Buch 
Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments ... / [Johann Georg Heinsius]
Entstehung
JPEG-Download
 

I. Cap. von der Lehre.

6?l

die Französische Kirche in Nebensachen zuweilen ei, Lutheraner undCalvimsiengeschärffet, und dieStrcit

„ige Freyheit herausnehmen wollen, dieselbe dochvon dem Cardinal Fleury dergestalt eingeschränketund unterdrücket worden, daß kaum ein Schattenderselben noch übrig geblieben. Die neuesten Schrif-ten der Papisten, und des fetzigen gelehrten Pabstsselber I) legen zur Gnüge an den Tag, daß man so-wol in den Lehrsätzen, als hergebrachten Meynungender Kirche nicht im geringsten nachgeben oder wei-chen wolle. Es ist wahr, man wird.in Rom in An-sehung der gekrönten Häupter immer geschmeidiger,nicht weil man gern also werden wolte, sondern weilman nicht anders kan. Man erzeiget sich auch wohlhier und da zuweilen gegen die Protestanten, etwasbescheidener, und erträglicher. Mein an den meistenOrten, wo die Clerisey noch freye Hände hat, willman die vorige Bitterkeit, und alte Gewohnheitgegen die Ketzer zu handeln, noch nicht vergessen.Die heiligsten Bündnisse, theuer erworbene Privi,legia, und andere Gelöbnisse werden den Protestan-ten auf Anhetzen der Clerisey gebrochen, wenn es die,scr ihr ReligionScifer vor gut befindet, und andereUmstände es nicht verbieten. Wer überleget, wiees biöhier in Ungarn um die Protestanten gestanden,da sie vor ihre Königin doch Gut und Blut aufgc,setzet, der wird leicht den Überschlag machen, was manbey friedlichen Zeiten vollends mit ihnen würde ge-macht haben, wenn man ihrer Haut nicht so nöthiggehabt. Die Verfolgungen in Frankreich, Deutsch-land und Polen, welche noch immer fortdaurcn, be-stätigen das noch mehr. Die Jesuiten, ob sie gleicheinen grossen Theil ihrer eigenen Religionsverwand-ten äusserst verhaft sind, spielen noch immer denMeister. An statt bey täglich aufgehenden Licht,und mehrerm Wachsthum der Wissenschaften etwasvon den bisherigen Fehlern und Irrthümern zu er-kennen, und abzulegen, schmeichelt man sich liebergar wegen der Protestanten überhand genommenerLaulichkeit gegen die heiligen Glaubenslehren,dieselbe noch zu rechter Zeit wieder unter dem Jochder Kirche zu sehen, m) Man sinnet noch immerauf neue Mittel, die Protestanten glaubend zu ma-chen, daß die Römische Kirche die älteste, und ihreGlaubenslehren diejenigen sind, wozu sich die ersteKirche N. Testaments bekennet. Die bisher un-bekannten Werke des H. Ephraim aus Syrien,deren Ausgabe man bisher zu Rom veranstaltet hat,sollen auch zu diesem Zweck noch dienen. Die Glau-benslehren, so er vorträgt, stimmen genau mit denLehrsätzen der Kirche zu Rom überein. Er hat in

punkte, so die neuere Zeiten wider den heil. Stulzu Rom hervorgebracht, bereits zu seiner Zeit ent-schieden. Aber eben um deswillen halten die Pro,testantcn lieber diese Bücher vor untergeschoben, n)

VII.

Wa6 sind vor Irrthümer bey den Refottmitten anzutreffen?

Wir finden vor diesesmal keine Ursache, etwasvon dem zu ändern, was wir oben geschrieben haben.Man behält zwar die öffentliche Glaubensbekentniffenoch immer, aber man hält an einem Orte mit meh-rern Eifer darüber, als an dem andern. Die Engli-sche Kirche stehet fast allen Partheyen, ausreden Pa-pisten offen, und ist gar sehr von den Lehren und Ge-brauchen der andern Reformirten abgewichen, o)Die innern Streitigkeiten verringern sich täglich,da man der Grundartickul der christlichen Lehre im-mer weniger macht. Da man die Lutheraner fastdurchgängig vor Vrüder hält, so erregt man ihneneben keinen sonderlichen Streit, p) Hält man aberden Unterschied zwischen beyden Theilen gleich ffürkeinen solchen, der den Grund des Glaubens bc-trift, g) so giebt man doch ausserhalb Engeland vonden bisherigen Irrthümern zur Zeit nichts nach. r)Inder Schwitz halt man so scharf darüber, daßman auch denen, welche auf eine gute Spur gekom-men, dasselbe nicht erlaubt vorzutragen. Der gelehr-te ^tapfer entschuldigte sich wenigstens also gegenden M. B»rafc, als dieser in jenes Theologie einigegute Spuren in der Lehre in der Gnadenwahl entde-cket, und, weil jener davon plötzlich abgegangen, ihmdeswegen einige Zweifel gemacht hatte: Er habewegen der Censur verschiedenes weglassen musssen, und könne sich nicht so erklären, wie erwolle, weil er unter der Aufsicht der Obernschreibe. 4) Das übrige wird hernach bey denStreitigkeiten vorkommen.

VIII.

Wie ist das Christenthum in diesen Zeitenausgebreitet worden?

Wir haben oben die Mißionsgeschichte dorne ueften

Zeit

n) Götting. gel. Zeit.A. i?4t p- '85.

0) Welrmanni IVlernonibiÜL P. II. p. 878.

p) ^loskew.ü Inlllr. Ilist. L. recenriciriz sersn; p. 76z. 766.

q) Nachrichten von den neuesten theol. Büchern t. I.

seinen Werken die Waffen zum voraus wider die 447- V- n p. sr;. 67?. 1. m. p. 504.

———_—— ——^ Nachrichten von den neuesten theol. Büchern 1 *. l. x.

i) Krafts neue theologische Dibliothec 1 °. I. p. 46; ^5) zAk/lnstss. -r. lir. m der-

en) WeirmLn.'i ^lemorsvilir IlilkorI«SsceL l'.ll.p.z 18. Vorrede. Krafts theologische Bitiiorhec 1' l.