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Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments ... / [Johann Georg Heinsius]
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XIII, Leculur». VII. (7,p. Von den Neben - Sachen.

In Franckreich trieben sie schändlichen Wucher, undbereicherten sich, da hergegen viel Christen darüber vcr-armetc», weiches unterschiedene Verbothe, nichts vonden Juden zu entlehnen, ausbrachte, i ) DerHertzogILLN Is kovx von Nreeäßne aber verbanuete sie durch einschärfstes Gesetze völlig aus seinem Lande, und gab einem jeden frey dieselben todt zu schlagen, le)

Unter Ludwig dem Heiligen hatten sie auch garschlimme Zeiten. Seine Creutz'Fahrer übten vielBoßheit an ihnen aus. Der Pöbel zu Paris stundauch Anno i-z6. gegen sie auf, vorgebend, daß dieJuden am Char-Freytage Christen-Kinder schlachteten,worüber nicht nur allhier, sondern auch nach und nach!in andern Provintzien ein grosses Mut-Vcrgiesscn er-reget ward. l)

Als dieser Ludewig in Egypten gefangen war,schlugen sich etliche junge Schäfer in Franckreich zu-sammen, und wölken denselben bcfreyen. Diese wur-den ?^8IOKkbbI gencnnet, und gaben allerhand Of-fenbarungen und Wunder vor. Ihr Haupt hieß 1^-LOKV8 aus Ungarn, und war aus einem Muham-medaner ein Cistertzienser worden. Sie thaten aller-hand cigenniächtige Dinge, halten Bischöffe unter sich,welche sich alles heraus nahmen, was sonst andere Bi-schöffe thaten, raubeten und mordeten dabey, welchesletztere sonderlich auch die Juden betrafst, bis sich end.lich der Adel und das Volck wegen ihrer grossen ver>übten lnlolemicn aufmachte, und sie zerstreuete. m)Inzwischen schickte Ludewig noch aus den Mor.gen - Ländern einen Befehl, vermöge dessen alle Judenaus Franckreich sotten getrieben werden, weil es dieSaracenen den Christen vor übel hielten, daß sie diejenigen leiden könten, welche doch den Heyland getödtet hätten. Diese Ordre setzte die Königin seineMutter als Regentin Anno 12;;. inS Merck: dochließ man dieKünstler und Handwercks-Leute im Lande- n)Zu Philipps des kühnen Zeiten wurden sie wie-der ins Reich beruffen ; Philipp der Schöne abersagte sie um das Ende des 8eculi, vornehmlich ausBegierde nach ihrem Gelde, nachmahlen davon, unddiese Verfolgung wird mit unter die grössesten gerech-net, welche die Juden erlitten haben; indem sie vorge-ben, daß dabey noch einmahl soviel Volckes theils ge-blieben, theils ausgewandert, als dorten mit Mosteaus Egypten gegangen gewesen. 0)

Gleichwie lonLnnL! 5IUL I-LXK» in Engclland allerseiner Unterthanen mit übermäßigen Auflagen nicht ver-schonete: also geschahe es vielwcniger bey den Juden.Nur ein Exempel davon anzuführen, so. forderte er An-»10 1210. von jedwedem Juden eine gewisse SummeGeldes, und ließ dir. ungehorsamen so lange foltern,bis sie die Zahlung bewilligten. Unter andern forder-te er von einem reichen Juden zu Bristol loooo.Marck

«) Viti. DäHIILKlV8 iristicitex. I'om.ü. P 471 . Ic) 0 'Kitt. ü- !iv. 4. cd. 2Z. l) KA8K/e6L

loc. cir. cd. 20. n. 6. m) 6VIL. ÖL in xett.

