n 88 Kirchrn-Histo-rie Neues Testamentes
ches sowohl bey den Pfaffen, als bey dem gemei-nen Polcke im Schwange gegangen wäre.
Der weyneyd war in diesen Zeiten durch den Pabstund die Pfaffen priuilegiret, wenn ergegen diejenigenbezeuget wurde, mit welchen der Römische Stuhl nichtstimmen konte. Sein Unrecht in solchem Falle er-kannte noch KVVOb?ttV8 aus Schwaben an seinemEnde,als erinderSchlacht bey Merseburg lvieder sei-uen reä)tmäßigen Käyser llLbUULVlck lv. die rechteHand verlohrcn hatte. Gehet, sagte er zu den um ihnstehenden gleichfalls meyneydigen Bischösfen, das istdie Hand, nur welcher ich meinem Räystr Treuund Glauben geschworen habe, aufeuer verkehr-tes Emrarhen aber bin ich eydbruchig , und zuerechrer Straffe der m.yncidigen Hand betau-et worden. K) ,
Die Obrigkeiten lebten in schändlichen Wollüsten,«nd achteten keiner Gerechtigkeit, sondern plagten viel-mehr ihre Unterthanen mit Übermächten Schätzungen,wie an ll. in Polen ein Exempel zu fin-
den. 1 > Andere raubten dem Volcke gar ihre Güterund bisher besessene billige Freyheiten; m) andere, undzwar die meisten, verkaussten die Aeinrer ums Geld andie Meistbietenden, n) und übten sonst andere Gewalt-thätigkeiten, wie das vorhergehende Capitel vielfältigzeigen kan.
Gleichwie aber an der Obrigkeit insgemein weniggutes anzutreffen war, also kan man sich nach dem or-dentlichen Lauste die Unterthanen auch freylich nichtbesser einbilden. Diese waren zu nichts leichter als zuRebellionen und Verräkhereycn aufzubringen, davondie Historie gantz voll ist. o) Lebten die Fürsten in al-ler stinckenden Geilheit, so machten es ihre Leute ebenso gottlos. Ein sonderliches Exempel findet man inPolen unter der Regierung KOl.L8b/xl li. Denn alsdieser mit der Armee gegen den Fürsten von Kiow ag,rete, und sich der Fcldzug auf einige Jahre verzog,pflegte er in den. Winter-Qnarti'cen auf das unflätigst'«nd recht Sodomitisch zu leben , worinnen ihm dennssine Leute gar leichtlich nachfolgcken. Die meistenunter diesen Hatten ihre We bec zu Hause , welche inErfahrung des liederlichen Lebens ihrer Männer sichgleichst»! zur kcvanclw von ihren Knechten und an-Lern Kerlen prollimiren liessen, n) Gleichwohl wol-len das alles Christen seyn. Von der unmenschlichenVöllerey, da man gantze Nächte mit Sauffen, Singenund Schreyen zubrachte, g) und andern Bosheiten kanMan andere weiter nachlesen, r) .
Das vil. Capitel
Vorr dm Neben-Sachw.
i.
Was wird in dresetn Capitel vorkom men?
äuSsi- vir^ ukdercici iv. vki8kL«.6Lde8. l) cko-»;LkzV 8 l-b 4. m) X1^UdtL86VKIL!>!8I8 Üb. 4. csp. >5.») LVKdt"tI>lV8 kib. 5. 0) Viü. HK8KVK. IL. z. c.s8.kOl.rvr>n.vkN6il.. 1.8.7. ävnre I'INV8 /Uii.
x) c 8 . 084 knr.v 8 üb. 4. q) d1^I-d1L8LVK.. üb. z. c,x. 14.
»)LkMULisk»ÜL»Lä«b.c«»r^n» v.6-
Viererley:
I. Der Zustand des Judemhums.
II. Der Zustand des Heydemhmns.
III. Der Zustand der NAchammedaner.
IV. Die verinischren L^eben-Gachen.
il.
Was hat man von dem Zustande des Ju-dmrhumö zu mecckcn?
Zweyerley:
1. wie ihr äujPrlicher Zustand beschaffen ge-wesen.
2. wie es um ihre Religion ausgesehen.
1 l.
Wie war der Juden äußerlicher Zustandbeschaffen?
Der Anfang des 8ecui> war ihnen noch ziemlich gün-stig, das Ende aber desto unglücklicher.
In Spanien wüste sich um das Jahr 1027. derRabbi Levi bey dem Könige zu Lrsnala so zu inli-muren, daß er sein geheimer 8ecre»riuz und StaatS-auch von ftlbigem zmn Fürsten stinrr r^a-tisn daselbsten cieclanret ward, in welcher Würde ihmauch sein ^sohn Anno 1055. folgete. Als sich oberemgelehrter Jude unterstund die Muselmänner zu bekeh-ren, so zog solches eine grosse Verfolgnngrrach sich,also,daß gedachter Jude nicht nur a»r den Galgen kam, son-dern auch atte andere Juden in diesen! Königreiche garvicl leiben musten, welches ihnen um soviel weher that,jeruhiger und glücklicher sie sich bisher befunden hatten. »>
Als derKönig in Castilien undLeon kMl)ldl^bll)V8auf Anstifften seiner Gemahlin, welche einen besondern.Religions-Eifer bezeugcte, die Saracenen bekriegenwoltc,gab sie ihm den Anschlag, zuvorderst alle Judenin seinen Reichen auszurotten , welches auch erfolgetwäre,wenn sich nicht die Beschösse und selbst der PabstU. dagegen gefttzethätten. r)
^b?llOdl8V8 II. wüste sich der Juden in seine» Krie-gen gegen die Xlauros nützlich zugcbrauchen, als wsrznsie ihm Geld und 8uccur5 lourmren musten. Um des-willen Hielt erste sehrwcrth , bestelkcte viel Aemkermitihnen, und setzte sie an einigen Orten gar zu Richtern ü«der die Christen, welches ihm aber der Pabst OKLLOr-lU V8 lll. u) nachdrücklich verwiese.
In Deutschland hatten sich die Juden trefflich aus-gebreitet, und besassen zu Mäyntz, Trier und Cökln ihreöffentliche Synagogen. Als aber die Creutz - Züge an-giengcn, erhoben sich nicht geringe Verfolgungen gegendieselben. In abgedachten Orten wurden auf demDurchzuge der Creutz-Fahrer bis zovv. Personen um-gebracht, und eine grosse Menge mustenihr Judenthumabschwören. Nur allein zu Mayntz verbrannte man14 0. Manche brachten sich selbst ums Leben- DieMütter dreheten ihren Kindern bey Erblickung derCreutz-Fahrer die M.sscr rm Leibe herum, vorgebendeswäre besser, sie also in Abrahams Schoos zu schicken,als den Christen zu überlassen. In Bäyern sind bis
12000.
») 8/1l.O810dl 8-n Viktzsr. x. A. ä!.LX^di0L8ll. k»-k- Z 4 - n) lib. 9 . ex. 1 . z.