I. Cap. von der griechischen Kirche.
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an den Patriarchen zu Constantinopel appellirte, dadenn auch Bischöfe gesandt wurden, welche denGrund des Streits untersuchten und ihre Machtund Hoheit ausübten, indem sie denCzaar odcrTsarvon dem Banne frey sprachen und den RußischcnPatriarchen seiner Würde entsetzten. Dieses ist einevon den wichtigsten Ursachen,warum Peter der grossenach Absterben des leztcnMoscowitischen PatriarchenAdriani, diePatriarchalwürde abgeschaftund einenSynodum gesezt, darin er selbst das Haupt oder derPräsident seyn wollen, in welcher Verfassung sich auchnoch jczo die Rußische Kirche befindet. Der gedachteglorwürdigste Kayser fand, bey dem Antritte seinerRegierung, unter seinem Volke eine grosse Unwissen-heit, da der gemeine Mann sehr wenig Erkentnißharte von den Lehren des Christlichen Glaubens, auchselbst viele von ihren Priestern sich vergnügten mitdem Vermögen, ihren Dienst geschwinde mit einemGeräusche und Eilfertigkeit zu verrichten, ohne daßsie den wahren Sinn, von dem was sie redeten odersungen, verstünden. Der gröste Theil sezte die Artdes Gotkcsdiensts in äußerliche Gebrauche, in öftereund langwierige Hasten, in geweihete und ungcwei-here Speisen, in Anbetung der Jungfrau Maria,der Heiligen, insonderheit des heiligen rTUcolaiund der gemahlten Bilder. So gar bis die lezte-rcn Jahre, waren noch keine Schulen in Rußland,keine Unterweisung im Catechismo und Predigten, sadie wenigen gelehrten Männer scziger Zeit, so manci)-mal unter ihnen predigen, predigen nur in Sclavo-nischer Sprache, so daher ihre Kirchcnsprache heist,wie einige Reden, so davon qcdrukt worden, solchesbezeugen. Selbst die von perer Mogila übersetzteLiturgie ist in sehr hoher Schreibart in SclavonischerSprache geschrieben, und in sehr wenigen Händen,wie auch das angeführte Vckencniß des Glaubensder Rußischcn und Griechischen Kirche, Perer dergrosse suchte diesen Mängcln abzuhelfen, und hattedabey zugleich die Absicht, sich und sein Land von denPatriarchen zu Constantinopel frey zu machen, undseine eigene Kirche mit dem Titul einer Hauptkirche,Glavnoi Tserkove, zu beeren. Es ist gewiß, daßdie Patriarchen der Griechischen Kirche keinen an-dern Bcgrif von seinen Vorhaben gehabt, laut desInhalts dcrAntwort,so sie ihm gaben in Jahre 1724.denn er hatte an sie geschrieben als wolte er ihnennur wegen seines Verfahrens Nachricht geben, aberan statt von ihnen ihren Beyfall zu vernehmen,scheint er ihnen die Vcrlassung ihrer alten Freundeanzudeuten, wie daß er sich einen Weg gebahnt hätte,zu aller Zeit nach eigenem Gefallen, Neuerungeneinzuführen, ohne auf ihren Rath oder AnsehenAchtung zu geben. Auf solche Weise entzog sich dieLiußische Kirche der Unterwürfigkeit der Constanti-M. Theil.
nopolitanischen Kirche, und wird nunmehr» durcheinen Synodum oder geistlichen Rath, darin derCzaar Präsident ist, nach dem von perer dem erstengemachten Birchenreglemenr von 1721. dessen zuAnfange dieses Jahrhunderts mit mehrern gedachtworden, regiret. Wenn dieser Peter der grosselänger gelebt hätte, so würde er die Reformationseiner väterlichen Lehren viel weiter fortgesezet haben,als es bisjezo geschehen ist. Er stiftete die Academiezu Petersburg, welche noch sezo im blühendenStande ist, bey welcher im Jahre 175z. der Herrvon Kayserlmg zum Präsidenten ernennet worden,bey semen Lebzeiten durfte auch des Iavorsky Buch,genant: Stein oder Felß des tSlaubens, nichtzum Vorschein kommen, dessen wir in folgenden mitmehrern gedenken wollen. Als man auch 1714.Demerrium, Jewodokinows Sohn, Tweriri-nows Derufchky genant,einen Lehrer der Thomas,weil er in öffentlicher Proceßion das Bild des H.Alcrii zerschnitten hatte, verbrennete, so mißbilligteer diese harke Epecution, und sezte die Urheber hier-von, vom geist-und weltlichen Stande, scharf darüber
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zu Rede. Aber nach feinem 1725. den ——-
7. nebruarii
erfolgten Tode, wurde in eben dem Jahre Theodorstus ein Bischof von Novogrod, wegen der Bilderin eines der entlegensten Klöster vom Hofe verbannt,wie ich in dem folgenden gedenken wil. Was dieVerbesserung der Lehren und Sitten betrift, so istdas meiste noch so beschaffen, daß zu dessen Bewcrk-stclligung noch eine geraume Zeit erfoderr würde, umalle die Absichten zu erreichen, daran Petrus mit sogrossem Eifer gearbeitet hat. m)
Die Kayserin Latharina fuhr zwar in den ange-fangenen Veränderungen ihres grossen Vorgängersfort, allein sie hat eine gar zu kurze Zeit regieret, daßsie nichts besonders hinzuthun können. Kayser Pe-trus U. ließ sich, ohngeachtet seiner Jugend, ebendergleichen angelegen seyn, allein er hat gleichfalsnur eine gar zu kurze Zeit die Regierung geführet,was er in Ansehung der Mönche verordnet, wil ichim folgenden anführen. Die iezo glorwürdigstregi-rende Kayserin Anna hat vieles nach den Anschlägendes grossen perers zur Verbesserung des RußischenKirchenwesenS hinzugethan. Sie hat die unterperro II. angefangene Ausbreitung der ChristlichenReligion, unter den Ungläubigen unter der Rußisch-kayserlichen Majestät Botmäßigkeit stehenden Natio-nen, m) eifrig fortgesezet, daß nach und nach ver-schiedene Myrsen oder Fürsten und eine grosse Menge
Volks
m) C. Martini I. c. p. ir. Z7- 48. n) Fortgestjte Eambvon Alten und N.Test. S. »729- k- 695.
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