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Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments ... / [Johann Georg Heinsius]
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Kiechrn-Hlstorle Neues Testamentes

dem nur ein wenig etwas seyn woltc, der hielt sicheinen solchen Priester / welchen er sich nicht selten ausseinen eigenen Unterthanen gezogen Hatte. Dieser mu-sie bey seinen« Priester-Amte noch einen Hauß-Knechtagiren, bey Tische aufwarten, Kellermeister seyn, zu-weilen Hunde führen, die gnädige Frau kutschen, dieWirthschaft versehen, und sonstcn andere unanständi-ge Dinge verrichten. Ordentlich aber waren es umtüchtige, GottSvergessenc Kerlen, die in allen Sün-den und Schanden lederen, sonst würden sie sich nichtso schimpflich haben tractiren lassen. Ihre Patronenaber liefen es gehen, wie es gieng, und waren zu frie-den, daß sie solcher Gestalt nur ihre eigene PriesterHaben tonten- 5 )

Der Eifer der Kirchen-Zucht war an vielen Ortenso eingeschlafen , daß viele sich nicht schenkten, diegräulichsten Mord-Tharen zu begehen, Ehebruch undBlut-Schande ungestraft ausübten, ja, falschesSchweren, Stehlen und Todten vor nichts achteten.Denn niemand war, der ftlche Leute straffere, odersie aus der Gemeine sinß ; sondrn es giengen Böseuzid Gute, Gerechte und Gottloft ohn Unterscheid zu-sammen in die Kirche, und machten auf GastereyenCompagnie mit einander- g)

Zuweilen aber war man gar zu Hurtig mit demBanne, wie »inc«Liev8 von l-^on, welcher die Geist-lichen m seiner gantzen Viocccs aus Privat-Affectendamit belegetc. b) Offrmahlcn war die Ursache desBannes nicht der Rede wehrt; daher eö nachdrücklichverbothen werden muste. i)

Diejenigen, so etwa noch wohl die besten scvn wol-ken, brachten ihre Zeit mit Erbauung der Kirchen undKlöster, Erfindungen und Versetzungen der Reliquienund andern Aberglauben zu, oder dauckten gar ihre!Aemter ab, und giengen ins Kloster, gleichsam wäreses besser darinnen faullentzcn, und seinem selbst erwehl-ren Dienste nachgehen, als die Gemeine GOttes nachdem Befehl des HeylandeS zu hüttn und zu »vriden.

VM.

Wie war die Kirchen-Zucht beschaffen ?

Man in rckct hierbcnr. Die Zucht mit den Sündern.

' 2. Einige andere Gebräuche und Anstalten»

IX.

Wie gieng man mit den Sündern um ?

Die groben Sünder und Verbanneten wurden vonder Kirchen abgehalten, wie i-norivs an v^iLio alseinem Todtscbläger, und an k>xr>» wegen

Vcrstossung stincr Geinahiin und blutschänderischen,Gemcin schafft mit feiner Schwicger-Tochter, solche,Kirchcn-ZuchtauSübete. k)

Vor dem Banne giengen ordentlich Vermahnun-gen vorher: wenn aber diese kcincu Eingang hatten,ward mit dem Banne verfahren, t)

t) S.6OK^K0V8 Se priuile^io «L iure szcercivkii p 249 .x) käNäNVZ !U^VktV8 in epMol. ->ä NVieikk-KI'Vbl.b) I4IK(?kel?KV8 8rm. epi ol. sl p.ltorer ÜLiiäauens. i)L^nociu, vt'orminens. csp. 14. Ir - 1) llldtL-

l^emenüs epitt, sä 1'oinacells. '!

Der Bann war unterschiedener Art- Manche Lx-communüircten durften die Predigt anhören, andereblieben bey den Lsceckumrniz, noch andere bethetenauch mit den Gläubigen, wiederum andere konteuauchopfern, und endlich war einigen blos die Communionverbothen, sonst tonten sie alles Gottes-Dienstes inder Gemeine abwarten, m)

Die Lxcommumcarion geschah von dem Bischöfe,als dem Munde der Kirchen, mit Veystimmuug dergantzen Gemeine, n)

Die Z-aüiÄÄioner wurden entweder öffentlich oderHeimlich aufgeleget, nachdem das Verbrechen offenbarwar, oder nur im Vertrauen dem Priester gebeichtetworden. c>) Man verfuhr darinnen theils nach denLanvnibus, theils nach eigenein Gutdüncken. s>) Eskam aber mit solchen Buß-Straffen mehrenchcils aufl äußerliche und abergläubische Dinge heraus. Dadurften sie gewisse Zeit, oder wohl gar ihreLebe-Tage,kein Fleisch essen, keinen Wem trinckeu, kein Gewehr' tragen, nicht anders als zu Fusse gehen, und was ek-^ wa dergleichen Menschcn-Satzungen mehr waren:an die wahrhaftigen Büß - Übungen aber wurden dieBüßenden wenig oder gar nicht gewiesen.

Die öffentlichen Sünder, so ihre Busse öffentlichausgehalten hatte», wurden auch öffentlich absolvirek;wiewohl die öffentliche Busse nach den Lsnonibur deealten Kirchen an den meisten Orten gantz ungewöhn-lich worden war- r) Vor der Absolution musicn dirSünder ihre Sünden erzählen, öffentlich oder Heim-lich, nachdem sie begangen worden, welches endlich sanöthig gehalten ward, daß man meynete, die Sün»den würden nicht vergeben, welche man nicht aus-drücklich beichtete, s)

X.

!Waö hat man vor andere Gebräuche undAnstalten in diesem 8ecuIo zu bemercken?r. Die Schulen. z. Die Klöster.

2. Die BibUochecken. ^

Wie sahe es um das Schul - Wesen in die-sen Zeiten aus?

Es kam dasselbe ziemlich in die Höhe. Die Obrig-keit erkannte die Schande und denSchaden, die durchdie Unwissenheit der gantzen kepuüljguc im geistlichenund weltlichen Stande zuwuchsen, und war daher be-mühet, an allen Orten gute Schulen in Stand zubringen. Es fanden sich auch in diesem becuio ziem-liche Ingenia, welche etwas zu pracüiren fähig waren,wie man unter den Lehrern wird bemercket haben. Sonstwar freylich seit dem sechsten Leculo eine grosse Dun-

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