LVI 10 V. IX. dläl'l'tt. k-VLI8. ,4 »n. 1251. P.710. le-,qn) I>iem »ä »n. 1:52 P-7Z2. 8 /^I. 0 k 40 dI LLdI VIN6^Lp. 417. a) Loncinurror 6VIL OL k 4 ^dIL 18 . k>Lcdtlscbel. x. z§. 60. k. i> x» 58 >

_ers, und da sich dieser wegerte, ließ er ihm all«

Tage einen Zahn ausreisten, welches der Jude aus Lie-be zu seinem Gelde bis auf den siebenden Zahn aus-hielt , bey dem achten sich aber bequemere» p )

Zu den Zeiten «Lmnci m. Anno 1229. kam ein Ar-menischer Ertz-Bischofs nach Engclland, welcher dieleichtgläubigen Pfaffen beredete, es befinde sich derewige Jude bey ihnen in Armenien, und Habe er den-selben vielmahl gesprochen. Er gab vor, er Hätte zu-erst czkrL?uli.vz geheißen, und wäre Thürhüter desGerichtS-HauftS Pilati gewesen. Als nun JEsuSausgeführet worden, habe er ihm noch einen Schlagmit der Faust auf den Rücken gegeben, und gesagetrLaufs, JE!», was zauderst du. Worauf sich derHErr umgewandt, und gesprochen: Ick) gehe dahin,wie geschrieben stehet, du aber sollst warten, bisich komme. Seint der Zeit nun könne der Mensch,so nachmahls von Ananla getauffet und Joseph ge-nennet worden, nicht ersterben, sondern wenn er Hun-dert Jahr alt würde, so fiele er in eine schwere Kranck-heit und Ohnmacht, käme aber folgende wieder zu sichselbst, und Hätte das Ansehen und die Kräffte einesMannes von zo. Jahren, g)

Es nluß aber dieser Ertz-Bischofswohl ein rechterSpott-Vogel gewesen seyn, und man kan nicht an-ders, als die Einfalt der Leute auslachen, die es da«mahlen im Ernste geglgubet. Daher ich dieser Fabelnichts weiters beyfügen will, als daß man ausser die-sem noch von 2. andern ewigen Juden gekraumet Hat,deren einer daö güldene Kalb gegossen, und von Mo-st zunl ewigen Herumlauffen verdammet worden, derandere aber tlklA8VMV8 geheißen, und ein Schusterzu Jerusalem gewesen, welcher den Heyland bey sei-nem Laden, da er mit dem Creutze vorbey gegangen,nicht-wollen ruhen lassen, und daher zur Antwort be.kommen: Ich will hier ruhen, du aber sollst lauf-fen, bis ick) komme, r)

Inzwischen wird dasjenige, was die Fabel lautet,!an dem sämtlichen Geschlechte der Juden erfüllet, wel-iches unstät und flüchtig bleibet bis an den jüngstenTag. Diß musten auch die Juden in Engclland umdas Ende des 8eculi erfahren, da sie von Lvvulwo lll.völlig aus dem Lande verbannet, und ihre Güter con-kl'ciret worden. ; )

Bey den Päbsten funden die Juden noch ziemlichGehöre, also daß sie selbige sfftmahls gegen das grau-same Verfahren der Potentatm schützten; wie denn6KL60RIV! IX. an ben Heiligen Ludewig schrieb, undihn erinnerte: Man möck)te diese LIarion gehenlassen, und ihre Gewissen nicht binden ; welchesgewiß zu bewundern, da sonst der Pabst über alle Ge-wissen herrschen wolte, und sofort verketzerte und ver-bannte , wer ihm nicht nach seinem Sinne redete.Allein die Schelm-Stückchen der Juden, dadurch sieGeld aufbringen kontev, gefielen den Heiligen Vaterngar zu wohl, weswegen sie selbige gemeiniglich zu ih-ren Rentmeisicrn zu bestellen pflegten, c) I,t

p) ?ANI8. -6 sn. 1209. p. 192. <;) Is-M »

,n. 12:9. p. 296. leqij. r) k^8l0^6L kill. il« luif» !iv. zcl>.22< «> 4 5- s) lkici-m n. 6- r) IbiäeM cd. 19.

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