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Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments ... / [Johann Georg Heinsius]
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Kirchen-Hisiorie Neues Testamentes

neßmster Wollust und Stille, und in einer grürrdli-chen, festen und beständigen Sicherheit, g)

Ich habe dißfalls nicht nöthig, von solcher Freudig-keit weitere Zeugnisse anzuführen, indem die Geschichteder Märtyrer, welche auch in ihren grösseren Mar-lern GOtt lobeten, uns dessen guugsam überführenkönnen. Weswegen ich mich, geliebter Kürtze halben,darauf bezogen haben will.

XIV.

Wie zcigete sich die Demuth und Gelassen-heit gegen GOtt?

Welchergestalt die Geistlichen Personen zur Demuthüberhaupt ermähnet, und solche auch mit ihrem Epcm,pel würcklich bezeuget, kan p->§. 764. nachgesehen werden-Die Märtyrer, so um des Nahmens IEsu willenetwas gelitten hatten, oder noch litten, wurden zwarin grossen Ehren gehalten, doch stets dahin angewie-sen, daß sie beständig in der Demuth vor GOtt blei-den möchten, und ihrem Heylande nachahmen soltcu,welcher sich um die Zeit seines Leidens nicht erhaben,sondern noch demüthigcr, als sonst, ausizcführet; in-dem er seinen Jüngern die Füsse gewaschen. K)Solchergestalt mästeten sie sich keines Ruhms vorGOtt an, weder wegen anderer zeitlichen Dinge, nochwegen ihrer Werckc; sondern darinnen rühmetcn siesich, däß ihre Seelen GOtt nahe waren, 1)

Diese ihre Demuth bezeugte sich auch in der gedul-digen Gelassenheit, daß sie sich willig und freudig al-lem denjenigen nntcrwarffen, was GOtt an Trübsa-len über sie ergehen lassen woltc. Denn sie wüsten,daß alles nach ihres lieben GOtteö Willen geschahe.Daher war ihnen keine Pein oder Art des Todes uner-träglich noch schmertzlich; indem ihnen die Empfindungder LicbcGottesZeugniß gab,daß es auch damit zu ihremBesten angcftheniwar. lc) Weil eö in der Macht GOtkesstund, ob er sie der Märtyrer-Crone würdig machenwolte, so überliessen sie sich seinen heiligen Führungen,in der gewissen Zuversicht, daß dasjenige, was sie quä-ken und abmatten solke, ihnen znr Starckung undBewährung gedcyhrn würde. I)

XV. »

Wie zeigte sich der Eifer GOtt Seelen zuzuführen?

Wenn es den verfolgten Christen auch mitten in ih-rer Marter und an den Pforten des Todes an solcherBegierde auch gegen ihre ärgsten Feinde nicht Zefehlckhat, so wird man leicht schließen, daß dieser.Eifer inruhigern Tage» , da sie mit den Ungläubigen, alsNachbarn und Mit-Vürgern umgegangen, nicht we-uiaer brünstig bey ihnen wird gewehn seyn- m)

Daß erstere will ich mit einem merkwürdigen Exem.»et erweisen. Ein Märtyrcr in Palästina, Nahmens»>vi.v5, ward wegen seinerVekänntniß zum Schwerdrverdammt. Indem der Streich nun eben geschehensolle, bat er sich von dem Hcncker eine kurtze Frist aus.

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Als er solche erhalten, fleug er an mit lauter StimmeGOtt hertzlich anzurußen, anfangs zwar vor die gan-he Christenheit, daß er ihr wieder gnädig seyn, und ihrFriede und Sicherheit verleyhcu wolle. Hierauf flehe-st er vor die Juden, daß sie durch den Glauben anChristum bekehret werden, und zu GOtt kommen möch-ten. Ferner bethete er vor die Samariter und Hey-dcu , daß sie aus ihrem Irrthum und Blindheit desHertzens gerissen werden, und zur Erkänntniß des wah-ren GOtteö gelangen möchten. Ein gleiches that ervor das umstehende Vslck, vor den Richter, der ihnverdammet hatte, vor die Käyser, und endlich auchvor den Hencker, der die Lxecuüon an ihm vollziehensolte. n)^

Gewißlich, biß war eine schöne Probe von dem ge-rühmten hertzlichen Verlangen, welches die rechtschaf-fenen Christen damahls in ihrem Hertzcn hegeten, undnach solchem ihren gautzen Umgang mit allen Men-schen einrichteten, wie unten bey der Liebe gegen dieFeinde mit mchrern soll bemercket werden.

XVI.

Wie zeigte sich die Liebe gegen den Nächsten?

Man giebt dabey achtl. Aufdie Brüderliche Liebe,li. Ämfdie gemeine Lrrbe.

XVII.

Worinnen zeigte sich die brüderliche Liebe?

Vornehmlich in diesen funssStücken

1. In der brüderlichen Ernmürhigkerr.

2. In der Demuth gegen einander.

z. Indem Griftlicheu Mitleiden und Müdigkeit.

4. In der Gast-Freyherr.

5. In der brüderlichen Ermahnung.

XVIII.

Worinnen zeigte sich Die brüderliche Ein-müthigkcit?

Sie fuhren fort einander Bruder zu nennen, ohn«geachtet die Heyden solches gar nicht leiden tonten, o)Als Bruder bestrebten sie sich auch nach der Eintrachtin ihrem GOtteödienste, rO wiewohl der Satan be-reits vielen Saamen der Unreinigkeit darinnen aus-zustreuen begunte, welches aus obigem klar ist.

Diese brüderliche Einmürhigkeit verursachte, daßdie Christen einander lieberen, ehe'sie sich noch zu se-hen bekamen , wie solches die Heyden selbst gestun-den. q) Keine Entlegenheit der Länder konre sie tren-nen, weil sie die Gnade Christi verband : ihre Augenvermisscterr die abwesenden Lxuianteri nicht, weil sievor den Augen des innern Menschen stets gegemvär-tig blieben, r)

Ein Zeichen solcher Emmüthigkeit war noch in die-sen Zeiten dcrKuß der Liebe und des Friedens, welcherals eilt gläubiger Kuß zuvorderst rein und keusch seyn,

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