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I. Fortsetzung von r7zr. bis 17z s.
Strafe der Missethäter ist, die sie'Falacka nennen,weil sie solche in diesem Falle auf einige Tage ent-deren müssen, da sie nemlich nicht gehen tönten ihreDienste zu verrichten, sondern auf den Rücken zugewartcn. Wiewol die Sclaven der Türken nochetwas besser gehalten werden, als diejenigen, so sichin den Raubnestern, Algier, Tunis, Salee undTripoli, befinden. Ihre Nahrung ist gemeiniglich Brod und Wasser, des Abends eine Suppevon Reiß, Linsen oder Erbsen, selten Fleisch, ausseran den Festtagen, wenn andere Christen in Con-stantinopel und der Orten, ihnen dergleichen schicken.
Wenn ihre Herren die Vermuthung haben, daßdie Sclaven vornehm und reich sind, pflegen siesolche noch mehr zu quälen und anzustrengen, umsie desto geschwinder zu einem hohen Lösegeld zuzwingen. Sie werden gemeiniglich im Kriege, oderauch wol zu Friedenözeit von den Tartarn, wenn siein der benachbarten Christen Länder, sonderlich inRußland streiffen, gefangen, daher man die Tartarnals der Türken Jagdhunde anzusehen pfleget, wiesie denn über iQonoc». Menschen in einigen Jahres Beytrag der Russischen Krone, und durch die Almosenweggeführet und dadurch den jetzigen Krieg veranlasset, der Griechischen Kirche loßgekauft worden, die meisten
an den Haußthüren ihrer vorigen Herren erhalten,um nicht vor Hunger zu sterben. Ausser diesen sizenviel tausend Christen auf den Galeeren angeschmie-det, und müssen bey dem Brodle des Elendes undden härtesten Strafen, die unerträgliche Arbeit derRudcrkncchte thun, können auch niemals loßgekauftwerden. Zu Constantinopel werden diese Sclaven»n Winter, und die andern täglich Abends m einmit hohen Mauren umgebenes Gefängniß, Barznogenannt, eingesperret, zwey und zwey an einer Kette,welche nicht eher abgenommen wird, 'bis der Tod erfoliget, welches eines der abscheulicksten seyn sol, wobey dieGriechischen und Römisch - Ccuholischen dennoch denTrost haben, daß ihnen ihrePricster vorGcld hineinge-lassen werden, den Gottesdienst indendasigcn kleinenCapeilen zu halten, Beichte zuhören und die Messezu lesen. In dem lezten Kriege, als die Türkenden Venetianern Morea abgenommen haben, sindviel tausend Griechische Christen zu Sclaven gemachtworden, deren man in klein Asien über 40009. ge-zehlet hat. Davon ist ein guter Theil durch den milden
haben. Hernach werden sie auf dem Markte zu Con,stantinopel wie das Vieh verkauft, das Weibes-Volk, wenn cS wohl gebildet ist, wird zur Barbari-schen Unreinigkeil gemißbrauchet, in die Serrailseingeschlossen, und zum Mahometanischen Aber-glauben angehalten. Die Sclaven werden gezwun-gen, sich mit andern zu verheirathen, die Anzahl derKnechte und Mägde zum Vortheil ihrer Herrn zuvermehren, unter der Dienstbarkeit verläugnen sieentweder ihren Glauben, oder behalten kaum einigeFußstapfen von Christenthume in ihrem Gedachtnissc übrig, so gar daß die Mißionarii ihnen auch dasGeber des HErrn, die Articul des Glaubens und soweiter mit vieler Mühe lehren müssen, und kaum vonden Barbaren die Erlaubniß dazu erhalten. DieEvangelischen Sclaven sind an unglükseligsten, dienicht allein in der Gefangenschaft veralten und ver-gehen, sondern keinen von ihren Predigern zu sehennoch zu hören bekommen, vielweniger einige Hof-nung haben loß gekauft zu werden, dahingegen dirRömisch-Catholischen sonderlich die Mißionarien,dergleichen die Patres Trinitatis sind, die ihrigennach Gelegenheit zu befreyen suchen, und auch wohldie Evangelischen, durch allerhand List, zur Verläu-gnung ihres Glaubens bringen, damit sie eines glc>.chen GlükS der Vefreyung theilhaftig werden. Diealten und untüchtigen Sclaven sind in dem erbärm-lichsten Zustande, werden von ihren Herren verflos-sen, gehen abgerissen und fast nackend, liegen aufden Strassen, und können kaum einen Bissen Brods
aber haften noch in der Sclaverey, und haben durchihr jämmerliches Wehklagen den Patriarchen zuConstantinopel, und die vornehmsten Geistlichendahin vermocht, daß sie unserer Christen Barmher-zigkeit anflehen, deswegen der jezige Patriarch zuConstantinopel seinen Archimandruen, Achnnast-uni Dsrostanmin, mit einem Briefe, darin er dasElend dieser armen Leute sehr lebhaft beschreibet,Almosen zusamlen, heraus gcschikt hat, der dennnach Berlin gekommen ist, und dem berühmten O.Jacob Eißnern daselbst, eine Beschreibung vondem Zustande der jczi.ren Griechischen Kirche ge-macht, die dieser mit einigen saubern Kupfernl?Z7- in 8- Z" Berlin heraus gegeben hat, darauswir diese Nachricht von dem Christlichen Sclavengenommen haben, b) GOtt stehe diesen armen ge-fangenen Christen Sclaven bey, und stärke sonder-lich die Evangelischen in der Beständigkeit des Glau-bens, damit sie nicht durch die leibliche Sclavereyin die geistliche gerathen, und darin an ihrer SeleSchifbruch leiden mögen.
Was dar Rirchenregunenr der Griechen uudüberhaupt der Morgenländischen Kirchen anbetrifftso stehen die erstern noch unter den vier Haupt-Pa-triarchen dem Lonstanttnopoliransschen, Alexan-drinifchen Anriochenischen und ^ierosolymi-rantschen, die Russen unter dem von dem grossen
Czaar.
b) prg. H. legg.