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Kirchen. Historie NoueS Testamentes
schweigen, s) Es urtheilet übrigens einer nicht unrecht/daß die Welt den gänkzlichen Untergang gar wohlverdienet gehabe härte/ weil sie arger/ als vorden Tagen der Gündfluth gewesen wäre. K)
Vlil.
Was hat man von den Verfolgungen indiesem Lieculo zu mercken ?
Die Römische lnguillnsn gegen die Waldenser,Wick-lefiten und andere Wahrheitö-Zeugcn ist als eine bestän-dige Verfolgung des Reiches Christi anzusehen.
WaSdiewaldenser betrifft/ so waren dieselben nir-gends sicher/ doch Hielten sich deren viel in Aragonienund in Deutschland auf/ davon denn und wenn nichtwenig dem Feuer aufgeopffert worden. Der Ertz-Vi-fchoff Lonrad II. von Mäyntz ließ derselben z6. aufeinen Tag verbrennen, i) Zu Idsiein wurden 12: Wal-densische Prediger und nicht wenig von gemeinen Leutenausgleiche Weise zu Märtyrern gemacht. Anno 1304.musten derselben inkroucace 114. den Scheiterhauffenbesteigen, und i;8o. fiel man um Weyhnachten mit ge-waffneter Hand in die Thäler von kiemonr, dahin sichdie armen Leute retiriret hatten, und hieb alles nieder,wasman antraff, wobey die Mütter,so sich mit ihren Kindernnoch vor dem Schwerdte geflüchtet hatten, die armenWürmer vielfältig im Schnee erfrieren sehen muste. K)
Die wicklestren wurden in diesem 8eculo noch mehrentheilö nur mit Gefängnissen und Landes-Verweisungen verfolget, I) in folgendem 8eculo aber hatman sie weit sthärffer mitgenommen.
Das VI. Capitel.
Von dem inner!. Zustande der Kirchen.
i.
Liebe alle Gefährlichkeiten , die sie etwa» um Christiwillen zu übernehmen Hatten. 0)
Durch die Liebe des Nächsten nahmen sie sich derArmen an, als ihre Advocaten. x>) Sie ermahnetensich untereinander zum Guten, und verbanden sich sel-biges mit allem Eifer zu beobachten, ohngeachtet sie ü-bcrall mit Aergerniß umgeben waren, und selbst aride-nenjenigen, so sie doch leiten solten, das Widerspielbeobachten musten. g)
III.
Was ist von dem Verfall des Christenthumsin diesem 8eculo anzumercken k
Weil die Clerisey des geistlichen Lebens ermangelte,und dieKirchen-Ccremonicn als Spötter nur aus Ge-wohnheit nicht aber ausAndacht verrichteten, hergegenWercke der Gottlosigkeit würcketen, und die Laster ohneScheu vor dcmVolcke begierigen, r) so kau man leichterachten, was solche Exempel vor schöne Nachfolgein der Gemeine müssen gegeben haben.
Die Kirche war also durch die Nachlässigkeitihrer Hirten verwüstet,und aller geistlichen Reich,thümer beraubet, die Bosheit harre überhandge-nommen, und der Grauel der Verwüstung stundmitten in der Rirchen, und war nur durch dieHeucheley zugedecket. Viele verleugneten Chri-stum, weil sie von ihm stille schwiegen, und sichnicht gerraueren, den erkannten Christum und sei-ne Wahrheit vor den Leuren zu bekennen, wo-durch sie die Wahrheit wissentlich in der klüge-re chrrgketc aufhielten, s)
Es ist aber nicht nöthig, mich mit dergleichen Zeug-nissen allhier ferner aufzuhalten, weil dieDurchlesungder Historie dieses 8eculs gnugsame Eröffnung thun
Was wird in diesem Capitel vorkommen ? wird, daß das Verderben in allen Ständen fast auf
Zweyerley:
r. Der rechtschaffene Zustand des Christenthums.
s. Der Verfall des Christenthums.
ll.
Was bemercketmanbeydem rechtschaffenenZustande des Christenthums?
Die Krafft der Furcht Gottes bey der Erkänntnißihrer Sünden reitzre sie an, vor GOtt fußfällig zu wer-den,und dieHoffnung desHeils zog sie zu demselben.m)Sie fasteten den festen Vorsatz ihre hinterstellige LebcnS-Zeit dem Gehorsame Christi völlig zu wiedmen, und derWahrheit, Gerechtigkeit, dem Frieden und der Barm-hertzigkeit nachzujagen, dergleichen christliches Vorneh-iiehmen man sonderlich aus einem Briefe des KönigskkivrieiLl n. in Sicilien an feinen Bruder Kö-
nigen in Aragonien, zu einem merckbaren Exempel, daßsich auch Hohe Personen um ihre Seeligkeit mit Eifer be-kümmert haben, ersehen kan. n)
Sie tn'eben durch die Liebe;» G(Htt die knechtischeFurcht aus, und verachteten aus dem Grunde solcher
8) K20VIV8. ksscic. remp. x. 85 . k ) Ibicl. i)
KIV8 -er. k^oßunc. lilr. 5. k) L^8>I^6L big. äe I'-ßlilex. I4Z9- l) ttLNKlc. ile euenl. -Vnxtt,- lib.;.
«) dttL. Or«m. in vr»r. cor»m V. in reü.
venr. lil». r 2 . p. 787. 0) ia C»r,l. trk, rrril. l. c. p. 755.
das höchste gekommerr gewesen.
Das VII. Capitel
Von den Neben-Sachen.
i.
Was wird in diesem Capitel vorkommen?
Fünsserley:
I. Der Zustand des Iudenthums.
II. Der Zustand des Heydenrhums.
u>. Der Zustand der wuhammedaner.
IV. Der Zustand der Tarrarn.
V. Die vermischten Nebensachen.
U.
Was hat man von dem Zustande des Ju-denthums zu mercken?
Ihre Boßheit gegen die Christen machte sie sehr ver-hasset und unglücklich. Man erzehlet, daß sie gestohlenlund geraubet, ein Kind zu Uberlingen ja gar einenEinsiedler bey WormS geschlachtet, und die Brun-nen vergifftet haben, woraus die entsetzliche Pest mDeutschland solle entstanden seyn. r) D«e-
0) Ibitl. p. 749. p) g)1kiö. r) ^k.dcOl.l)V8VII.!.0dS0V^V8 in c-»I. rek. verir. p.744- »)
1 - 2 IV 8 ibitlem p.796. 5 .,. r) k-S-ZV'
8k-r«»,. 45.