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Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments ... / [Johann Georg Heinsius]
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XtV. Seculum. VII. Op. Von den Neben. Sachen.

Diese und dergleichen exorkücgmicn, wovon zum wonigstcn ein und anders wahr seyn mag / erbitterten dieChristen/ daß ste sich an dem unglückseeligen Geschlechteauf niancherley Weise rächete«. Um den Anfangdes 8eculi ward der berühmte kck^8I)OLH^I aus Oe-sterreich, welcher einen Lommenrsrium über einigeBüci)er des Talmuds geschrieben / u) zu Nürnbergan den Galgen gehänget. x) Um das Jahr izz8- ver-hetzte einer. Nahmens Armlcder die Bauren im Nas-säuischen an die Juden / welche hin und wieder aufge-suchet und erbärmlich todt geschlagen wurden/ bis derKäyserrvvovicvx vLvz»vsdem RädelssührerdenKopssvor die Füsse legen ließ. y)

Auf dem Loncilio zu Visnne ward unter andern einvecrer gegen die Wucherer abgefaffet/ worunter mansonderlich die Juden verstehen , und ihnen ihre Capita-lien .nicht wieder restituiren wölke; wiewohl sich derBischofs von Speyer derselben annahm, und behaup-tete/ daß die Juden, als Leute, ausser der Kirchen, nichtdadurch gemeynet würden, r) Sonst jagte sie dcrKö-nig Luderrig in Ungarn Anno iz44. aus seinem gan-tzen Lande. 3)

Anno rz48. war die Verfolgung gegen diß elendeVolck allenthalben so groß, daß man glaubte, eswürde nichts davon übrig bleiben. Man verbrannte altund jung ohne allen Unterscheid, weil sie die Brunnensoltcn vergifftet haben, welches auch viele auf derFol.tec gestunden. Nicht wenig liessen sich, daß Leben zuerhalten, tauffen; wiewohl einige davon nach derZeitso clesperac wurden, daß sie sich selbst lebendig verbrann-rcn. Also steckte ein solcher gekauffter Jude zu Costnitz um die Mitternacht sin Hanß an, und schrie dabey zum Fenster hinaus, daß er nicht als ein Christ,sondern als ein Jude, sterben wolre, wie denn derBrand nicht nur ihn und seine Familie, sondern noch40. andere Häuser verzchrete, zu Eslingen giengen siealle zusammen in die Synagoge, und verbrannten sichdarinnen. Dergleichen verzweifelte Thaten geschahenmehr, und erregten die Christen zu desto grösserer Ver-bitterung. b)

Um eben diese Zeit erhitzten die klsAelUnkes die Chri-sten in Elsas, um den Rhein und in Thüringen gegendie Juden, daß unzahliche derselben verbrannt wurden,worüber ein Jude zu Franckfurt daö Rakhhauß mit ei-nem Kunst-Feuer ansteckte, daß nicht nur dieses, son-dern auch die grosse Kirche und viel andere Häuser ver-zehret wurde», c) Hierauf mustc alles, was Judehieß, in dieser Stadt sterben. Und fo grenz es um sel-bige Zeit über sie iu gantz Deutschland her, daß viel tau-send verbrannt und todt geschlagen wurden, und derRest in Polen und Litthauen entfliehen muste, allwo steaus denen im V. Capitel angezeigten Ursachen bey cz-,»Eo Schutz funden. 6^)

Inz wischen war die Obrigkeit in Deutschland viel-

rO käkl'Ol.OcciVS kikl. k,bk. 1.4. P.47." x)

P.I47. 7) 8?Ot4vXd1V8. K20VIV8. 2) ^vctMV8.,) KS 8 d 4 ^ 6 L kill. äks Im' 5 s liu. 9. p.6?6> k) kLl-IXkL-LL8 in kiklor. 8ueuor. üb. I. p. 151. dr^vci.kkV8 ß-nersr.45. «) ttittor. tsnäßr-u. Ikurinß. c. 105. ch KHVO.L-IiV8 loc. cir. c^8V8IV8sli«»l, 8ueu. c. z,>l.OIckOdI

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fähig mir diesen Grausamkeiten nicht zufrieden, indemman sonderlich gar leicht erkannte, daß ein fließenderQuell und Bach nicht könne beständig vergifftet wer»den r sie mnste es aber bey dem Aberglauben mrdGrirndes Pöbels geschehen lassen, um nicht selbst in Gefahrdarüber zu gerathen, e)

Sonst Haben sich dieser Zeiten unterschiedene Gelehr«ten unter den Juden bekannt gemacht, als der k. 1-^LOL KMä8CMK, der k. IckMäCtzlkdck, der k.I8ääL8äk 8c»e8Mx'l'. der k. I8^^e I8K^LbH^.der 8. 8Nck80N OVK^l>IV8, deren Schriffken theilsüber den Talmud cymmemiren, theils allerhand Fra-gen, ihre Liturgien, ingleichen ?K)ssca und ^stroriomic»in flch fassen, f) uns aber zu wissen gar schlechtenNutzen schaffen können.

III.

Was hat man von dem Zustande des Hey-denthums zu mercken?

Daß sich dieLitkhauer in diesem 8eculo zum Christen-tbume gewandt, ist iin I. Capitel angezeiget worden.Bishero Hatten fle fast unzähliche Götzen, und sonder-lich auch das Lcuer, verehret. In ihren Haynen fandman den kMKVbibIVlck und andere Götzen, deren ichim vorigen 8ecnlo gedacht habe; wie denn ihr Götzen-Dienst mit demjenigen, so in Preussen gewesen, voll-kommen übereingekommen, g)

IV.

Was hat man von dem Zustande der Mu-hammedaner zu mercken ?

Mit den alten Arabern, die sonst die Oberhand ge-habt hatten, gierig es nunmchro zum Ende. Hingegenwurden die Türcken mächtig, bey welchen in diesem 5c,oll» die sogenannte Orromannische Pfarre, welchessoviel als die Ottomannische Residentz bedeutet, auf-gerichtet wurde.

Der Skiffter war O8X4HIM oderein Sohn oicrc>6vi.i5, welcher ein Fürst in Parthicngewesen, aber von den Tarkarn nach Natolien vertrie-ben wurden. Ottomann nun kam durch feine Tapf-ferkeit bey ^l.^vir»o m. dem Sultan zu Ironien in sol-ches Ansehen, daß er ihn zu seinem Oc-neralixiimo mach-te. Da nun nach Tode desselben Reich unter

die Türcken vertheilet ward, bekam OrtomannVirhy«nicn, gricss aber bald weiter um sich, daß er nicht nurmeistens gar.-tz Natolien unter sich bekam, sonderlichauch in Thracien und Griechenland streiffen konte. Dißnun war der Grund zu dem Tnrckischen Oktomanni-sehen Reiche, welches man gemeiniglich von Ao. i zoz.ansänget zu rechnen, und seinen Sitz zu kurlia oderprulia, so Ao.iz-S. im letzten Jahre Ottomanns er-obert ward, befestigte. Sonst rühmet man an diesemdie Großmulh,Tapferkeit, Leutseclig«keit und Freygebigkeit; daher sichs seine Nachfolger voreine Ehre schätzen, von einem sowohl qualificireten Für-sten Oktomannen genennet zu werden, k)

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e) LK 8 I 4 .!. c. p. 68r. k) Viä. 2 emsck. v»u>ä. 8ck,tscv.tack»,, ir. kikliork. krkki'n. L20VIV8 ,n. IZ87.

K) Laodncvs m iM. vmci».