteheim, wo ich in der Finsterniß und Muße unge-stört mir das Teufelszeug von den beiden Herr-schaften und unsern fünf Tanzstellungen zumTodes-Tanz und Kehraus grob und farbig ausein-ander male, und zwanzigmal in Einer NachtJeden beneide, der bei G u n z e n hä »s er nichseingesetzt, also nichs zu befürchten hat, nämlichnichts zu hoffen.

Halten Sie dies ja nicht für den hypochondri-schen Schwindel eines darbenden Schulmanns,welchem das schnelle Umsetzen seines SchnlhauseSin ein Lustschloß den Kopf verrückt. Ich kaunaus der Seelenlehre recht gut erhärten, Seelen-kenner, daß der Mensch die Größe eines Glücks,wie eines Unglücks, ordentlich für eine Wahr-scheinlichkeit des einen wie des andern ansehenmuß; wird aber z. B. einTabak-Beutel zu 1 fl.,das Loos zu 1 Kreuzer, mit 6o Nummernausgespielt: so wird Niemand gerade der unter60 Menschen zu sein glauben, der den Beutelgewinnt; er setzt blos zum Scherze und wie ver-loren seinen Kreuzer.

Ich könnte mich und die Meinigen freilich ausallenAengsten dadurch ziehen und wieder warmsetzen, daß ich meine Loos - Num mer mit einerschwachen Einbuße verkaufte; wenn sse aber als-dann gewönne? Hat nicht den Banquier imNürnbergerKorrespondenten der Gram über frem-des Gewinnen abgewürgt? Und hab' ich nicht fürdrei unerzogne Knaben zu sorgen, da sie alsKinder nicht vor Freude mit sterben würden?

Ist es aber nicht närrisch und fast lächerlich, daßwir sonach alle im Hause eben so fürchten, dasLoos zu verlieren (durch Brand oder Mord) alses zu behalten? — l

Vorgekehrt hab' ich manches gegen die Sterbe- !angst der Meinigen. So such' ich ihnen mit der !Hoffnung zu schmeicheln, daß sich uns vielleichtblos der Nebengewinnst einiger tausend Guldenzuwerfe, wobei man leicht lebendig bleibt; aber lsie versetzen sämmtlich. Einem, Einem, Einem, §Einem unter allen 36,000 Mitspielern springendoch, so gewiß als es Himmel und Hölle gibt, diebeiden Herrschaften in die Hand: warum sollensie gerade uns vorbei springen?

Der Vernünftige wird es daher für gut heißen,daß ich für den so mögliche» Fall, wo ich armerbis zuletzt geplagter Schulmann unter den gold-nen Schlagregen untersänke und ertränke, ausLiebe für alle Meinige, die mir nicht vor Freudennachfahren, einen kleinen letzten Willen aufgesetztund unterstegelt, worin ich alle Streitigkeitenund xrozessualischen Weilläuftigkeiten, welche sichnach dem Zuge der beiden Herrschaften unter denMeinigen entspinnen können, mit gewissenhafterund wahrhaft lächerlicher Genauigkeit im Vorausgeschlichtet habe, so daß Jeder bis zu meinerSchwiegermutter sein Zugehöriges von dem gro-ßen Loose (theil' ich dasselbe doch vor dem Ge-winne um so kaltblütiger auS) heben und habenkann.

Aber das Jammern über mein Testament ließ